7.10.2018 19:00
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Kühe
Kühe: Härtere Kämpfe ohne Hörner
Das dürfte Armin Capaul in die Karten spielen. Gemäss einer Untersuchung des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) sind die Kämpfe unter enthornten Kühen härter. Der Bergbauer fordert mehr Platz für die Tiere.

Am 25. November kommt die Hornkuh-Initiative zur Abstimmung. Das Begehren dürfte in der Bevölkerung viel Sympathie geniessen. Am vergangenen Dienstag lancierte Armin Capaul mit seinen Mitstreitern die Abstimmungskampagne.

Drohen genügt oft

Eine Studie vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) könnte den Initianten zusätzlich helfen. Einige Resultate hat die «SonntagsZeitung» publik gemacht. Die wichtigste Aussage: Hörner beeinflussen das Sozialverhalten von Kühen. Dazu hat ein Forscherteam über mehrere Jahre den Hornstatus bei Milchkühen untersucht. Das Enthornen wirkt sich auf die Art der Kämpfe zwischen den Herdenmitgliedern aus.

Kämpfe dienen gemäss den Forschern als Mittel, um die Rangordnung auszumachen. «Kühe mit Hörnern lösen Konflikte und Rivalitäten mehrheitlich ohne Körperkontakt aus», sagt Eva van Beek zur «SonntagsZeitung». Das Drohen mit den Hörnern genüge oft, damit das rangniedere Tier dem Kampf ausweiche. Zudem banden die Forscher hornlosen Kühen Hörnerattrappen um. Diese Kühe trugen den Kopf höher als jene ohne Hörner.

Mehr Kopfstösse

Bei enthornten Kühen kommt es hingegen häufiger zu Kopfstössen. Dies deshalb, weil das Drohen ohne Hörner schwierig ist. Die Tiere haben zwar keine offenen Wunden, dafür mehr Hämatome oder gar Rippenbrüche. Besonders viele Kämpfe gibt es zwischen Kühen aus den mittleren Rängen.

Die grosse Mehrheit der Kühe trägt heute keine Hörner mehr. Ein wichtiger Grund dafür ist das Aufkommen von Laufställen. In diesen können sich die Tiere frei bewegen und Rangkämpfe austragen, was zu Verletzungen führen kann. Auch für Bauern kann von behornten Kühen eine Verletzungsgefahr ausgehen. 

Es sind aber auch wirtschaftliche Gründe ausschlaggebend. Hornlose Kühe brauchen weniger Platz im Stall. Der Landwirt kann mehr Tiere auf der gleichen Fläche halten. Armin Capaul fordert deshalb einen Drittel mehr Platz für die Kühe in der Schweiz. «Und könnten die Tiere wählen, hätten sie Hörner», sagt der 67-Jährige zur «SonntagsZeitung»

Hornkuh-Initiative

Mit der Hornkuh-Initiative soll erreicht werden, dass weniger Tiere enthornt werden. In der Verfassung soll verankert werden, dass horntragende Kühe, Zuchtstiere, Ziegen und Zuchtziegenböcke finanziell gefördert werden. Ein Verbot, die Tiere zu enthornen, sieht das Begehren aber nicht vor. Gemäss Vorstellungen der Initianten soll der Bund Bauern pro Kuh 190 Franken und für jede Ziege 38 Franken pro Jahr bezahlen. Hornbeiträge sollen nur jene Bauern erhalten, die auch beim RAUS-Programm mitmachen. Insgesamt rechnen die Initianten mit Kosten in der Höhe von jährlich 15 Mio. Franken. Dem Bund entstünden keine Mehrausgaben, betonen die Initianten. Die Hörnerbeiträge sollen über eine Umverteilung im Agrarbudget finanziert werden.

Der Initiativtext

Die Bundesverfassung wird wie folgt geändert:

Art. 104 Abs. 3 Bst. b

3. Er (der Bund) richtet die Massnahmen so aus, dass die Landwirtschaft ihre multifunktionalen Aufgaben erfüllt. Er hat insbesondere folgende Befugnisse und Aufgaben:

b. Er fördert mit wirtschaftlich lohnenden Anreizen Produktionsformen, die besonders naturnah, umwelt- und tierfreundlich sind; (-> neu) dabei sorgt er insbesondere dafür, dass Halterinnen und Halter von Kühen, Zuchtstieren, Ziegen und Zuchtziegenböcken finanziell unterstützt werden, solange die ausgewachsenen Tiere Hörner tragen.

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