26.06.2018 17:40
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Uri
Kühe in der Hitze: Politik reagiert
Am Montag berichtete der «Blick» über Kühe in Viehtransportern, die bei prallender Sonne im Stau standen. Bauern zeigten sich empört. Nun hat die Urner Regierung reagiert.

Für Milchkühe wurde die Fahrt in den Süden zur Tortur, berichtete der «Blick» am Montag. Gemäss der Zeitung wurden Viehtransporte in den Stau geschickt -  für die Tiere eine lebensgefährliche Situation.

45 Minuten im Stau

Chauffeur Attila Ernst wollte dem Stau ausweiche, deshalb verliess er bei Wassen UR die Autobahn und fuhr auf der Kantonsstrasse weiter. «Die Tiere brauchen Fahrtwind, damit die Luft zirkuliert», sagte er. In Göschenen wollte Ernst wieder auf die A2 zurück. Doch die Polizei verweigerte die Einfahrt.

Es blieb ihm nichts anderes übrig, als nach Wassen zurückzukehren und sich im Stau einzureihen. Während 45 Minuten stand der Lastwagen im Stau – die Luft im Camion erhitzte sich. Für die Kühe eine unhaltbare Situation. Verärgert sind auch die Tessiner Älpler und Bauern. «Man kann die Milchkühe nicht länger als vier Stunden transportieren. Werden sie krank, leidet die Milch und wir können nicht arbeiten. Und davon hängt unsere Alpwirtschaft ab», sagt Älplerin Brunella Ribeiro (44) aus Fusio TI zu «Blick».

Sicherheitsdirektor beruft runden Tisch ein

Die Polizei argumentierte, man halte sich an das Strassenverkehrsgesetz. Die Vorschriften seien einzuhalten. Nun mischt sich die Politik ein, wie der «Blick» am Dienstag berichtet. «Es darf nicht sein, dass Tiere im Stau stecken bleiben», sagt Volkswirtschaftsdirektor Urban Camenzind (CVP). Er werde nun mit Sicherheitsdirektor Dimitri Moretti (SP) sprechen. Es müsse eine Lösung gefunden werden, die für die Tiere, Polizei und Transporteure zufriedenstellen.

«Ich werde einen runden Tisch zwischen allen Anspruchsgruppen einberufen und die Sachlage aufarbeiten lassen», sagt Moretti. Das Wohl der Tiere liege ihm und der Polizei am Herzen. Die Transporte sollen künftig ohne Verzögerung durchgeführt werden.

Blaulicht im Tessin

Erfreut über den Sinneswechsel ist auch Cesare Sciarra. Er ist Chef Kontrolle des Schweizer Tierschutzes (STS). Ein Stau könne für Kühe lebensgefährlich werden. «Innert zehn Minuten können die Temperaturen auf bis zu 40 Grad steigen», erklärt er. Gemäss dem Kontrolleur sei die Tessiner Polizei flexibler. «Ich weiss von Fällen, in denen die Polizisten Tiertransporter mit Blaulicht aus dem Stau bis zur nächsten Ausfahrt lotste», so Sciarra.

Die Transporte auf die Alp würden sich lohnen. «Die Wochen auf der Alp sind, zumindest in einem guten Stall, Lebensqualität pur für die Kühe», macht er deutlich.

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