30.03.2019 09:36
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Fütterung
Kühe langsam ans Gras gewöhnen
Weidetetanie kann im Extremfall zum Tod führen. Schuld daran ist ein Magnesiummangel, der die Muskeln verkrampfen lässt. Deshalb müssen die Kühe gut auf die Frühlingsweide vorbereitet werden.

Kühe lieben das junge Frühlingsgras. Entsprechend fressen sie, wenn sie nun erstmals auf die Weide dürfen. Doch das kann heikel werden. Dann nämlich, wenn eine Kuh festliegt und nicht mehr aufstehen kann oder im Extremfall auf der Weide tot umfällt. Ursache ist ein Magnesiummangel im Blut. Die Krankheit wird, wenn sie auf der Weide auftritt, als Weidetetanie bezeichnet.

Zur Häufigkeit des Auftretens kann Mireille Meylan von der Vetsuisse-Fakultät Bern keine Aussagen machen. «Fälle von Weidetetanie werden nicht im Tierspital behandelt», erklärt sie. «Es sind Notfälle, und der Schweregrad der Symptome kann durch den Transportstress noch verschlimmert werden.»

Kalium hemmt Aufnahme

Bei der Tetanie sind verschiedene Faktoren im Spiel. Die wichtigsten sind der Magnesiumgehalt der Ration sowie die Aufnahmerate von Magnesium im Tier.  «Junges Gras im ersten Aufwuchs enthält einen Drittel weniger Magnesium als die folgenden Schnitte», erklärt Fütterungsfachmann Hansueli Rüegsegger von der UFA. «Bei jungem Weidegras sinkt zudem die Magnesium-Absorptionsrate von 20 auf rund 10 bis 15 Prozent.»

Zudem ist das junge Gras kalium- und rohproteinreich, und Kalium hemmt die Magnesiumaufnahme zusätzlich. Auch die schnelle Passagerate des strukturarmen Futters führt dazu, dass kaum Magnesium in die Blutbahn gelangt. Betroffen von der Weidetetanie sind meist ältere Kühe, die das im Körper gespeicherte Magnesium nicht mehr so flexibel freisetzen können, und Kühe mit einer hohen Leistung.

Langsame Umstellung

Vorbeugen kann man in erster Linie durch eine ausreichende Magnesiumversorgung: Entweder man setzt einen Mineralstoff mit erhöhtem Magnesiumgehalt ein, oder man verabreicht mehr vom «normalen» Mineralstoff. Auch eine ausreichende Natriumversorgung durch Viehsalz muss sichergestellt werden. Ausserdem kann durch die Fütterung von Heu oder Maissilage im Stall vor dem Weidegang das Risiko einer Weidetetanie gesenkt werden.

Komplexes Zusammenspiel

Magnesium ist an vielen Enzymen beteiligt und erfüllt lebenswichtige Funktionen. In den Muskelzellen ist das Magnesium als Gegenspieler zum Kalzium wirksam. Während das Kalzium die Muskelkontraktion verursacht, wird Magnesium zum Lösen des Muskels benötigt. Dieses Zusammenspiel ist enorm wichtig, da sämtliche Bewegungen nur durch das Zusammenspiel von Anspannen und Lösen der Muskeln möglich sind. Dieses Prinzip gilt nicht nur für Muskeln im Bewegungsapparat, sondern beispielsweise auch für den Herzmuskel. Entsprechend führt ein akuter Magnesiummangel zu einer Verkrampfung der Muskeln und im Extremfall dadurch zum Tod. sum

Rüegsegger weist zudem darauf hin, dass die Futterumstellung aufs junge Gras langsam erfolgen muss: «Die Pansenmikroben brauchen drei bis vier Wochen, bis sie sich an die neue Ration angepasst haben.»

Sofort Magnesium geben

Bei Tieren, die Anzeichen einer Tetanie (siehe Kasten «Gravierende Folgen») zeigen, ist eine sofortige orale Magnesiumgabe nötig. Diese erfolgt am einfachsten mit einem magnesiumhaltigen Gel. Tritt bei einem Tier eine Tetanie auf, sollte sicherheitshalber die Mineralstoffgabe für alle Tiere erhöht werden. Bei festliegenden Tieren mit Krampferscheinungen muss der Tierarzt gerufen werden.  

Gravierende Folgen

Eine akute Weidetetanie zeigt sich in Krämpfen, die meist mit Ohrenschlagen und heftigem Augenzwinkern beginnen. Es treten Zuckungen der Muskeln an den Gliedmassen sowie ein gestreckter Kopf durch Krämpfe der Halsmuskulatur auf. Häufig sind die Tiere extrem erregt, rennen gegen Hindernisse  an und sind auch aggressiv. Binnen weniger Minuten bis Stunden kommt es zum Festliegen mit zurückgestrecktem Kopf und rudernden Beinen sowie zu Apathie. Die Hinterbeine sind steif und überkreuzen sich. Jeder äussere Reiz kann neue Krampfanfälle auslösen. Typisch ist auch Herzrasen. Der Tod tritt ohne Behandlung durch Herz-Kreislauf-Versagen ein. sum

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