Samstag, 15. Mai 2021
20.06.2020 10:42
Tierhaltung

Kühe melken, wenn Kälber säugen

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Von: mgt

Bis anhin verlangte die Schweizer Milchhygieneverordnung das Abliefern des «ganzen Gemelks». Per Anfang Juli 2020 wird nun der Weg frei für die Vermarktung von Milch aus der mutter- und ammengebundenen Kälberaufzucht, schreibt die Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL). -> Mit Videos

Ende Mai hat der Schweizer Bundesrat die Milchhygieneverordnung geändert und an die entsprechende EU-Verordnung angepasst: Milch wird ab Juli 2020 auch in der Schweiz nicht mehr zwingend als «ganzes Gemelk» definiert.

Mit dieser Verordnungsänderung wird für die mutter- und ammengebundene Kälberaufzucht ein gewichtiges Hindernis aus dem Weg geräumt. Das FiBL untersucht diese Haltungsform seit vielen Jahren und bietet hierzu Beratung.

Natürliches Verhalten ermöglichen

«Wir erwarten, dass vermehrt Landwirte ihre Kälber nach der Geburt nicht mehr von den Milchkühen trennen und den Kälbern und Kühen ein weitgehend natürliches Verhalten in der frühen Aufzuchtphase ermöglichen werden» sagt Anet Spengler Neff, Leiterin der Gruppe Tierzucht und Tierhaltung am FiBL. «Die mutter- oder ammengebundene Kälberaufzucht ist sympathisch und tierfreundlich und von den Konsumenten gewünscht. Gleichzeitig stellt sie auch hohe Anforderungen an die Tierhalterinnen und Tierhalter», erklärt sie weiter.

«Die mutter- und ammengebundene Kälberaufzucht erfordert, dass man die Tiere täglich gut beobachtet und das System situationsbezogen und tierindividuell flexibel anpasst», sagt dazu FiBL-Beraterin Claudia Schneider. «Denn die Tiere reagieren ganz unterschiedlich. In der Zeit, während eine Kuh ein Kalb säugt, ist das Melken erschwert, weil die Milch zum Teil im Euter zurückgehalten wird. Während der Säugewochen sind deshalb die Milchmengen- und Gehaltsmessungen oft ungenau. Zudem sinkt die Milchmenge, die der Betrieb verkaufen kann», führt sie aus.

Lautes Muhen von Kuh und Kalb

Noch nicht alle praktischen Schwierigkeiten der mutter- und ammengebundenen Kälberaufzucht sind gelöst. «Für Zuchtbetriebe ist es zum Beispiel problematisch, dass ihre säugenden Kühe oft mehrere Monate lang bei den Milchkontrollen geringere Milchmengen mit anderen Fettgehalten geben», gibt Anet Spengler Neff zu bedenken. 

Zudem erfolgt das Absetzen der Kälber von der Mutter meistens bereits im Alter von ein paar Wochen oder Monaten, früher als das gemäss natürlichem Absetzalter von acht bis elf Monaten der Fall wäre. In einer ersten Phase hinterlässt das unzufriedene Tiere, was sich in lautem Muhen bei Kuh und Kalb zeigt. Es gibt zwar einige Lösungsansätze, doch diese können nicht in jedem Betrieb umgesetzt werden. 

Mit wenigen Tieren starten

Claudia Schneider rät: «Wer mit mutter- und ammengebundener Kälberaufzucht starten will, kann in einem ersten Schritt mit wenigen Tieren anfangen und Schritt für Schritt Erfahrungen sammeln, ohne grosse Investitionen tätigen zu müssen. Wenn die Abläufe klar sind, können dann bei Bedarf Stallumbauten geplant werden». Im Rahmen der Plattform mutter- und ammengebundene Kälberaufzucht werden periodisch Austauschtreffen für die Landwirtschaft organisiert.

Das FiBL betreibt seit Jahren Forschung und Beratung zur Förderung der mutter- und ammengebundenen Kälberaufzucht. Das Forschungsinstitut arbeitet dabei mit Bäuerinnen und Bauern zusammen, die verschiedene Systeme in der Praxis erprobt haben und auf ihren Betrieben Versuche durchführen liessen. Bereits 2011 veröffentlichte das FiBL die erste Auflage des Merkblattes zur kuhgebundenen Kälberaufzucht für Landwirte. Dieses wurde mittlerweile ins Englische, Französische, Italienische und Polnische übersetzt und 2018 neu aufgelegt.

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