25.06.2018 18:26
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Uri
Kühe schmoren in der Hitze
Im Kanton Uri brodelt es. Milchkühe, die auf Tessiner Alpen verbracht werden sollten, standen auf der Autobahn Richtung Gotthard bei praller Sonne im Stau. Bauern sind empört, die Polizei verweist auf das Gesetz.

Für Milchkühe wurde die Fahrt in den Süden zur Tortur, wie der «Blick» berichtet. Gemäss der Zeitung wurden Viehtransporte in den Stau geschickt -  für die Tiere eine lebensgefährliche Situation.

Einreihen im Stau

«Es war am 26. Mai, kurz nach Mittag. Vor dem Nordportal staute sich der Verkehr. Da habe ich wie gewohnt bei Wassen die A2 verlassen und bin nach Göschenen gefahren», erzählt Chauffeur Attila Ernst dem «Blick». Er habe das früher immer so gemacht, um dem Stau auszuweichen. «Denn die Tiere brauchen Fahrtwind, damit die Luft im Camion zirkuliert», fährt er fort.

In Göschenen UR wollte er wieder auf die Autobahn, doch ein Polizist verwehrte ihm die Einfahrt. Ernst fuhr zurück nach Wassen UR und reihte sich in den Stau ein. 45 Minuten dauerte die Warterei. Vergangenen Samstag bot sich ihm dasselbe Bild. Im Lastwagen befanden sich 24 Kühe, die auf eine Alp bei Fusio TI verbracht werden sollten. Wieder bildete sich Stau. Die Polizei untersagte dem Chauffeur das Verlassen der A2. «Die Tiere tun mir leid. Hat die Polizei kein Herz?», so Ernst.

Polizei: Keine Ausnahme für Tiertransporte

Verärgert sind auch die Tessiner Älpler und Bauern. «Man kann die Milchkühe nicht länger als vier Stunden transportieren. Werden sie krank, leidet die Milch und wir können nicht arbeiten. Und davon hängt unsere Alpwirtschaft ab», sagt Älplerin Brunella Ribeiro (44) aus Fusio TI zu «Blick». Giorgio Dazios warnt: «Wir sind auf die Kühe aus der Deutschschweiz angewiesen, sonst gibt es keinen Alpkäse.»

Bei der Kantonspolizei Uri wird auf die schweizerische Strassenverkehrsgesetzgebung verwiesen. Ab Erstfeld UR gilt ein LKW-Fahrverbot, für Tiertransporte gibt es keine Ausnahmen. Das Tierschutzgesetz fordere, dass die Transporte so zu planen seine, dass die Vorschriften eingehalten werden, sagt Polizeisprecher Gustav Planzer. Unter der Woche herrsche normalerweise freie Fahrt. In einer Notsituation will die Polizei helfen: «Wenn das Tierwohl erheblich beeinträchtigt ist, bieten wir Hand», sagt Planzer.

Lösung zugunsten des Tierwohls anstreben

Kantonstierarzt Andreas Ewy von den Urkantonen sagt, dass die Transporte bei möglichst wenig Sonne durchgeführt werden sollten. Bei Sonne und Stau müsse die Polizei eine Lösung zugunsten des Tierwohls anstreben. Unter Umständen auch gegen Gebühr, fährt er fort.

Attila Ernst kann dem nicht viel abgewinnen. Die Transporte müsse er für den Frühsommer planen, da gäbe es viele Feiertage. «Reisende machen oft ‘Brücke’ und an Wochentagen sind mehr LKW unterwegs. Wie soll ich wissen, wann ein Stau kommt und wann die Sonne scheint?», fragt er sich.

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