24.10.2018 16:07
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Umfrage
Kühe wegen Dürre geschlachtet?
Seit Monaten herrscht in der Schweiz Niederschlagsarmut. Das wirkt sich auch auf die Landwirtschaft aus. Bauern haben zu wenig Futter, Tierbestände wurden teilweise bereits reduziert. Mussten Sie wegen der Trockenheit Kühe schlachten? Abstimmen und mitdiskutieren

Die Schweizer Bauern kämpfen seit Monaten mit den Folgen der Trockenheit. Ausgiebiger Regen ist in vielen Gebieten nicht gefallen. Für viele Milchbauern ist das ein grosses Problem. So fehlt es ihnen an Futter für die Tiere. Entweder verfüttern sie bereits Wintervorräte, kaufen Futter zu oder bringen Kühe zum Metzger. 

Weniger Milch

Für die Bauern ist die aktuelle Lage ein Teufelskreis. Sie haben höhere Ausgaben für Futter, aufgrund der tieferen Milchproduktion aber geringere Erlöse. Die Anlieferungen in den Monaten August und September liegen unter dem Vorjahreswert. Einem temporären Zuschlag von 5 Rappen bei der Industriemilch erteilte die Branchenorganisation Milch eine Absage 

Während des Sommers war es vor allem im Osten massiv zu trocken. «Von Ende Sommer bis in den Herbst ist nun vor allem der Westen von der Trockenheit betroffen», sagt Eva Stehrenberger, Prognostikerin bei Meteotest, gegenüber schweizerbauer.ch. Trockene Sommer kommen seit den letzten Jahrzehnten häufiger vor. 

Extrem trocken


«Aussergewöhnlich ist vor allem, dass bereits der Frühling sehr trocken war. Zusammen bedeutete das für einige Orte im Osten tatsächlich ein Regendefizit (Frühling bis Sommer), wie es seit hundert Jahren oder gar seit Messbeginn noch nicht vorgekommen ist», fährt sie fort. Es fehle der Niederschlag von rund drei typischen Sommermonaten. Im Oktober hat sich die Situation wieder zugespitzt. 

«Es ist in der ganzen Schweiz viel zu trocken», sagt Stehrenberger. Das bestätigt auch Sandra Helfenstein, Mediensprecherin vom Schweizer Bauernverband (SBV), gegenüber schweizerbauer.ch: «Die Trockenheit hält an und je nach Region fehlt es dem Boden stark an Feuchtigkeit.»

Bis 20 Prozent tiefere Tierbestände

Die grosse Trockenheit führte zu massiven Auswirkungen. Das Gras auf Wiesen und Weiden ist nicht mehr gewachsen. Und auch die Neuaussaaten brachten nicht den gewünschten Erfolg. Die Grassamen keimten wegen der Dürre nicht. Also mussten die einige Bauern auch Futter zukaufen, da sie die Wintervorräte nicht gänzlich aufbrauchen konnten. In der Dienstagsausgabe des «Blick» meldet sich Landwirt Martin Müller aus Schmerikon SG zu Wort.

«Die Wiesen in Hanglagen sind richtiggehend verbrannt.» Bisher hat er vier Kühe schlachten lassen. Auch verfütterte er bereits Vorräte. Damit er im Winter genügend Futter hat, muss er weitere drei Tiere schlachten lassen. Andreas Widmer, Geschäftsführer vom St. Galler Bauernverband, schlägt Alarm. «Wir erwarten eine Reduktion der Tierbestände von bis zu 20 Prozent.»

Keine Kuhfleischimporte

Auch der Schweizer Bauernverband weiss von zahlreichen Betrieben, die bereits Wintervorräte verfüttern. «Die Knappheit – vor allem beim Heu – zeigen sich auch bei den hohen Heuimporten», so Helfenstein. In der Ostschweiz, grossen Teilen der Westschweiz und einzelnen Regionen des Bernbiets und des Mittellandes sei die Lage besonders angespannt.  

Es ist zu erwarten, dass in den kommenden Wochen weitere Tiere wegen der Trockenheit geschlachtet werden. «Die Kuhschlachtungen sind sicher über dem Vorjahr. Der Markt kann das aber aufnehmen. Die nicht zuletzt auch deshalb, weil im November keine Importe von Kuhfleischt getätigt werden», erklärt Helfenstein auf Anfrage von schweizerbauer.ch. Ein weiterer Preisdruck ist damit nicht zu befürchten. Die Preise könnten gar wieder steigen.

Vergleicht man die Anzahl der geschlachteten Kühe in der Schweiz mit jener der beiden vorderen Jahre, fällt auf, dass die Schlachtzahlen bereits im Juli stark angestiegen sind. Anders als im Vorjahr kam dieser Anstieg allerdings nicht über mehrere Monate verteilt, sondern von einem Monat auf den anderen. Anders als im Vorjahr blieb die Anzahl Schlachtungen in den folgenden Monaten  auf einem ähnlich hohen Niveau.

Appell an Verarbeiter

Der SBV empfiehlt den Bauern, ruhig Blut bewahren und die Kühe kontinuierlich verkaufen. «Es wird nicht lange dauern, da werden Kühe wieder Mangelware sein», bestätigt Helfenstein. Der Verband richtet aber auch einen Appell an die Verarbeiter. «Wir erwarten, dass die Preise bei den Schlachttieren stabil bleiben. Bei der Milch erachten wir den bereits im August geforderten Zuschlag zur Deckung der zusätzlichen Futterkosten nach wie vor als dringend nötig.»

Wie es auf Ihrem Betrieb aus? Mussten Sie bereits Kühe wegen der Trockenheit schlachten? Oder sind Sie vom trockenen Wetter nicht betroffen? Mitdiskutieren und abstimmen

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