3.02.2018 08:24
Quelle: schweizerbauer.ch - apa
Forschung
Kühe:Keine Allergie dank Grünfutter
Kleinkinder können eine Kuhmilchallergie entwickeln, die bis zum Erwachsenenalter zwar meist abklingt, aber das Risiko weiterer Allergieerkrankungen erhöht. Die allergische Reaktion kann jedoch bereits durch das gute Zusammenspiel zweier Milchbestandteile verhindert werden. Das hat eine in Scientific Reports veröffentlichte Wiener Studie gezeigt.

Verbinden sich das Milch-Protein Bos d 5, auch beta-Lactoglobulin, und das Vitamin-A-Stoffwechselprodukt Retinsäure in der Kuhmilch, wird das Immunsystem nicht gegen das Eiweiss aktiv. Das haben Wissenschafter des interuniversitären Messerli Forschungsinstitutes der Vetmeduni Wien, der MedUni Wien und der Universität Wien herausgefunden.

3 bis 5 Prozent

Eine Milchallergie kann Mund- oder Schleimhautschwellungen, Durchfälle oder die Verschlechterung einer Neurodermitis verursachen und in seltenen Fällen sogar einen allergischen Schock hervorrufen. Eine echte Milchallergie komme bei etwa drei bis fünf Prozent der Kinder in Europa, seltener bei Erwachsenen vor, erläuterte die Veterinärmedizinische Universität am Freitag in einer Mitteilung.

Sie wird häufig mit der Laktoseintoleranz verwechselt, bei der durch das fehlende Enzym Laktat lediglich Milchzucker schlecht verdaut wird. Bei der Milchallergie reagiert das Immunsystem selbst mit einem Abwehrmechanismus gegen Milchproteine. Es kommt zur Bildung von speziellen Immunzellen, die Antikörper gegen die Milcheiweisse produzieren und damit eine potenziell viel gefährlichere allergische Reaktion auslösen.

Viel Grünfutter

"Der Schlüssel ist, dass sich das für allergische Reaktionen relevante Milchprotein beta-Lactoglobulin die Retinsäure, ein Stoffwechselprodukt von Vitamin A, quasi in die Tasche steckt. Dafür muss allerdings die ausreichende Versorgung der Kühe mit dem Vitamin, etwa durch viel Grünfutter, gewährleistet sein", erklärte die Vetmed.

Erkranken Kleinkinder an einer Allergie gegen Kuhmilch, so bilden sich in ihrem Körper mit Th2-Lymphozyten spezielle Immunzellen, die Antikörper produzieren, die als körpereigene Abwehr gegen Milchproteine gerichtet sind. Eines der wichtigsten dieser sogenannten Milchallergene ist das beta-Laktoglobulin aus der Familie der Lipokaline. "Diese spezielle Eiweissfamilie besitzt molekulare Taschen, die kleine Moleküle, wie eben die Retinsäure, die ein Stoffwechselprodukt von Vitamin A ist, aufnehmen können", erklärte Erstautorin Karin Hufnagl.

Vitamin A

"Unsere Untersuchungen zeigten, dass das 'leere' Milchprotein die Aktivierung von Th2-Lymphozyten unterstützt und damit eine allergische Reaktionskette in Gang setzt", so Hufnagl. Steckt es sich jedoch die Retinsäure sozusagen in die Tasche, dann reagieren die Immunzellen ohne allergische Reaktion. "Eine adäquate Beladung des Milchproteins könnte damit verhindern, dass sich Kleinkinder oder auch Erwachsene sensibilisieren und eine Milchallergie ausprägen", resümierte Studienleiterin Erika Jensen-Jarolim.

"Eine ausreichende Versorgung der Milchproduzenten, sprich der Kühe, mit Vitamin A könnte diesem Effekt, ein harmloses Nahrungsmittel-Protein womöglich in ein Milch-Allergen umzuwandeln, entgegenwirken", erklärte Hufnagl. Fraglich sei jedoch, ob der positive Effekt von Vitamin A auch durch Nahrungsmittelzusätze erwirkt werden kann.

Sie erziele womöglich nicht die gleiche Wirkung wie natürliche Wirkstoffe und habe wahrscheinlich eine inadäquate Beladung des Milch-Allergens zur Folge. "Es gilt daher, Vitamin A schon bei der Haltung oder Fütterung den Tieren in einem entsprechenden Ausmass zuzuführen. Das kann etwa durch vermehrte Gabe von Grünfutter erreicht werden. Entsprechende Folgestudien müssen allerdings noch durchgeführt werden", so die Forscherin.

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