27.07.2018 10:27
Quelle: schweizerbauer.ch - hal
Hitze
Kühen Hitze erträglich machen
Das Besprühen der Kühe muss mit genügend Luftbewegung kombiniert werden. Sie bevorzugen bei Hitze leicht verdauliches Futter.

Das heisse Wetter macht auch den Nutztieren zu schaffen. Genügend Wasser und offene Ställe reichen den Kühen nicht, um das Leistungspotenzial während der Hitze ausschöpfen zu können. Die Verdunstung, die Fütterung und die Genetik spielen eine  wichtige Rolle im Kampf gegen den Hitzestress.

Problem der Luftfeuchte


Der Einbau von Ventilatoren in Verbindung mit einem Besprühen der Kühe mit Wasser kann den Hitzestress deutlich vermindern. Schon eine Luftbewegung von nur 10 km/h könne die Atmungsrate bei hitzegestressten Kühen um 50 Prozent reduzieren, schreibt Holstein International. Besprüht man Kühe in feuchten oder schlecht belüfteten Ställen mit Wasser, kann dies die Situation verschlechtern, denn das feuchte Fell bindet die Wärme im Tier.

Die aus der Luftbewegung resultierende Verdunstungskälte kühlt die Kuh ab. Eine hohe Luftfeuchtigkeit verursacht, dass das Wasser auf dem Fell der Kuh deutlich weniger schnell verdunstet. Die besten Ergebnisse werden erzielt, wenn die Wassersprinkler die Kühe in kurzen Zyklen jeweils eine Minute besprühen und die Ventilatoren dann vier Minuten laufen, damit die verdunstete Feuchtigkeit die Kühe kühlt. 

Fütterung anspruchsvoll

Stehen die Kühe dicht gedrängt, kann ihre Körpertemperatur schnell ansteigen. Der nächste Bereich ist der Futtertisch. Man sollte darauf achten, dass die Sprinkler weg vom Futter und hin zur Kuh ausgerichtet sind.

Die Kühe fressen bei heissem Wetter weniger und sortieren das Futter häufiger. Man kann beobachten, dass die Kühe während der kühleren Phase des Tages deutlich mehr fressen. Die Kühe sind vor allem auf der Suche nach leicht verdaulichen Futterbestandteilen. Man sollte ausschliesslich hochwertiges, blattreiches Grundfutter verwenden. 

Ein höherer Getreideanteil in der Ration kann sinnvoll sein, um mehr Nährstoffe zuzuführen. Allerdings steigt damit das Azidoserisiko. Eine Ergänzung der Ration mit Puffern kann förderlich sein. Es gibt eine Reihe von Zusatzstoffen, die speziell dazu dienen, den pH-Wert im Pansen von gestressten Kühen zu stabilisieren. Wichtig ist auch, dass man bei heissem Wetter ein unnötiges Bewegen der Tiere durch Behandlungen vermeidet.

Das «Slick»-Gen

Im Allgemeinen sind hellfarbige Milchrassen wie rote Rassen oder Jersey hitzetoleranter als Tiere der Rasse Holstein. Ein Merkmal für eine grössere Hitzetoleranz hat man bei der Rasse Senepol auf den Jungferninseln bemerkt. Diese Rasse hat ein kurzhaariges, dichtes Fell, das sie in heissem, feuchtem Klima widerstandsfähiger gegenüber Hitzstress macht. Das sogenannte «slick»-Haarkleid ist ein dominantes Merkmal. In Neuseeland und Puerto Rico wurde die Rasse Senepol mit der Rasse Holstein gekreuzt. Die Genetikorganisation STgenetics hat bereits  zwei Stiere im Angebot, welche das Slick-Gen zu 50 Prozent an die Nachkommen vererben. Es sind dies Slick-Gator Blanco und Slick-Gator Lone-Ranger. Gut möglich, dass das Slick-Gen in Zukunft mittels der Zuchttechnik Gene Editing die Rasse Holstein hitzetoleranter machen wird. hal

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE