20.02.2019 16:17
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Umfrage
Kuhtoilette: Top oder Flop?
Anfang Februar präsentierte das niederländische Unternehmen Hanskamp die Kuhtoilette. Mit dem System soll der Ammoniakausstoss in der Milchviehhaltung massiv sinken. Es gibt jedoch Bedenken bezüglich der Praxistauglichkeit. Wie denken Sie darüber? Ist die Kuhtoilette eine Top-Innovation oder doch eher eine Schnapsidee? Abstimmen und mitdiskutieren

Vielerorts laufen Bestrebungen, den Ammoniakausstoss in der Viehhaltung zu reduzieren. Eine innovative Lösung zeigt nun die niederländische Hanskamp auf.

Ammoniak um 90% vermindern

Das Unternehmen verspricht mit ihrem System «Kuhtoilette» (CowToilet) eine «substantielle Verminderung der Ammoniakemission». Gemäss der Universität Wageningen (NL) wird etwa 90% des Ausstosses durch die Landwirtschaft verursacht. 

Beim Zusammentreffen von Kot und Urin entsteht Ammoniak. Gelangt dieser in die Luft, kann dieser in den Boden eingetragen werden. Die Kuhtoilette setzt deshalb beim Urinieren an. Der Harn wird mit einem Behälter aufgefangen, bevor er auf den Boden gelangt. Anschliessend wird der Urin abgesaugt und in Behälter geleitet.

Kuh wird nicht gezwungen


Das Ganze läuft automatisch ab. Und die Kuh wird zu nichts gezwungen, sondern sie sucht die Toilette freiwillig auf. Um das Tier zum Urinieren zu bringen, behilft sich das System von Hanskamp einem natürlichen Reflex. Die Kuhtoilette wird auf dem Zentralband des Euters angebracht und bewegt sich mit der Kuh mit. Das System sucht den Nerv, der den Blasenentleerungsreflex stimuliert. Die Kuh beginnt anschliessend zu urinieren. 

Hanskamp führt neben der Reduktion der Ammoniakemissionen und damit einen positiven Einfluss auf die Umwelt einen weiteren Vorteil des «CowToilet» auf: die Gesundheit der Tiere. Es entstehe ein gesünderes Stallklima, weil Lungen und Klauen weniger belastet würden, teilt Hanskamp mit. Zudem könne der reine Urin als hochwertiger Grundstoff für die Präzisionsdüngung oder als Energiequelle genutzt werden.

2020 soll die Kuhtoilette auf den Markt kommen. Einen Preis für das System hat Hanskamp noch nicht kommuniziert. 

Kühe urinieren oft beim Aufstehen

Auch Schweizer Forscher erachten die Kuhtoilette als innovativen Ansatz. In Frage gestellt wird aber die Praxistauglichkeit und die Emissionsminderung. «Im Gegensatz zu Schweinen nutzen Kühe keine definierten Kot- und Harnstellen», sagt Agroscope-Forscherin Sabine Schrade zu «Schweizer Bauer». Oft würden Kühe nach dem Aufstehen urinieren. Und einige Kühe würden sich nicht oder ungern zum Harnen simulieren lassen.

Was halten Sie von der Kuhtoilette? Wird sich das System in den Ställen durchsetzen? Oder ist eine witzige Idee, die aber den Durchbruch nicht schaffen wird? Mitdiskutieren und abstimmen

Pro Tag wird gemäss Hanskamp bei den Versuchen rund 10 Liter Urin pro Kuh aufgefangen. Hochgerechnet auf die 1.5 Millionen Kühe würden so 15 Millionen Liter täglich zusammenkommen. «Die CowToilet van Hanskamp trägt mit zu einer nachhaltigen und profitablen Zukunft für die Milchviehhaltung bei», schreibt das Unternehmen selbstbewusst.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE