16.09.2015 06:11
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Verbände
«Kunden zu Fans machen»
Immer mehr Milchproduzenten hängen den Melkstuhl an den Nagel oder verzichten auf Zuchtausweise – eine Entwicklung, die den Zuchtverbänden Sorgen bereitet. Sie reagieren mit neuen Angeboten und Aktivitäten.

Swissherdbook richtet Anfang Oktober mit der grossen Kelle an. Swisscow 2015, anlässlich des 125-Jahr-Jubiläums von Swissherdbook, ist nicht nur eine Viehausstellung, sondern ein Volksfest mit Konzerten und Party. Und auch die Zuchtstierenmärkte in Zug, Bulle FR und Thun BE von letzter und dieser Woche sind mehr als Handelsplattformen. Sie dienen ebenso sehr der Kundenbindung.

Swissherdbook verliert bis zu 150 Mitglieder

Matthias Schelling, Direktor von Swissherdbook, bestätigt: «Mit Swisscow möchten wir unseren Mitgliedern etwas bieten.» Zudem plane man die Erweiterung des Dienstleistungsangebots: «Die Zuchtberatung soll ausgebaut werden.»

Swissherdbook verliert unter dem Strich rund 100 bis 150 Mitglieder pro Jahr. Die Zahl der Austritte ist laut Schelling grösser, aber es gelingt auch, neue Mitglieder zu gewinnen. «Das sind vor allem Nicht-Herdebuch-Betriebe, aber auch Bauern aus der Ostschweiz, die die Rasse wechseln oder zu den braunen auch noch rote oder schwarze Kühe halten.»

Braunvieh bi dä Lüüt

Bauern, die dem Braunvieh den Rücken kehren, sind laut Jörg Hähni von Braunvieh Schweiz Einzelfälle. «Die meisten Viehhalter, die aus dem Zuchtverband austreten, wechseln in die Mutterkuhhaltung oder geben ihren Betrieb auf.» Jährlich verzeichne man etwa 200 Austritte, in den 90er-Jahren seien es 500 bis 600 gewesen. «Wir wollen Gegensteuer geben», betont Hähni, «und unsere Kunden zu Fans machen.»

Braunvieh Schweiz hat deshalb eine neue Veranstaltungsreihe. Sie heisst «Braunvieh bi dä Lüüt» und ist laut Hähni dazu gedacht, den Kontakt zu den Mitgliedern in den Regionen zu suchen. «Die Anlässe finden auf einem Braunviehbetrieb statt, nebst einem Vortrag steht das Zusammensein im Zentrum.» Ein Konzept, das mit jeweils 200 bis 300 Besuchern aufzugehen scheint.

Stärken der Zusammengehörigkeit

Neben dem Wecken von Emotionen und dem Stärken der Zusammengehörigkeit setzt Braunvieh Schweiz mit der Braunvieh-Akademie auf  Weiterbildung. «Das Interesse daran ist in den letzten Jahren gestiegen», begründet Hähni das Engagement. 

Laut Direktor Pascal Monteleone blieb die Mitgliederzahl beim Holsteinzuchtverband in den letzten zehn Jahren stabil. «Um die Mitglieder zu halten, bemühen wir uns um gute, gezielte und angepasste Dienstleistungen wie die Anpaarungsberatung.» Mit den Holstein Awards organisiere man zudem einen sehr beliebten Anlass.

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