2.09.2016 09:13
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Liechtenstein
Label für maximalen Kuhkomfort
Kühe sollen frei wählen können, wann sie sich melken lassen und wann sie fressen. So wie im Stall von Martin Telser in Balzers (FL). Dieses maximale Tierwohl soll mit einem neuen Label honoriert werden.

Martin Telser bewirtschaftet in Balzers (FL) den Rheinhof. Der Betrieb ist in Sachen Tierwohl auf höchstem Niveau. Der Stall wurde 2015 neu gebaut. Derzeit stehen 57 Braunvieh- und Holsteinkühe darin. Genauer gesagt: Sie stehen, liegen, fressen oder lassen sich melken – jede so, wie es ihr beliebt.

Das ist möglich, weil die Arbeitsabläufe automatisiert und sowohl die Fütterung wie auch das Melken an Roboter delegiert wurden. «Ich habe das nicht gemacht, weil ich weniger Arbeit haben will», beteuert Telser, «sondern, weil es den Kühen besser entspricht, wenn sie rund um die Uhr machen können, was sie wollen.»

Patentiertes Stallkonzept

Dieser Meinung ist auch Tiziano Ziliani. Der Lely-Verkaufsberater freut sich wie Telser, wenn es den Kühen gut geht. «Aber die Bauern, die ihren Tieren das Maximum an Komfort bieten, werden nicht belohnt», bedauert er. Sein Ziel ist, das zu ändern. Deshalb hat Ziliani vor fünf Jahren das Label «Dairy Wellness» gegründet und schützen lassen.

Ebenso liess er ein Stallkonzept mit freiem Tierverkehr, das den Kühen die bestmöglichen Bedingungen bietet, in der Schweiz und im Fürstentum patentieren. Telsers Stall entspricht genau diesem Konzept, zumal der Balzerser Bauer die Kühe auch weidet. «Die Weide, konkret das Raus-Programm, ist Voraussetzung bei Dairy Wellness», erklärt Ziliani, «ebenso muss gewährleistet sein, dass die Kühe sich jederzeit melken lassen und rund um die Uhr fressen können.» Von welcher Firma der Roboter stammt, sei aber nicht entscheidend. Dairy Wellness habe mit Lely nichts zu tun.

Über dem Biomilchpreis

Die Idee, Milch von Kühen aus Kuhkomfort-Ställen unter einem neuen Label zu vermarkten, soll auch den Bauern etwas bringen. Und zwar in Form eines Milchpreises, der leicht über dem Biomilchpreis liegt, denn das Label geht laut Ziliani in Sachen Tierwohl und ethisch vertretbare Milchproduktion weiter als das von Bio – etwa, wenn eine frisch gekalbte Kuh mit 50 oder 60 kg Tagesmilch  mehrmals täglich gemolken werde.

«Der Bauer muss über das Produkt – die Milch – entschädigt werden dafür, dass er Investitionen in einen optimalen Stall getätigt hat, und dafür, dass er den Kühen beste Bedingungen bietet», findet Ziliani. Sein Dairy-Wellness-Konzept berücksichtige neben dem Stallsystem auch den Tierschutzgedanken: «Die gute Haltung fördert die Langlebigkeit und damit die Nachhaltigkeit der Tierhaltung ebenso wie einen aufs Minimum reduzierten Antibiotikaeinsatz. Das sind Elemente, die bisher in keinem Label berücksichtigt sind. Ich bin sicher, dass die Konsumenten das honorieren.»

Gespräch mit Abnehmern

Auch Martin Telser steht voll und ganz hinter der Idee. «Es ist die richtige Zeit für Dairy Wellness», ist er überzeugt. «Die Konsumenten wollen wissen, wie die Tiere gehalten werden. Wenn sie sehen, wie frei die Kühe hier leben und dass sie machen können, was sie wollen, sind sie sicher bereit, mehr für Milchprodukte zu bezahlen. Viele wissen nicht mehr, was die Kuh leisten muss, um einen Liter Milch zu produzieren.»

Vor zwei Jahren präsentierte Ziliani sein Konzept bei Coop in Basel. «Sie befanden, es sei interessant, aber fast nicht vermarktbar, weil der Konsument schon heute denke, dass die Haltung der Kühe den höchsten Anforderungen entspreche», bilanziert er. «Seither habe ich von Coop nie mehr etwas gehört.» Auch bei Elsa und Emmi hat Ziliani angeklopft – ohne Erfolg. Im Oktober wird er mit einem weiteren Milchabnehmer verhandeln.

Bauern signalisieren Interesse

«Wenn diese Gespräche ebenfalls im Sand verlaufen, überlege ich mir, die Sache selbst in die Hand zu nehmen und die Milch eines ersten Bauern verarbeiten zu lassen. Das ist aber der Worst Case», betont er. «Die Abnehmer sollten die Chance sehen, grosse  Lieferanten zu gewinnen, da Roboterbetriebe die Zukunft sind.»

Dass vonseiten der Bauern Interesse besteht, kann Ziliani belegen: «Lely hat 305 Roboterbetriebe in der Schweiz. Ich habe im Juli  in der Region Ost alle angeschrieben, rund 20 von ihnen würden sofort mitmachen.

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