28.04.2020 09:22
Quelle: schweizerbauer.ch - hal
Freiburg
«Lasse mich nicht zu Unrecht verklagen»
Einem Landwirt, der anonym bleiben möchte, wird Tierquälerei vorgeworfen, weil bei seiner Kuh an der Expo Bulle 2019 nach den Siegerwahlen ein Ödem nachgewiesen wurde. Der Fall wurde vergangene Woche am Bezirksgericht behandelt.

«Schweizer Bauer»: Bei Ihrer Kuh wurde anlässlich der Expo Bulle 2019 nach den Siegerwahlen bei der Nachkontrolle ein Ödem im Euter nachgewiesen. Wie überraschend war dieser Befund für Sie?
Viehzüchter: Die Kuh verhielt sich vor den Championwahlen wie bei mir im Stall: Sie frass, trank, legte sich nieder und käute wieder. Es gab überhaupt kein Anzeichen, dass sie sich nicht wohl fühlte. Ich erschrak und war baff, dass ein Ödem vorhanden sein sollte. Die visuelle Euterfülle war aus meiner Sicht korrekt. Zudem wies sie einige Tage nach der Ausstellung bei der amtlichen Kontrollwägung eine hervorragende Zellzahl von 44'000 aus. 

Das war erst der Beginn der Geschichte. Erzählen Sie.
Von der Staatsanwaltschaft erhielt ich einen Strafbefehl, in dem ich wegen Verstosses gegen das Tierschutzgesetz als schuldig verurteilt wurde. Ich erhielt eine Geldbusse von 200 Franken.

War Ihnen im Voraus bewusst, dass Sie wegen einem Verstoss an der Expo Bulle angezeigt, verurteilt und gebüsst werden können?
Ich wusste es vom Hörensagen, ging aber bei der Euterfülle auf Nummer sicher, erst recht, weil die Kuh im Voraus die Swiss Expo gewonnen hatte. Ich machte mir deshalb keine weiteren Gedanken. Dass ich dann angezeigt, gebüsst und als Tierquäler hingestellt wurde, konnte ich so nicht akzeptieren. Ich lasse mich nicht zu Unrecht als Tierquäler verklagen. Denn mir ist das Tierwohl sehr wichtig. Ich betreue meine Kühe 365 Tage im Jahr, so gut es geht, und biete ihnen möglichst viel Luxus und Komfort. Deshalb beschloss ich, Einsprache zu erheben. Ich wusste, dass es viel kosten würde. Aber die Hoffnung, dass ich freigesprochen werde, war es mir wert.

Wie haben Sie Ihre Kuh an der Expo Bulle bezüglich Euterfülle vorbereitet?
Die Championwahlen fanden gegen 20.00 Uhr statt. Ich konnte so den normalen Melkrhythmus beibehalten. Die Kuh hatte eine Euterfülle wie jeweils bei mir zu Hause im Stall.

Können Sie bestätigen, dass bei Ihrer Kuh eine Stunde vor der Nachkontrolle eine Ultraschalluntersuchung negativ ausfiel?
Die Kuh wurde um 19.00 Uhr nach der Kategorie ohne Ödem getestet. Dass sie nur eine Stunde später erneut kontrolliert wurde, ist das  i-Tüpfelchen der Geschichte. Gemäss dem seit Anfang 2020 geltenden Ausstellungsreglement der Arbeitsgemeinschaft Schweizerischer Rinderzüchter (ASR) wäre dies gar nicht mehr möglich. Selbst im Gespräch mit Tierschutzvertretern wurde mir gesagt, dass ich nun eben der Pechvogel sei. Eine Kontrolle nach den Championwahlen, wenn man melken will, gab es weltweit noch nie und wird es bestimmt auch nie mehr geben.

Wie müsste Ihnen zufolge an Ausstellungen kontrolliert werden?
Ich bin mit der Ultraschall-Kontrolle einverstanden und begrüsse es, wenn sie vor dem Ring und vor den Championwahlen durchgeführt wird. Dieses Verfahren ist aber nur ein Hilfsmittel von mehreren, um die Euterfülle zu beurteilen. Der gesunde Menschenverstand und das Auge müssen beim Entscheid dringend auch eine Rolle spielen. Es geht um die visuelle Euterfülle, das Allgemeinbefinden der Kuh und  auch um das Ultraschallresultat.

Urteil folgt

Der Fall, über den am Bezirksgericht Tafers FR vergangene Woche verhandelt worden ist, geht auf die Expo Bulle 2019 zurück. Bei der bekannten Holsteinkuh wurde dazumal nach den Championwahlen bei der Nachkontrolle ein Ödem festgestellt. Die Kuh steht auf dem Betrieb eines 32-jährigen Landwirts aus dem Kanton Bern und gehört ihm im Mitbesitz. Die Expo Bulle führte Kontrollen gemäss Ausstellungsreglement der Arbeitsgemeinschaft Schweizerischer Rinderzüchter (ASR) durch. Diese Kontrollen gelten gleichzeitig als Auflage, damit das Veterinäramt der Expo Bulle eine Durchführungsbewilligung erteilt. Das Veterinäramt kann allerdings Zusatzkontrollen verlangen, wie es eben mit der erwähnten Kontrolle ausgangs Ring geschah. Der Landwirt erhielt eine Anzeige, die Freiburger Staatsanwaltschaft verurteilte ihn wegen Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz. Er erhielt eine Busse von 200 Franken. Der Landwirt zog den Fall an das Bezirksgericht weiter. Seine Anwältin plädierte auf Freispruch, da es keinen Beweis für ein strafrelevantes Verhalten gebe, weder absichtlich noch fahrlässig. Das Urteil stand bei Redaktionsschluss noch aus. hal

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