24.02.2019 19:53
Quelle: schweizerbauer.ch - Adrian Haldimann
Viehzucht
Lieferanten von Topgenetik
Andreas und Thomas Ender übernahmen vor zwei Jahren den Milchwirtschaftsbetrieb in Kallern AG. Im Gespräch mit schweizerbauer.ch diskutieren sie ihre Zuchtphilosophie, ihre Selektionskriterien, den Stier-Einsatz und die genomische Selektion. -> Mit Videos

Hellender – eine Marke, die seit Jahrzehnten für qualitativ hochstehende Holsteinkühe steht. Anton Ender war 2010 Holstein-Meisterzüchter der ersten Stunde. Vor zwei Jahren übergab er den Milchviehbetrieb an seine Söhne Andreas und Thomas, die mit viel Arbeit und Leidenschaft das Erbe auf das nächste Level bringen – das Magazin Holstein International nominierte Ender’s in die Top 100 der einflussreichsten Züchter.

Zuchtphilosophie

Hellender Juror Jurgolin verhalf der «Hellender»-Herde zu Ruhm und Ehre. Die EX-92 eingestufte Jurgolin wurde 17 Jahre alt, produzierte über 150’000 kg Milch und bewährte sich vor allem mit enormer Vererbungskraft. Insgesamt produzierte sie bei 13 Spülungen 165 Embryonen, die knapp zur Hälfte verkauft wurden. 

«Jurgolin hat Nachkommen in 9 verschiedenen EU-Ländern», erzählt Thomas Ender, der auf dem Betrieb mit insgesamt 85 Holsteintieren für die Zuchtarbeit verantwortlich ist. Insgesamt seien bereits elf Jurgolin-Töchter exzellent (EX) linear beschrieben. Der 2005 geborene Champion-Sohn Colin, ehemalige Nr. 1 nach ISET, weist noch heute mit über 3000 Töchtern einen ISET von 1261 auf. 

Mit dem Alter immer besser

Die Ausnahmekuh ist ein Musterbeispiel für die Betriebsphilosophie: «Die Jungkühe sind eher unauffällig und haben eine gute Körperkondition», sagt Thomas Ender und betont deren Entwicklung: «Mit dem Alter werden sie immer besser. Unser Markenzeichen sind mittelgrosse, robuste und langlebige Kühe mit gesunden Eutern.»

Die Nominierten

Das Magazin Holstein International nominierte weltweit 100 Betriebe unter dem Titel «Die einflussreichsten Züchter der letzten 25 Jahre.» Darunter sind drei Betriebe aus der Schweiz zu finden. Es sind dies «Hellender» von Andreas und Thomas Ender aus Kallern AG, «Castel» von Michel Castella aus Sommentier FR und «Plattery» von Christian Menoud aus Romanens FR.

80 Prozent Jungstiere

Ender’s arbeiten beim Einsatz von Stieren mit einer breiten Auswahlpalette. Einzig Stantons Chief sei vermehrt eingesetzt worden. Weiter kamen Siemers Oct Apple Crisp, Vogue Letsgo, Vogue Landslide, Siemers Apples Army, Walnutlawn Sidekick, Castel Bad und Lindenright Apps zum Einsatz. Es werde sehr individuell angepaart. Rund 80 Prozent sind Jungstiere und 20 Prozent geprüfte Stiere.

«Jungstiere haben mittlerweile eine relativ hohe Sicherheit. Sie beschleunigen den Zuchtfortschritt», Thomas Ender. Andreas Ender, der sich um die Fütterung und das Management kümmert, ergänzt: «Auf dem Markt sind deren Nachkommen zudem gefragter.» Ob von einem Stier gesexter Samen im Angebot steht, ist kein Selektionskriterium. Trotzdem gilt: «Wenn der gewünschte Stier gesext verfügbar ist, brauchen wir ihn – und das auch auf Kühe.»

Markenzeichen

«Wir wollen unsere Herde so positionieren, dass wir auch in Zukunft ein zuverlässiger Lieferant von Topgenetik sind. Diese Positionierung erfordert das Züchten von ausbalancierten Kühen ohne Extreme», sagt Thomas Ender und betont: «Wir setzten daher nie extreme Schauvererber, die zu viel Grösse bringen, ein.» 

Den funktionellen Merkmalen wird grosse Beachtung geschenkt. So sei die Zellzahl bei der Stierselektion ein Killerkriterium. Das wirkt sich in der Herde positiv aus. Laut Thomas Ender lag 2018 die Zellzahl bei 80 Prozent aller Kontrollwägungen unter 100'000. Nicht weniger wichtig ist das Exterieur. «Wir brauchen ein super Exterieur, um viel Milch und eine hohe Lebensleistung zu erreichen», ist er überzeugt. 

Genomische Selektion

Seit zwei Jahren werden alle Tiere genotypisiert. Allerdings werden die Tiere nicht nach ihren Genomzuchtwerten selektioniert. Die Genomzuchtwerte dienen aber dazu, dass bei der Anpaarung «versteckte» Schwächen und Stärken wie beispielsweise der Milchfluss berücksichtigt werden können. Nach hohen Gesamtzuchtwerten (ISET) als alleiniges Merkmal wird nicht gezüchtet. 

Thomas Ender sagt aus Erfahrung: «Unsere höchsten Tiere nach ISET sind nicht unbedingt diejenigen Rinder, die uns am meisten entsprechen.» Deshalb selektioniere er bei den Rindern nicht nach ISET, weil er in anderen Rindern bezüglich Körperbau und Abstammung zum Teil mehr Potenzial sehe. «Die Genomik ist ein Hilfsmittel. Wir verwenden sie aber nicht als alleiniges Selektionskriterium», fährt er fort.

Embryoprogramm intensiviert


Um die gefragteste und beste Genetik zu vermehren, wurde das Embryoprogramm in letzter Zeit bei Ender’s intensiviert. Denn der Absatz von Embryonen sei in den letzten Jahren gestiegen, vor allem ins Ausland, bestätigt Thomas Ender. 7 bis 8 Spülungen werden pro Jahr gemacht. Gut die Hälfte der Rinder würden demnach Embryonen austragen. 

Es werden ausschliesslich die besten Kühe gespült. Diese müssen sich betreffend Milchleistung und Exterieur deutlich vom Rest abheben. Und dies ist bei Hellenders Herde gar nicht so einfach. «Bei uns bleibt keine Kuh in der Herde, die in der dritten Laktation nicht mindestens exzellent eingestuft wird», sagen die Thomas und Andreas. Beim Embryotransfer sei wichtig, dass die Bilanz nicht nach einer Spülung gezogen wird. Denn da gibt es zwischendurch auch Rückschläge. «Aber schlussendlich stammen die meisten unserer bekannten Kühe aus ET ab.»

«Social Media vereinfacht den Kundenkontakt»


Gut züchten reicht jedoch nicht aus, um einflussreicher Züchter zu werden. Dazu gehört auch, dass andere Züchter von dieser Genetik profitieren können. Und deshalb ist bei Ender’s auch jedes Tier verkäuflich.

Beim Marketing spielt Social Media eine wichtige Rolle. «Mit Facebook können wir Personen auf der ganzen Welt erreichen. Der Kontakt mit ihnen hat sich damit wesentlich vereinfacht», beschreibt Andreas Ender die Situation. Der Verkaufserfolg lässt sich sehen: jährlich werden mindestens 20 Zuchttiere verkauft und ebenso viele Embryonen – das bei einem Bestand von 35 Kühen.    

Im «Schweizer Bauer» vom Samstag, 23. Februar ziehen Andreas und Thomas Ender nach zwei Jahren Betriebsführung Fazit und geben Tipps für eine erfolgreiche Betriebsübernahme.

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