8.09.2019 06:02
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Tiergesundheit
Mehr als ein Schönheitsfehler
Die Kälberflechte kann bei massiv erkrankten Kälbern zu Wachstumseinbussen führen. Zudem breitet sich der Pilz in einer Gruppe rasant aus. Vorbeugend ist auf eine gute Fütterung und Haltung der Kälber zu achten.

Jeder kennt sie, die rund bis ovalen, scharf abgegrenzten, haarlosen Stellen mit einem schuppigen hellgrauen Belag. Und jeder weiss: Ist  erst ein Kalb befallen, geht es nicht lang, bis die ganze Tiergruppe unter der Flechte leidet.

Auf Menschen übertragbar

Dabei ist die Kälberflechte (Trichophytie), die durch einen Pilz hervorgerufen wird, mehr als ein Schönheitsfehler. Martin Kaske, Tierarzt und Geschäftsführer des Kälbergesundheitsdienstes (KGD): «Massiv an Kälberflechte erkrankte Kälber entwickeln sich langsamer als gesunde Tiere, und dies über Wochen und Monate. Dazu kommt, dass Flechten auf den Menschen übertragbar sind. Deshalb ist es wichtig, Vorkehrungen zu treffen, damit  Flechten nicht auftreten.»

Zur Vorbeugung gehört in erster Linie, dass die allgemeinen Bedürfnisse von Kälbern im Hinblick auf Haltung, Fütterung und Hygiene berücksichtigt werden. Kälberställe sollten im Rein-Raus-Verfahren bewirtschaftet werden, wobei der Stall nach jeder Mastgruppe entmistet, mit dem Hochdruckreiniger gewaschen und vor der erneuten Belegung mindestens drei Tage leer stehen gelassen wird.

Sonnenlicht im Stall

«Sonnenlicht wirkt sich günstig aus, insofern ist das Risiko in hellen, trockenen Ställen vermindert», ergänzt der Tierarzt, «und in kleineren Gruppen mit weniger als 15 Kälbern, die genug Platz haben, ist das Befallsrisiko kleiner.» Kaske rät, nur gesunde und aus nicht infizierten Betrieben stammende Tiere zuzukaufen, Stress und häufiges Umgruppieren der Tiere zu vermeiden und genügend und häufig frisch einzustreuen.

«Wenn ein Kalb befallen ist, sollte es so schnell wie möglich abgesondert und behandelt werden», rät er, «denn die Flechte heilt erst von selbst ab, wenn die Tiere älter sind und eine Immunität entwickeln. Das kann lang dauern.»  Reagiert man bei ersten Anzeichen – kleine, lokal begrenzte Stellen mit aufgestellten Haaren und folgendem Haarausfall –, dehnen sich die Hautveränderungen zentrifugal aus. Es kann dann mehr oder weniger der ganze Körper betroffen sein. 

Dreisäulenkonzept

 

  • Behandelt wird die Kälberflechte  mit einem Dreisäulenkonzept: 
  • Abtötung der Pilze auf der Haut durch wiederholte lokale Waschbehandlungen
  • Verbesserung der Immunabwehr durch eine Optimierung der Fütterung – insbesondere ist eine ausreichende Versorgung mit Vitamin A  und Vitamin E wichtig 

 

Verbesserung der Haltungsbedingungen und die drastische Verminderung des Infektionsdrucks im Stall; hier ist zu berücksichtigen, dass sich ein Grossteil der Pilze nicht am Tier, sondern an den Stalleinrichtungen befindet. Die Übertragung geschieht entweder von Tier zu Tier, aber auch indirekt durch Gerätschaften, die für mehrere Tiere benutzt werden wie beispielsweise Bürsten. 

Impfung möglich

Bei massivem Befall rät Kaske – der mit dem Kälbergesundheitsdienst bei solchen Bestandsproblemen hilft – zu einer Impfung: «Studien zeigten, dass die konsequente Impfung in Problembetrieben effektiv wirkt und die Krankheitsdauer abkürzt. Dafür ist die zweimalige Verabreichung eines Impfstoffs erforderlich. Es sollten stets alle Tiere der Gruppe geimpft werden. Zudem ist es ratsam, die Impfung der nachwachsenden Jungtiere konsequent über mehrere Jahre fortzuführen, um ein Bestandsproblem endgültig zu lösen.»

Der KGD

Der Kälbergesundheitsdienst (KGD) bietet ein flächendeckendes Netz mit Fachleuten für kälberspezifische Probleme wie die Kälberflechte. Der KGD unterstützt Mitglieder auch mit ganzheitlichen Vorbeugungskonzepten. 

www.kgd-ssv.ch

 

 

 

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE