20.08.2014 08:30
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Alp
Mehr Kühe stürzen wegen Nässe
Der nasse Sommer hinterlässt auch auf den Alpen buchstäblich Spuren. Viel Gras wird zertreten, und viele Kühe haben kranke Klauen. Und weil die steilen Hänge nass sind, stürzen im Berggebiet tendenziell auch mehr Kühe ab.

Rund 400'000 Kühe und Rinder, 210'000 Schafe sowie Pferde, Ziegen und andere Wiederkäuer sind momentan auf einem der 7'000 Schweizer Alpbetriebe. Sie und die Älpler haben mit dem nassen Wetter zu kämpfen.

35 Prozent mehr Rettungsflüge

Das merkt auch die Schweizerische Rettungsflugwacht (Rega). Während sie im ganzen Jahr 2012 insgesamt 456 und 2013 insgesamt 443 Einsätze für Bergbauern geflogen ist, waren es bis am 15. August 2014 bereits 597 Einsätze. Das entspricht einer Zunahme von fast 35 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gemäss Rega-Sprecher Philip Zumstein wurden dabei über 1100 Tiere ausgeflogen: «Von diesen Tieren waren ungefähr 470 noch lebend, 670 tot.» Mit Ausnahme von ein paar Pferden handle es sich um Kühe. «Diese Einsätze für Bergbauern sind in der Familiengönnerschaft von 70 Franken pro Jahr inbegriffen», betont der Rega-Sprecher.

Das nasse Wetter hat in gewissen Gebieten auch zur Folge, dass  das Futter früher knapp wird als in anderen Jahren. «Auf den Berner Alpen  ist etwas weniger Gras gewachsen, aber vor allem wurde viel Gras zertrampelt», sagt Inforama-Berater Martin Jutzeler. Teilweise komme deshalb das Vieh eine Woche früher von den Alpen. Zudem seien vermehrt Klauenprobleme aufgetreten. «Permanent schlechtes Wetter fördert verschiedene Fäulnisbakterien, welche die Tiere schwächen, so dass sie für Krankheiten wie das Grippeli empfänglicher werden», fügt er an.

Futterverlust durch Trittschäden

In Graubünden ist das Futter auf den Alpen insgesamt zwar nicht knapp. «Wenn die Weiden einigermassen gut eingeteilt wurden, dann hat es noch Gras», sagt Curdin Foppa, Beratungsleiter am Plantahof. Und da es nie weit heruntergeschneit habe, sei auch die Milchproduktion auf normalem Niveau. Trotzdem kämpfen die Bündner Älpler mit der Nässe. «Wegen der Nässe sind tendenziell mehr Tiere abgestürzt. Und es gab vermehrt Probleme mit Klauen», betont Foppa.

Auch im Kanton Uri liege die Milchmenge auf den Alpen dank dem guten Vorsommer noch im normalen Bereich, erklärt Damian Gisler, Leiter Landwirtschaftliche Beratung: «Das Problem liegt weniger im Futterwuchs sondern eher beim Futterverlust durch Trittschäden oder Verschmutzung.» Zum Teil hätten abgelegene Gebiete auch nicht beweidet werden können, weil die Absturzgefahr zu gross sei. Wenn das Wetter mitspiele, müssten die Kühe aber nicht früher von den Alpen runter.

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