16.07.2018 14:58
Quelle: schweizerbauer.ch - sum
Tierhaltung
Mehr Tierwohl belastet Luft
Ammoniakemissionen haben negative Auswirkungen auf Mensch und Umwelt. Der Strukturwandel und das Tierwohl führen dazu, dass die Emissionen nicht sinken und die Bauern in der Kritik stehen.

Die Landwirtschaft ist Hauptverursacherin des Luftschadstoffs Ammoniak. Aufgrund rückläufiger Tierbestände ist dessen Ausstoss zwischen 1900 und 2000 von 67'000 auf 59'000 Tonnen gesunken. Seither blieb er konstant. Für den Bundesrat ist deshalb klar: Die Landwirtschaft habe die Umweltziele in diesem Bereich nicht erreicht, monierte er im Jahr 2016. Die Ammoniakemissionen müssten deshalb weiter runter, um rund 40 Prozent gegenüber 2005. 

Laufstall als "Umweltsüder"

Das ist ein Ziel, für das die Bauern viel tun, indem sie ihre Güllelager überdeckt haben und die Gülle mit dem Schleppschlauchverteiler ausbringen. Doch der Strukturwandel und der –  vom Bund verordnete und von der Bevölkerung gewünschte – Trend zu BTS und Raus, zu Weide und Laufställen hebt die Bemühungen wieder auf. Das bestätigt Thomas Kupper von der Hochschule Hafl: «Im Laufstall entstehen 2,5 Mal mehr Ammoniakemissionen als im Anbindestall.» 

Konkret gehen laut Kupper 37 Prozent des Ammoniaks aus der Tierhaltung im Stall und im Laufhof verloren, 43 Prozent beim Ausbringen von Gülle. «Mit dem Schleppschlauch kann man die Emissionen um rund 30 Prozent senken. Doch ist der Anteil der Laufställe seit 1990 auf 50 Prozent bei Milchkühen gestiegen,  was zu höheren Verlusten führt. Das hebt sich gegenseitig auf. Ohne emissionsmindernde Techniken beim Güllen hätten die Emissionen zugenommen.» 

73 Prozent der Emissionen vom grasfressenden Rindvieh

Diesen Zusammenhang blendet Vision Landwirtschaft aus. «Stark überhöhte Tierbestände» seien schuld am Ammoniakausstoss. Die Tiere machten enorme Mengen an Futtermittelimporten nötig, kritisiert die «Denkwerkstatt unabhängiger Landwirtschaftsexperten». Was Vision Landwirtschaft nicht erwähnt: Für 73 Prozent der Emissionen ist das Rindvieh verantwortlich, das vorwiegend Gras frisst, und nur für 14 Prozent die Schweinehaltung.   

Für den Schweizer Bauernverband (SBV) ist die undifferenzierte Kommunikation störend. «Mit keinem Wort wird erwähnt, warum die Umweltziele nicht erreicht wurden und welche Zielkonflikte mit dem Bereich Tierwohl bestehen», ärgert sich Sandra Helfenstein. «Von Behörden könnte man erwarten, dass sie die Zusammenhänge kennen. Die erbrachten Leistungen der Landwirtschaft, um den Ammonikausstoss zu minimieren, werden in keiner Art und Weise gewürdigt – das ist demotivierend.»

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