29.06.2015 06:21
Quelle: schweizerbauer.ch - sum
Sömmerung
Melkroboter erobert die Alpen
Auf dem Pragelpass zwischen Glarus und Schwyz steht eine Weltneuheit: der erste Melkroboter auf einer Alp. Alpwirtschaftsberater Curdin Foppa begrüsst die Innovation. Fragezeichen gibt es bei der Alpkäseproduktion.

Beat und Karin  Betschart aus Muotathal SZ  bewirtschaften einen Stufenbetrieb. Bisher hatte der Bauer und Älpler drei Melkanlagen, je eine im Tal, auf dem Vorsäss und auf der Alp. Seit diesem Jahr milkt ein Roboter, genauer ein Astronaut A3 Next der Firma Lely, die 36 Kühe an allen drei Standorten. Das automatische Melksystem ist eingebaut in einen Baucontainer auf Rädern. Dieser   beinhaltet auch den Kompressor für den pneumatisch angetriebenen Roboterarm sowie ein Büro mit Computer. Er wiegt rund 3500kg und wird mit dem Traktor gezogen. Der fahrbare Milchtank steht bei Betscharts neben dem Container,  er liesse sich aber ebenfalls integrieren.

Positive Erfahrung mit Astronaut

Beat Betscharts erste Erfahrungen mit dem Betrieb auf dem Vorsäss sind   positiv: «Bisher funktioniert der Astronaut, der vor dem Stall aufgestellt ist, bestens. Wir hatten noch keine Störungen.» Von den stallnahen Weiden würden die Kühe selbstständig  rund um die Uhr den Roboter aufsuchen, um sich melken zu lassen, so Betschart, «auch stehen sie jeden Morgen pünktlich um 5.30 Uhr zum Melken bereit.»  Seien die Tiere weiter vom Stall  entfernt, müsse er sie hin und wieder holen.

Laut Tiziano Ziliani von Lely Schweiz ist Betscharts Astronaut bislang einmalig: «Es  handelt sich um den weltweit ersten mobilen Roboter, der auf der Alp Kühe milkt.» In Luxemburg sei schon ein Astronaut mit Rädern versehen worden, doch dieser arbeite  nur auf dem Talbetrieb. «Wir haben allerdings schon weitere Anfragen für mobile Roboter erhalten.»

Roboter kann Sinn machen

Für Curdin Foppa von der Fachstelle Alpwirtschaft am Plantahof  in Landquart GR macht ein Roboter auf kleineren Alpen durchaus Sinn:  «Das Alppersonal kann   die Arbeit flexibler einteilen, und die Arbeitsbelastung sinkt, wenn das Melken wegfällt.»   Auf Genossenschaftsalpen mit über 100 Kühen sei ein automatisches Melksystem  aber nicht möglich. «Die Kühe müssen   an den Roboter gewohnt sein, und auf zu grossen Weiden werden die Wege zu lang.»

Greyerzerproduzenten dürfen ihre Kühe nicht mit dem Roboter melken. Und auch Hansueli Burri, Präsident  der Sortenorganisation Berner Alp- und Hobelkäse AOP, macht diesbezüglich Vorbehalte: «Im Pflichtenheft ist der Melkroboter zwar nicht explizit verboten. Es steht jedoch geschrieben, dass das älteste Gemelk bei Beginn  der Verarbeitung maximal 15 Stunden alt sein darf. Somit ist das Melken mit dem Roboter bei einer Verarbeitung am Tag nicht möglich.»

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE