6.03.2014 08:49
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Milchvieh
«Melkstände für Hornkühe gibt es nicht»
Behornte Milchkühe können in einem Laufstall gehalten werden. Sie brauchen aber mehr Platz, und die Integration eines neuen Tieres muss besonders sorgfältig erfolgen. Probleme kann es geben, wenn die Leitkuh abgeht.

21 Kühe hält Werner Ammann derzeit in seinem Milchvieh-Laufstall in Ganterschwil SG. Sie alle zusammen tragen 39 Hörner. 39, weil eine Kuh sich ein Horn abgebrochen hat und eine zweite als Kalb enthornt wurde. «Ich habe dieses Kalb einst an einer Tombola gewonnen und konnte es ja nicht einfach zurückweisen», erzählt der Biobauer, der sich auch als Gründer des Netzwerks Kometian einen Namen gemacht hat.

In seinem Stall stehen etwa 25 Interessierte, die der Einladung des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) zum Kurs «Laufställe für Kühe mit Hörnern gefolgt sind und die sich anschauen wollen, wie Ammann seine Hornkühe und den Muni hält.

Eingliederung

Sein hornloses Rind habe sich gut in die horntragende Herde integriert, fährt Ammann fort. Er zieht die Rinder nicht selber auf, sondern kauft bei Bedarf Vieh aus dem Berggebiet zu: «Ich gliedere immer mindestens zwei Kühe aus demselben Herkunftsbetrieb gleichzeitig ein. Dabei halte ich sie zuerst einige Tage von der Herde getrennt, aber so, dass sich die Kühe beschnuppern können. Danach lasse ich sie zum Fressen und zum Melken zur Herde, und, sobald alles klappt, auch über Nacht.» 

Damit mache er gute Erfahrungen, bilanziert der Biobauer. «Es gibt mehr Unruhe in der Herde, wenn eine dominante Kuh oder sogar die Leitkuh abgeht. Dann entsteht ein Machtvakuum, und es gibt sofort Rangkämpfe. Dank dem Stier fallen diese immerhin weniger heftig aus.»

Erkennungsmerkmal

Die Stellung der Kuh in der Herde spielt denn auch eine Rolle beim Entscheid, ob sie nochmals belegt werden soll. Ammann macht diesbezüglich eine eigene Rechnung: «Wenn die Kuh in die Herde passt, darf sie auch 1000kg Milch weniger geben und ich behalte sie. Wenn ich sie mag und sie mich, spielt die Leistung noch weniger eine Rolle.» Überhaupt ist des Biobauern Beziehung zum Vieh der Grund, weshalb er auf das Enthornen verzichtet: «Ohne Hörner sehen alle Kühe ähnlich aus. Ich aber spreche meine Tiere beim Melken gern mit ihrem Namen an. Dank der Behornung kenne ich sie auf den ersten Blick.»

Ammann hat den elterlichen Betrieb 1976 übernommen und 1994 auf Bio umgestellt. Bis zum Verbot des Kuhtrainers auf Biobetrieben hatte er einen Anbindestall. 2001 dann baute er diesen zum Laufstall um und aus. Im alten Stallteil sind heute zwei Abkalbeboxen untergebracht. Abkalbeboxen, die Ammann nicht nur zum Abkalben braucht, wie er ausführt: «Nach dem Kalben belasse ich die Kuh rund 10 Stunden beim Kalb. Dann kommt sie ein bis zwei Wochen lang tagsüber in die Herde. Am Abend nach dem Melken lasse ich sie über Nacht zum Kalb, und vor dem morgendlichen Melken hole ich sie dort wieder.»

Er habe dank dieser Methode keine Durchfallprobleme bei den Kälbern, und viele Mutterkuhhalter seien froh, wenn sie ein Kalb kaufen könnten, das sich das Saugen an der Kuh gewohnt sei. Allerdings gebe es zwei Nachteile: «Manchmal gibt eine Kuh die Milch abends im Melkstand nicht, weil sie genau weiss, dass sie danach zum Kalb darf. Und es gibt ein Gebrüll, wenn die beiden getrennt werden.»

Respektabstand

Dass alles Vor- und Nachteile habe, zeige sich auch bei der Haltung von Hornkühen im Laufstall, so Ammann. Etwa viermal pro Jahr komme es zu Euter- oder Scheidenverletzungen wegen Hornstössen. Dabei hat auch bei Vollbelegung des Stalles jede Kuh deutlich mehr Platz als vorgeschrieben. 18m2 sind es dann, «Nicht zu viel», findet ihr Halter, «behornte Kühe brauchen zwischen einander einfach einen etwas grösseren Respektabstand.»

Das merkte er erstmals, als er das Fressgitter mit 81cm Fressplatzbreite in Betrieb nahm. Manche Kühe trauten sich nicht zu fressen, wenn die Plätze links und rechts belegt waren. Abhilfe schaffte Ammann mit Sichtblenden aus Holz. Sie seien auch hilfreich, wenn eine Kuh zum Heu im Winter noch etwas Vollmaispflanzenwürfel erhalte. Kraftfutter füttert der Biobauer keines. Sichtblenden aus Holz zieren auch den Side-by-Side-Melkstand. Wie am Fressgitter sind sie Eigenbauten, denn, so Ammann: «Melkstände für Hornkühe gibt es nicht.»

Sozialkontakte

Die Tiefstreu-Liegeboxen wurden erst nachträglich eingebaut, zuerst lagen die Kühe auf einer Tretmist-Tiefstreue. Das war zwar in den Augen ihres Besitzers tiergerechter, brauchte aber zu viel Stroh und machte auch zu viel Arbeit. Deshalb dürfen die Kühe nun zwischen 25 Boxen wählen, wenn sie nicht gerade an einem der 27 Fressplätze fressen, in einem der beiden Laufhöfe die Sonne, den Wind oder den Regen geniessen, an einem der beiden Brunnen trinken oder sich von der automatischen Bürste oder einer Stallgenossin das Fell pflegen lassen. Soziale Kontakte gibt es in Ammanns Stall zuhauf – trotz der Hörner.

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