Donnerstag, 30. Juni 2022
10.05.2022 10:50
Fütterung

Milchkühe: Fenaco handelt CO2-Zertifikate

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Von: blu

Im Mai 2021 führte UFA, ein Tochterunternehmen der Fenaco, ein Futtermittel ein, dass den Methanausstoss der Kühe um bis zu 20 Prozent reduziert. Ab Herbst können Milchproduzierende die Emissionsreduktionsrechte der Fenaco abtreten. Alternativ können Bauern diese auch selbst handeln.

Gemäss ihrer langfristigen Klimastrategie will die Schweiz ihre Treibhausgasemissionen bis 2030 halbieren und bis 2050 nicht mehr Treibhausgase ausstossen, als natürliche und technische Speicher aufnehmen können.

75’000 Tonnen Methan

Die Landwirtschaft verursacht in der Schweiz rund 13 Prozent der Treibhausgasemissionen. Laut Fenaco stossen die rund 550’000 Milchkühe in der Schweiz beim Verdauen insgesamt rund 75’000 Tonnen Methan aus, das entspricht 1,9 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten.

Methan hat jedoch einen massiv grösseren Effekt. Dieser ist rund 25 Mal so gross jener von CO2. Die Fenaco will mit ihrem Tochterunternehmen UFA beim Methan ansetzen. Mit dem Programm UFA Swiss Climate Feed (USCF) will der Konzern einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Bis 20 Prozent weniger Methan

Futterhersteller UFA, der zum Fenaco-Konzern gehört, hatte im Mai 2021, das Mineralfutter «UFA 295 Biotin USCF» auf den Markt gebracht. Wie die Futtermühle damals mitteilte, enthält diesen den natürlichen Zusatzstoff Agolin Ruminant des Schweizer Unternehmens Agolin SA. Dieser Zusatzstoff verbessert die Verdauung der Kühe.

Die Tiere stossen 10 bis 20 Prozent weniger Methan aus. Diese Wirkung bestätigte der Swiss Clean Tech Report 2020 der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Das Potenzial zur Reduktion des Methanausstosses beziffert die Fenaco auf mehrere 100’000 Tonnen CO2-Äquivalente.

Steigert Effizienz

«Mit dem klimaschonenden Futtermittel leisten die Schweizer Landwirtinnen und Landwirte einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz», schrieb die Fenaco im Juli 2021. Und es steigert die Effizienz. Die Kühe produzieren mehr Milch und benötigen 2/3 gleichzeitig weniger Futter. Feldversuche haben zudem gemäss Fenaco die hohe Akzeptanz des neuen Futters bei den Kühen bestätigt.

Das Futter hat sich bei den Bauern in den vergangenen Monaten gemäss UFA gut etabliert. Dies jedenfalls sagt Paul Steiner, Vorsitzender der Geschäftsleitung, am 10. Mai 2022: «Das Produkt wird bereits auf landwirtschaftlichen Betrieben in der ganzen Schweiz eingesetzt.»

Agolin

Der Futterzusatz Agolin ist ein im schweizerischen Bière VD von der gleichnamigen Firma hergestelltes Produkt, das laut dem Hersteller auf pflanzlichen Wirkstoffen basiert. Es wurde kürzlich auch vom weltgrössten Schokoladeproduzenten Barry Callebaut erfolgreich eingesetzt. Durch Versuche mit Agolin in den USA und den Niederlanden gelang es dem Unternehmen erstmals, die Reduktion des Ausstosses von Treibhausgas verlässlich zu messen.

Validierung abgeschlossen

Gemäss Fenaco ist nun die Validierung des Klimaschutzprogramms «UFA Swiss Climate Feed» für Milchkühe erfolgreich abgeschlossen. «Damit können ab Herbst 2022 CO2-Zertifikate für das methanhemmende Mineralfuttermittel der Fenaco-Tochter UFA angeboten werden», schreibt die Fenaco am Dienstag in einer Mitteilung. Der Zertifizierungsprozess für die Klimazertifikate wurde im ersten Quartal 2022 durch den Technischen Überwachungsverein TÜV validiert und durch ein Beratungsunternehmen unterstützt.

Die ersten CO2-Zertifikate werden erst verfügbar, wenn die Emissionsreduktionen anlässlich eines Monitorings durch eine unabhängige Prüfstelle bestätigt worden sind. Für 2022 erwartet die Fenaco Zertifikate für mehrere Tausend Tonnen CO2-Äquivalente.

Das Mineralfutter «UFA 295 Biotin USCF» ist gemäss Fenaco bei den Landwirtschaftsbetrieben gut etabliert.
UFA

Fenaco handelt Reduktionsrechte

Die Milchbauern erhalten den Mineralstoff ohne Zusatzkosten. Doch «kostenlos» ist das Ganze nicht. Nehmen die Bauern das Angebot an, treten sie die Emissionsreduktionsrechte, die durch das Verfüttern des klimaschonenden Futtermittels erzielt werden, an die Fenaco ab.

Diese Rechte wiederum sollen in CO2-Zertifikaten umgewandelt werden. Die Zertifikate werden anschliessend auf dem freien Markt verkauft. Aus den Handelserlösen der Zertifikate will die Fenaco Kosten für das Methan hemmende Zusatzprodukt sowie den Aufwand für den Zertifizierungsprozess decken. «Das ist eine Win-Win-Situation», sagte Anita Schwegler, Leiterin Nachhaltigkeit und Umwelt bei der Fenaco, im Juli 2021.

Bauern können Zertifikate neu auch selbst handeln

Es gab Kritik an den Plänen der Fenaco. Auf schweizerbauer.ch sprachen einige Schreibende von einer «Leibeigenschaft» der Bauern, die solche Produkte kaufen. «Die Reduktion erfolgt beim Bauern. Also soll dieser über diese Zertifikate verfügen und den möglichen Profit für sich reklamieren», schrieb beispielsweise Daneli.

Und das sieht nun das Modell der Fenaco auch vor. Landwirtinnen und Landwirte haben neu auch die Möglichkeit, die von der Fenaco generierten Zertifikate zu kaufen. Davon war vor einem Jahr noch nicht die Rede. Landwirtinnen und Landwirte können die Zertifikate so der betriebseigenen CO2-Bilanz anrechnen.

Ausdehnung aus weitere Futtermittel

Alternativ können die Milchproduzierenden die Emissionsreduktionen selber zertifizieren lassen oder bei einem anderen Klimaprogramm geltend machen. In diesem Fall müssen sie das Futtermittel «UFA 296 Agolin» zum Vollkostenpreis inklusive Mehrkosten für das natürliche Präparat Agolin kaufen. Diesen Weg empfiehlt der Agrarkonzern nicht, denn der Aufwand sei beträchtlich. «Deshalb sind wir als Genossenschaft in eine finanzielle Vorleistung für die Landwirtinnen und Landwirte gegangen, um einen sofortigen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten», sagt nun Schwegler im Mai 2022.

Sollte sich das Futter am Markt bewähren, plant UFA ab Ende 2022 die Anreicherung von weiteren Futtermitteln mit dem natürlichen Präparat von Agolin unter dem USCF-Klimaschutzprogramm. Bei steigenden Zertifikatspreisen könnte sich der Deal für die Fenaco in Zukunft lohnen.

Mooh entschädigt Bauern

Einen anderen Weg geht die Mooh Genossenschaft. Sie lancierte Anfang 2022 ihr neues Klimaprogramm. Mooh will gemäss eigenen Angaben etwas Gutes für das Klima tun, ihre Position im Markt stärken, aber auch einen Mehrwert für ihre Mitglieder generieren. «Die Leistung für das Klima kommt vom Produzenten und er soll dafür belohnt werden», sagte Martin Hübscher, Präsident der Mooh, im November 2021.

Wie bei der Fenaco wird mit dem Futtermittelzusatz Agolin der Methanausstoss der Milchkühe reduziert. Diese Reduktion der Emissionen wird Mooh über ein zertifiziertes Programm in Klimazertifikate umwandeln. Die Zertifikate werden anschliessend verkauft, was die Entschädigung für die teilnehmenden Produzenten finanziert.

Alle Mooh-Mitglieder können am Programm teilnehmen. Sie können bei den von Mooh anerkannten Futtermittelfirmen ihr Mineralfutter mit Agolin beziehen. Dazu melden sich die Milchbauern über das Intranet beim Programm an. Mooh entschädigt die Reduktion einer Tonne CO2 mit 100 Franken. Die Mooh vereint als Milchproduzentenorganisation rund 3900 Milchproduzenten mit täglich etwa 1,5 Mio. Kilo Milch. Sie ist damit nach eigenen Angaben die führende Milchproduzentenorganisation in der Schweiz.

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2 Responses

  1. Leider ist das Ganze Greenwashing. Und die Reduzierung des Methanausstosses hängt von vielen Faktoren ab. Bauern seid gewarnt! Fenaco wird eure Abhängigkeit so nur weiter erhöhen.

  2. Neeeeiiiiin, das ist doch eine win-win Situation!!!!Die Bauern leben mit der Situation und das Gegenüber mit win-win!! Läuft übrigens bei all unseren „Abnehmern „ soo!!

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