24.06.2019 09:49
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE/hal/blu
Hitze
Milchkühe vor Hitzewelle schützen
Angesichts der bevorstehenden hohen Temperaturen sollten Milchviehhalter Massnahmen ergreifen, um ihre Kühe vor Hitzestress zu schützen. Die Tiere können nur dann viel Milch geben, wenn ihnen genügend frisches und sauberes Wasser angeboten wird. Das Besprühen der Kühe muss mit genügend Luftbewegung kombiniert werden. Und sie bevorzugen bei Hitze leicht verdauliches Futter.

Milchkühe sollten spätestens ab einer Umgebungstemperatur von 28 °C durch geeignete Massnahmen bei der Thermoregulation unterstützt werden, da dann die Vormagen- und Körpertemperatur steigt und die Tiere unter starkem Stress leiden. Darauf hat das Portal proteinmarkt.de unter Berufung auf aktuelle Untersuchungen von Olaf Tober von der Forschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg Vorpommern hingewiesen.

Energie für die Thermoregulation

Laut der Untersuchung bedeutet das Überschreiten der oberen kritischen Temperatur der Kühe zunächst, dass die Tiere anfangen, die physiologischen Anpassungsmechanismen für eine erhöhte Wärmeabgabe zu aktivieren. Dazu gehörten Schwitzen, die Erhöhung der Atemfrequenz und der Körpertemperatur sowie die Verringerung der Aktivität und der Futteraufnahme. Hier kann man Tober zufolge von einer leichten Belastung sprechen, die sich im normalen physiologischen Adaptionsrahmen bewege.

Die Tierhalter müssten sich aber im Klaren sein, dass die Kühe mit dem Überschreiten der oberen kritischen Temperatur zusätzliche Energie für die Thermoregulation aufwenden müssten, die nicht für die Leistungserbringung zur Verfügung stehe. Wenn sich die Umgebungstemperaturen so stark erhöhten, dass die physiologischen Mechanismen einen Anstieg der Körpertemperatur auf mehr als 40 °C nicht mehr verhindern könnten, werde die Wärmebelastung zu starkem Stress.

Bei einer Kuh mit einer Milchleistung von etwa 30 kg pro Tag dürfte dieser Bereich laut der Studie je nach Luftfeuchte mit 28 °C bis 34 °C erreicht sein. Spätestens hier werde effektiv unterstützende technische Kühlung „zum Muss“.

150 Liter Wasser

Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen weist auf den Wasserbedarf der Kühe hin. Nach ihren Angaben nehmen Milchkühe an heissen Tagen bis zu 150 Liter Wasser zu sich. Eine Hochleistungskuh, die pro Tag rund 40 Liter Milch gebe, benötige bei Hitze 3 bis 4 Liter Wasser, um 1 Liter Milch zu produzieren. Eine knappe Wasserversorgung bereite den Rindern zudem Stress, und in Verbindung mit hohen Temperaturen würden das Wohlbefinden der Tiere gestört und die Nahrungsaufnahme reduziert. Damit sinkt der Kammer zufolge auch die Nährstoffaufnahme für die Milchbildung.

Dabei sei Wasser die wichtigste Komponente, aus der Milch zu fast 90 % bestehe. Werde der Bedarf nicht gedeckt, so sinke die Milchleistung; bei andauerndem Mangel bestehe zudem die Gefahr von Erkrankungen. Daher sei es wichtig, den Kühen immer genügend vom billigsten Futtermittel auf dem Hof, dem Wasser, anzubieten, betonte die Kammer.

Besonders durstig nach dem Melken

Besonders durstig seien die Tiere nach dem Melken. Dann könnten bis zu 25 Liter Wasser in der Minute aufgenommen werden. Damit alle Mitglieder einer Herde ungestört saufen könnten, empfehlen die Oldenburger Fachleute, mehrere Tränken an verschiedenen, frei zugänglichen Stellen einzurichten. Dabei sei stets auf eine gute Wasserqualität und die Sauberkeit der Becken zu achten, denn Verunreinigungen könnten den „Appetit aufs frische Nass“ verderben. Wassertränken sollten daher regelmässig kontrolliert und gereinigt werden.

Problem der Luftfeuchte

Der Einbau von Ventilatoren in Verbindung mit einem Besprühen der Kühe mit Wasser kann den Hitzestress deutlich vermindern. Schon eine Luftbewegung von nur 10 km/h könne die Atmungsrate bei hitzegestressten Kühen um 50 Prozent reduzieren, schreibt Holstein International. Besprüht man Kühe in feuchten oder schlecht belüfteten Ställen mit Wasser, kann dies die Situation verschlechtern, denn das feuchte Fell bindet die Wärme im Tier.

Die aus der Luftbewegung resultierende Verdunstungskälte kühlt die Kuh ab. Eine hohe Luftfeuchtigkeit verursacht, dass das Wasser auf dem Fell der Kuh deutlich weniger schnell verdunstet. Die besten Ergebnisse werden erzielt, wenn die Wassersprinkler die Kühe in kurzen Zyklen jeweils eine Minute besprühen und die Ventilatoren dann vier Minuten laufen, damit die verdunstete Feuchtigkeit die Kühe kühlt.

Fütterung anspruchsvoll

Stehen die Kühe dicht gedrängt, kann ihre Körpertemperatur schnell ansteigen. Der nächste Bereich ist der Futtertisch. Man sollte darauf achten, dass die Sprinkler weg vom Futter und hin zur Kuh ausgerichtet sind. Die Kühe fressen bei heissem Wetter weniger und sortieren das Futter häufiger. Man kann beobachten, dass die Kühe während der kühleren Phase des Tages deutlich mehr fressen. Die Kühe sind vor allem auf der Suche nach leicht verdaulichen Futterbestandteilen. Man sollte ausschliesslich hochwertiges, blattreiches Grundfutter verwenden. 

Ein höherer Getreideanteil in der Ration kann sinnvoll sein, um mehr Nährstoffe zuzuführen. Allerdings steigt damit das Azidoserisiko. Eine Ergänzung der Ration mit Puffern kann förderlich sein. Es gibt eine Reihe von Zusatzstoffen, die speziell dazu dienen, den pH-Wert im Pansen von gestressten Kühen zu stabilisieren. Wichtig ist auch, dass man bei heissem Wetter ein unnötiges Bewegen der Tiere durch Behandlungen vermeidet.

Bauliche Massnahmen

In Milchviehställen sollte das Luftvolumen jede Minute einmal vollständig ausgetauscht werden. Wo das nicht mit baulichen Massnahmen erreicht werden kann, hilft ein Lüfter. Er muss nicht fest installiert sein, es gibt mobile Grossraumventilatoren. Ergänzend bringen Vernebelungsanlagen gute Resultate. Besonders im Warteraum sind sie einfach einzurichten und werden von den Kühen geschätzt. Ebenso wichtig wie frische Luft ist genügend Schatten. Im Schatten sinkt die gefühlte Temperatur um rund 5°C. sum

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