15.02.2019 15:12
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Bio
«Milchleistungen werden sinken»
Wiederkäuer sollen ab 2022 ausschliesslich Futter aus Schweizer Knospe-Produktion fressen. Das erfordert grosse zusätzliche Kunstwiesenflächen. Ein Fragezeichen steht hinter der Eiweissversorgung.

Die Delegierten von Bio Suisse haben entschieden, dass Wiederkäuer ab 2022 einen Anteil von maximal 5 Prozent Kraftfutter fressen. Gleichzeitig soll das zugeführte Futter künftig aus 100 Prozent Schweizer Knospe-Produktion stammen. Damit wird der Anbau von Eiweissträgern wie Soja wichtiger, aber auch Raufutter wie Luzerne und Klee werden an Bedeutung gewinnen. 

Datensammlung läuft

«Die Mengen, die als Ersatz für den Import benötigt werden, sind nicht genau bekannt», sagt Josy Taramarcaz von der Agridea. «Mehrere Akteure schätzen einen Bedarf von zusätzlichen 3000 bis 5000 Hektaren Knospe-Grünland. Der grösste Teil des benötigten Futters wird wohl auf Kunstwiesen im Ackerbaugebiet produziert werden.» Um den Bedarf besser einzuschätzen, sammelt Bio Suisse derzeit Daten. Eine Umfrage der Agridea läuft noch bis Ende März.

Lukas Inderfurth von Bio Suisse macht sich noch keine grossen Sorgen: «In den Jahren 2015, 2016 und 2017 sind im Schnitt 6000 ha neue ‹Umstellungs-Nutzfläche› dazugekommen. Für 2018 rechnen wir mit ähnlichen Zahlen. Dies stimmt uns zuversichtlich, dass die 3000 bis 5000 ha zusätzliche Grünfutterfläche bis 2022 vorhanden sein werden.»

Massives Eiweissmanko

Christian Rytz von der Mühle Rytz AG in Biberen BE sieht die Problematik anders gelagert. Er befürchtet ab 2022 ein massives Eiweissmanko: «Es gibt keine Luzerneimporte mehr. Heute werden Hunderte Lastwagen Bioluzerne aus Frankreich und Italien importiert. Diese Luzerne muss aus den Rationen gestrichen werden – auch in trockenen Jahren wie 2018.»

Ein weiteres Problem laut Rytz: «Die Futtermühlen haben keine Rohstoffe mehr für die Produktion von Mischfutter, die ein Eiweissmanko in der Ration ausgleichen.» Falls nicht eine einheimische Futtersojaproduktion von null auf mindestens 2500 ha aufgebaut werde, gebe es kein Kraftfutter mehr mit mehr als 18 Prozent Protein und kein Eiweisskonzentrat.   

Auf Mais verzichten

«Bergbetriebe mit Naturwiesen können ihr Eiweissmanko nicht mehr ausgleichen. Talbetriebe sind gezwungen, auf Mais und andere Energiekomponenten wie Rübenschnitzel zu verzichten, weil sonst die Ration nicht mehr ausgeglichen gestaltet werden kann. Die Milchleistungen und die Einkommen der Landwirte werden entsprechend sinken.»

Lukas Inderfurth geht teilweise einig mit Rytz: «Bei den Eiweissträgern ist es allerdings unwahrscheinlich, dass die gesamte Importmenge im Inland produziert werden kann. Das entspricht jedoch dem Grundsatz, dass Wiederkäuer primär Grundfutter respektive Raufutter zu Milch und Fleisch veredeln sollen und dass Eiweissträger und Getreide primär in die menschliche Ernährung fliessen sollen.»

Umfrage läuft

Damit der Markt funktioniert, ist es wichtig, die Erwartungen und Bedürfnisse aller zu kennen. Im Rahmen eines Knospe-Ackerbauprojekts wird derzeit eine Umfrage der Agridea durchgeführt. Sie beinhaltet Fragen zur Tierhaltung und zum Futterzukauf, aber auch zum Potenzial der Kunstwiesen für die Top-Raufutterproduktion. Beteiligen Sie sich bis zum 25. März an der Umfrage von Agridea. sum
www.bioaktuell.ch

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