26.10.2013 06:42
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Melkroboter
Mit 80 Kühen ist das VMS ausgereizt
Sind die Wege kurz, müssen die Kühe zum Melken und zur Fressachse weniger weit gehen. Diese Überlegung haben Rolf und Toni Kaufmann aus Kleinwangen LU umgesetzt. So können sie den Roboter voll auslasten.

Rolf und Toni Kaufmann haben alles ausgereizt, als sie ihren neuen Milchviehstall planten. Der Stall ist so kompakt gebaut, wie man es ohne Abstriche ans Tierwohl machen kann, die Wege für die Kühe sind so kurz gehalten wie möglich, der Roboter  ist bis ans Limit ausgelastet. «Den Stall haben wir wegen des Roboters gebaut», erklärt Rolf Kaufmann, «deshalb wurde alles auf ihn ausgerichtet.»

80 Kühe am VMS

Die beiden Brüder betreiben in Kleinwangen LU eine Betriebsgemeinschaft mit Milchwirtschaft, Acker- und Futterbau. Im Mai dieses Jahres haben sie den Laufstall bezogen. 80 Kühe haben Platz, 76 sind drin. Galtkühe, frisch gekalbte und mit Antibiotika behandelte Kühe sind im alten Stall und werden auch dort gemolken. Wer im neuen Stall steht, soll Vollgas Milch geben, so das Motto der Brüder. Nur so ist überhaupt möglich, dass ein Roboter, im Fall der Kaufmanns ein VMS von DeLaval, 75 bis 80 Kühe melken kann.

«Mit einem VMS lassen sich rund 2000kg Milch pro Tag melken», erklärt Urs Schmid, Produktleiter Melken bei DeLaval, «die höchste Menge pro Roboter liegt in der Schweiz bei 2700kg pro Tag.» Damit das möglich sei, müsse nicht nur der Stall optimal strukturiert sein. Auch brauche es leicht zu melkende Kühe mit hohen Leistungen.

Hohe Leistungen sind auch das Ziel von Rolf und Toni Kaufmann, wie Toni betont: «Derzeit haben wir einen Stallschnitt von gut 9000kg, unser Ziel liegt bei etwa 10000kg.»

Drei Mal melken

Beide sind optimistisch, dass sie das erreichen. Mit dem Bau des Stalles, der von DeLaval geplant wurde, und dem Roboter haben sie den ersten Schritt gemacht. Dadurch, dass sich die Kühe im Schnitt 2,5 Mal pro Tag melken lassen, steigen die Leistungen automatisch. «Frisch laktierende Kühe mit 45kg Tagesmilch lassen sich noch öfter melken», weiss Rolf. Er kann das auch belegen – mit einem Griff zum Smartphone.

Dort ist die DeLaval-App installiert, über die er alle Roboterdaten abrufen kann. «Das ist genial», findet er, «gerade wenn wir Kartoffeln graben und den ganzen Tag nicht zu Hause sind.» Die Überwachung wird komplettiert durch eine Kamera an der Stalldecke, die ihre Bilder ebenfalls aufs Smartphone übermittelt. Auch Störungen meldet das VMS aufs Handy. Das ist gemäss Toni Kaufmann aber erst einmal vorgekommen.

Immer bessere Software

Die Daten, die sie aufs Handy erhalten, können Kaufmanns auch direkt am VMS-Touchscreen oder im Stallbüro am Computer abrufen. Dort reicht ein Fingertipp, um Zellzahl, Tagesleistung, Milchfluss, Viertelgemelk, letzte Melkung usw. anzuzeigen. «Die Melkdauer pro Kuh können wir nicht beeinflussen», ergänzt Urs Schmid, «der Trend beim VMS geht deshalb eindeutig in Richtung modernerer, schnellerer Software und neuer Managementprogramme. Dank dem Herdnavigator werden auch  die Ketonkörper oder der Progesteronspiegel in der Milch gemessen.»

Den Erfolg des Roboters belegen die Zahlen. Seit im Jahr 2000 das erste VMS in der Schweiz den Betrieb aufnahm, steigt die Nachfrage. Derzeit laufen 170 VMS, pro Jahr kommen 30 bis 35 neue dazu – zunehmend auch bei Umbauten alter Ställe, wenn der Platz für einen Melkstand fehlt.

Bei Kaufmanns fehlte der Platz trotz optimierter Bauweise nicht. Im Gegenteil, dem VMS und dem Warteraum wurde viel Gewicht beigemessen, damit der voll ausgelastete Roboter reibungslos melken kann. «Der Bereich vor dem Roboter  ist mit Spaltenboden ausgelegt, an der Fressachse und zwischen den vier Liegeboxenreihen sind Schieber im Einsatz», erklärt Rolf das Konzept. «Wir haben wegen des Kuhkomforts darauf geachtet, dass es im  Stall weder Gefälle noch Absätze gibt.»

Flexible Trennbügel

Der Kuhkomfort stand auch bei der Ausgestaltung der Fress- und Liegeplätze im Zentrum. Dort haben die Brüder ein dänisches System verbaut. Das Fressgitter ist nach oben offen und zudem flexibel, die Kühe können es nach vorn wegdrücken. Das vermeidet Druckstellen, und das Futter muss weniger nachgeschoben werden. Auch die Boxentrennbügel sind flexibel. «Die Kühe können sich so viel freier bewegen», freuen sich die beiden im Wissen darum, dass gesunde Kühe auch mehr Milch bedeuten.

Weitere Informationen zur Planung und zum Bau von Laufställen gibts am 19. und am 26. November (Melken im Melkstand) sowie am 20. und 27. November (Melken mit dem VMS) an den DeLaval-Baufachtagen in Sursee LU.   www.delaval.ch

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