3.08.2018 13:00
Quelle: schweizerbauer.ch - DLG/sum*
Smart Farming
Mit Automatisierung mehr Tierwohl
Die Vorteile der Digitalisierung in der Arbeitsplanung sind eindeutig. Die Interpretation der Daten bleibt aber zentral.

Das Tier ist unruhig, bewegt sich viel und brüllt laut: Wenn eine Kuh sich so verhält, spricht vieles dafür, dass sie mitten in der Brunst ist. Das exakte Wissen um die Fruchtbarkeit zählt zu den zentralen Erfolgsparametern im Herdenmanagement der Milchviehbetriebe. 

Aus Daten wird Wissen

Landwirte haben solche Faktoren bereits in der «analogen Zeit» erkannt und bewertet, doch das einzelne Tier digital zu beobachten, hat Vorteile. Die digitale Kontrolle ist rund um die Uhr möglich, und sie funktioniert unabhängig von der Herdengrösse – nichts bleibt unbeobachtet. Dass der «Kollege Computer» den Landwirt im Stall komplett ersetzt, ist nicht der Fall. Im Gegenteil. Als Manager sind die Produzenten weiterhin gefordert.

«Alle wichtigen Produktionsparameter sind von nahezu jedem Standort in kurzer Zeit abrufbar», erläutert Detlef May von der Lehr- und Versuchsanstalt für Tierzucht und Tierhaltung in Gross Kreutz (D). Das sei für Tierhalter hilfreich, «aber erst die Interpretation durch den Landwirt», so May weiter, «macht aus Daten praktisches Wissen.» Für Betriebsleiter und deren Mitarbeiter sei «eine ausreichende Affinität zu moderner IT unabdingbar».

Nicht zu eng kalkulieren

Wie sich Digitalisierung in der Tierhaltung rechnet, ist laut May «nicht bis auf den letzten Cent zu kalkulieren». Die Vorteile in der Arbeitsplanung sind eindeutig. So lassen sich Routinearbeiten – und deren Erledigung – mit digitalen Instrumenten in Tages- und Wochenplänen mühelos steuern. Die individuelle Tierhistorie ist eine sehr wirkungsvolle Entscheidungshilfe.

Aus dem detaillierten Wissen um das einzelne Nutztier und die gesamte Herde entsteht Verantwortung, die wiederum in mehr Tierwohl mündet. Im digitalen Betrieb sind organisatorische Schwachstellen leichter aufzudecken. Mittelfristig spricht vieles dafür, dass wiederkehrende Abläufe stärker automatisiert werden. So bleibt Zeit für Tierbeobachtung und andere Managementaufgaben. Und die könnten sich künftig deutlich ändern. 

Im Idealfall wird der Tierhalter zu einem (noch) professionelleren Teil der Wertschöpfungskette. Die Ansätze sind vielfältig. Beispielsweise durch eine  transparentere Produktion – gegenüber Produzenten ein gutes Argument für den digitalen Betrieb. Untrennbar mit der berechtigten   Forderung nach Transparenz verbunden ist die Frage, wer welche Daten kennt und verwenden darf. Selbstbewusstsein seitens der Landwirte ist angesagt. Daten mit Lieferanten und Abnehmern zu teilen, muss sich für die Produzenten rechnen, auch im wörtlichen Sinn.

Effiziente Schnittstellen


Digitalisierung in der Tierhaltung ist kein Selbstzweck. Kritische Stimmen fordern eine ganzheitliche Betrachtung. Konkret bedeutet das: Einzelne digitale Elemente wie Sensoren bringen Information, die bewältigt oder gemanagt sein will. In der Tierhaltung wie in der gesamten Landwirtschaft verlangen Praktiker effiziente digitale Schnittstellen, sprich funktionsfähige Systeme, ganz gleich, ob diese von einem Anbieter stammen oder Produkte unterschiedlicher Hersteller konfiguriert werden.

Für die Zukunft im «digitalen Stall» deutet sich ein weiterer Umbruch an. Weg vom reinen Datenmanagement hin zur virtuellen Beratung. Mit den neuen Methoden steht den Tierhaltern mittels Algorithmen ein virtueller Berater zur Seite. Selbstlernende Systeme wären für Prognosen, unter anderem des Gesundheitszustandes der Tiere, ein Fortschritt. Eine Erfolgsgarantie geben sie nicht. Nur wenn der Tierhalter selbst handelt, hat er alles im Blick und im Griff. 

*Der Text wurde von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) verfasst.

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