18.01.2014 06:55
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann/Samuel Krähenbühl
SMP
«Mit der Branche den Erfolg suchen»
Hanspeter Kern, Präsident der Schweizer Milchproduzenten (SMP), äussert sich zur neuen Strategie des Verbandes. Er sagt, dass sich engagierte Milchbauern fragen sollten: «Wie komme ich am besten über die Runden?»

«Schweizer Bauer»: Der Milchpreis ist gestiegen. Ist Ihr Stall in Buchberg SH bis auf den letzten Platz gefüllt, oder haben Sie im letzten Jahr den Bestand noch ausgebaut?
Hanspeter Kern: Ich habe meine Produktion erhöht, als man noch Kontingente kaufen konnte. Ich habe damals meine Stallgrösse optimiert. Die hat seither mit dem Milchpreis keine Schwankungen erfahren. Möglicherweise könnte man das Potenzial der Kühe noch etwas optimieren, wenn der Chef mehr zu Hause wäre… 

Der SMP-Vorstand hat im Dezember eine neue Strategie genehmigt. Warum musste diese überprüft werden?
Man musste nicht. In der Geschichte des Verbandes hat man die Strategie immer überprüft. Dazu kam, dass die politischen Rahmenbedingungen heute viel klarer sind als noch vor einem Jahr.

Was ist neu an der Strategie?
Unsere Strategie hat grundsätzlich gestimmt. Neu ist sicher, dass man mehr Einfluss im Markt nehmen kann. Das möchten wir bei der Molkereimilch nutzen, über die Branchenorganisation Milch (BOM). Wir wollen mit der Branche den Erfolg suchen. Das ist etwas ausgeprägter als früher. Und wir möchten uns auch einsetzen für Marktstabilität.

Wie weit sind Sie bei den Massnahmen für eine mögliche künftige Überschusssituation?
Wir wollen Verantwortung für die Überschüsse übernehmen. Wir hatten die ersten Gespräche und Sitzungen. Wir bieten unsere Dienstleistungen an. Aber das können wir nur in Zusammenarbeit mit den Vermarktungsorganisationen tun.

Machen die Molkereien mit?
Die Molkereien müssen nicht jubeln, aber sie müssen zustimmen. Zunächst müssen wir Produzenten uns einig sein.

Ist es möglich, dass Sie Überschussmilch im Ausland verpulvern lassen? Wenn ja: Wehren sich da die Molkereien?
Nein, das ist kein Ziel. Das Heil liegt nicht im Ausland. Wir wollen einfach die überschüssige Milch aus dem Markt nehmen, um mehr Stabilität zu erreichen. 

Wie schätzen Sie die Entwicklung des Milchmarktes im Jahr 2014 ein?
2013 hatten wir einen absolut positiven Verlauf. Die angepasste Menge hat zu steigenden Preisen geführt. Wir müssen das Anfang 2014 konsolidieren. Im Gegensatz zu den letzten Jahren haben wir zum Jahreswechsel fast keine Butterlager mehr. Wir haben 500 Tonnen importiert, und diese 500 Tonnen wurden wieder exportiert, auch damit die Molkereien ihre Verträge erfüllt haben. Wir müssen schauen, dass wir die Produktion 2014 so weiterführen können.

Der abgetretene BOM-Geschäftsführer hat kürzlich gegenüber dieser Zeitung gesagt, die Segmentierung sei eine Baustelle. Was ist da los?
Ist eine Baustelle grundsätzlich etwas Schlechtes? Nein, denn auf ihr passiert etwas. Als BOM-Vorstandsmitglied stelle ich fest, dass wir die Segmentierung beschlossen haben, dass es Kontrollen gibt, dass wir eine Sanktionskommission eingesetzt haben und dass diese noch keine «Arbeit» hat.

Hätte die Kommission denn nicht eigentlich doch was zu tun? Ist denn beispielsweise das Cremo-Milchpreissystem tatsächlich kompatibel mit dem BOM-Reglement?
Das kann ich nicht beurteilen. Ich erwarte Sanktionen, wenn etwas nicht konform ist, Gespräche stattgefunden haben und man keine Lösung gefunden hat. Man kann auch nicht davon ausgehen, dass am ersten Tag alles funktioniert.

Die Segmentierung ist bereits drei Jahre alt. Funktioniert sie, wenn es eine Krise gibt?
Ich stelle fest, dass es bei uns im Vorstand der Branchenorganisation Milch bei der Segmentierung noch Differenzen gibt, aber dass man sich einig ist, dass sie im Grossen und Ganzen funktioniert. Wir als Vorstandsmitglieder haben bis heute keinen dokumentierten Fall, in dem klar ist, dass es nicht funktioniert. Der Vorstand hat beschlossen, dass die Segmentierung durchgesetzt und sonst sanktioniert wird.

Ein Problem ist auch, dass in den letzten Jahren Milch vom A- ins B-Segment verschoben wurde. Ist das nicht eine kalte Milchpreissenkung?
Das habe ich nicht festgestellt, zumindest nicht in meiner Milchabrechnung. Es muss deklariert werden, wie und wo die Milch verkauft wird. Das muss derjenige machen, der die Milch einkauft oder verarbeitet. Das muss überprüft werden. Haben sich die Verhältnisse verschoben, muss der Milchkäufer dies dem Verkäufer belegen. Wenn jemand betrügen will, sind wir auf einer anderen Stufe.

Das neue Direktzahlungssystem setzt starke Anreize ausserhalb der Milchproduktion. Sehen oder erwarten Sie einen verstärkten Strukturwandel?
Ein Strukturwandel hat bereits jetzt vor allem aufgrund der Tierschutzvorschriften, aber auch aufgrund der zu tiefen Milchpreise 2012 stattgefunden. Doch auch die neue Agrarpolitik hat bereits ihre Schatten vorausgeworfen. Der Strukturwandel findet vor allem beim Generationenwechsel oder neuen Investitionen statt. Als engagierter Milchproduzent muss man sich aber nicht fragen: Wie steige ich  möglichst schnell aus der Milchproduktion aus? Sondern: Wie komme ich möglichst gut über die Runden?

Es fällt auf, dass mittlerweile auch nicht wenige Betriebe mit über 200'000 kg Milch aus der Produktion aussteigen. Macht Ihnen das Sorgen?
Es ist natürlich eine Aussage, die einen betroffen macht. Aber man kann es zum Teil auch nachvollziehen. Mit der AP 2017 wird man die Milchproduktion nur mit Mühe halten, denn sie wird nicht gestärkt. Wenn ein Betrieb mit dem Ausstieg aus der Milchwirtschaft Arbeitskräfte einspart, kann sich die wirtschaftliche Aussicht unter Umständen verbessern. 

SMP-Vorstandsmitglieder sollen weiterhin auch im Verwaltungsrat von Molkereien sitzen dürfen. Wie gehen Sie mit diesen möglichen Interessenkonflikten um? 
In der breiten Vernehmlassung ist fast einstimmig zum Ausdruck gekommen, dass es in der Kompetenz der Mitgliedorganisationen bleiben soll, wen sie in den SMP-Vorstand entsenden. Wir brauchen Vorstände, die das Vertrauen ihrer Bauern haben. Und wir stellen fest, dass alle Vorstandsmitglieder aktive Milchproduzenten sind und von der Basis gewählt wurden. Die Interessenbindungen werden neu bei Nomination und Wahlen aktiv offengelegt und auf www.swissmilk.ch nachgeführt.

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