25.12.2019 07:13
Quelle: schweizerbauer.ch - Robert Alder
Bern
Mit Emotionen verbundene Passion
Tiere im Bild und in speziellen Situationen festhalten ist die Passion einer jungen Frau. Marisa Fahrni arbeitet gerne mit Kühen und ihren Besitzern, den Bauern. An ihrer Arbeit schätzt sie die Kreativität besonders.

Eine Frau fürs Grobe, mit einem Blick fürs feine Detail. So könnte man Marisa Fahrni beschreiben. Fürs Grobe deshalb, weil sie als gelernte Autolackiererin sich an grosse Dinge einer Männerdomäne wagt.

Grosse Tiere mag sie ebenfalls lieber als kleine. Pferde und Kühe beispielsweise. Mit Kühen ist sie als Bauerntochter gross geworden. «Mit Braunvieh», betont sie. Fast unbemerkt huscht ein Schatten über ihr Gesicht. Denn es war für sie nicht einfach, als ihre Eltern 2001 ihren Zuchtviehbestand versteigerten und seither etwa 800 Schafe halten.

Fisher-Price sei Dank

Woher denn ihre Leidenschaft zum Fotografieren komme, will ich wissen. Denn so kennt man die zierliche 31-Jährige, die heute in der Administration in der Autobranche arbeitet. «Als Kind bekam ich eine Fisher-Price-Kamera. Wir gingen mit den Eltern in den Zoo und ich schoss Bilder», erzählt sie. Ihre Eltern wollten nicht so recht glauben, dass daraus etwas geworden sei. Sie bettelte und so wurde der Film entwickelt. «Zum Erstaunen aller waren die Bilder ganz ok.» 

Ehrgeizig ist sie, das muss man ihr lassen. Wie fast alle der renommierten und der in letzter Zeit aufstrebenden Kuhfotografen ist auch sie eine eigentliche Quereinsteigerin, bei der «Learning by doing» im Vordergrund steht. «Tiere fotografieren ist immer mit Emotionen verbunden», sagt sie. Sei es beim Abzügeln nach einer Viehschau, wo einem das Blut in den Adern fast stockt. Oder im Schauring, wo die Anspannung deutlich wird wie kaum irgendwo sonst. «Tiere sind immer ehrlich. Das äussert sich in ihrem Verhalten.» Aber man könne ihnen keine Anweisungen geben, müsse sich gewissermassen ihnen anpassen. Das sei Herausforderung und Faszination zugleich.

Neues wagen

Mit Bauern arbeite sie besonders gerne. Dies, weil man den Bauern den Stolz und die Freude an ihrem schönen Tier anmerke. Es sei einfacher mit Bauern als mit Pferdezüchtern zu arbeiten weil Erstere sich vorrangig nur aufs Tier fokussieren. Wie der Bauer als Auftraggeber – 9 von 10 sind übrigens Männer – als Person wirkt, sei den meisten egal. Hauptsache, das Tier ist perfekt.

Neuland zu betreten, davor schreckt Marisa Fahrni nicht zurück. So habe sie zuerst mit einem Pferd vor einem schwarzen Hintergrund experimentiert. «Das muss auch bei Kühen funktionieren.» Gesagt, getan. Kurzerhand fragte sie vor drei Jahren Michael Fankhauser, seines Zeichens damals frisch gebackener Styling-Europameister, an. Da war ein Motiv mit einem Rind vor einem dunklen Hintergrund geboren. Eines, auf das sie noch immer mächtig stolz ist. Da fokussiere man sich aufs Tier und reduziere den Hintergrund. Etwas, das in anderen Situationen gerade entscheidend sei, dass der Hintergrund ins Bild miteinbezogen werde.

Vorbild? Sicher!

Ob es ein Vorbild unter den Fotografen gebe? Marisa Fahrni überlegt nicht lange: der Deutsche Wolfhard Schulze. «Ich will der Schulze der Schweiz werden», kommt es bestimmt. Weshalb? Seine natürlichen Farben und das Perlweiss seien einzigartig. «Ich habe in der Bildbearbeitung schon viel dazugelernt. Aber das finde ich auch noch heraus», sagt sie schmunzelnd.

Aber zuerst gibt es noch andere Ziele: Vor vier Monaten Mutter von klein Sami geworden, wird sie zusammen mit ihrem Mann Samuel und ihren Eltern eine Generationengemeinschaft auf dem elterlichen Heimet in Bleiken BE antreten. Sie, die eigentlich wie ihr Mann Pfander heisst, ist wieder von Kühen umgeben. Simmentaler und Swiss Fleckvieh – und dem ersten Braunviehrind. Gut 40 Hektaren auf dem Heimbetrieb und 90 Hektaren Alp im Gurnigelgebiet. Dort hat sie einen Alpsommer mitgemacht.

Aber eben: «Schafe  sind nicht so mein Ding.» Dann kommt der Bauernstolz zum Vorschein und sie bemerkt: «Die Landwirtschaft muss wieder aus dem Bashing herauskommen, und Respekt und Achtung vor den landwirtschaftlichen Produkten müssen wieder steigen.»

www.marisafahrniphoto.ch

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