29.07.2019 10:40
Quelle: schweizerbauer.ch - Adrian Haldimann
Milchvieh
Mit Stallbau für Zukunft gerüstet
Viele Details machen den neuen Milchviehstall der Familie Clément aus dem freiburgischen Le Mouret zu einer Wohlfühloase für Mensch und Tier.

La Waebera der Familie Clément in Le Mouret FR ist längst ein international anerkannter Zuchtbetrieb. Die über 30 Auszeichnungen, die La Waebera an nationalen Ausstellungen wie der Expo Bulle oder der Swiss Expo zum besten Züchter ehrten, halfen wesentlich dazu bei. Die internationale Ausstrahlung zieht Praktikanten aus Ländern wie Kanada oder Belgien an. Diese wollen für mehrere Monate auf dem Betrieb arbeiten, das Management und die Zucht kennenlernen.

Licht, Raum, Luft und mehr

Ein Meilenstein wurde vor zwei Jahren mit dem Bau eines neuen Milchviehstalles gelegt, der für Mensch und Tier keine Wünsche offen lässt. «Viel Licht, viel Raum und gute Luft haben bereits dazu beigetragen, dass die Fruchtbarkeit wesentlich verbessert werden konnte», teilt Nicolas Clément die ersten Erfahrungen. Dank dem fünf Meter breiten Laufgang können die Kühe ungestört fressen, trinken und sich bewegen. Stufen sucht man im Stall vergeblich.

Ein Entmistungsroboter reinigt regelmässig den Spaltenboden, der hinter dem Fressgitter aus Gummi und in den Laufgängen aus Beton besteht. «Im Fressgitter sollen sich die Kühe wie auf der Weide fühlen. Auf dem Beton werden die Klauen abgerieben.» Auch sonst, abgesehen vom Melken,  funktioniert der Stall vollautomatisch.

Effizientes Arbeiten

Die Seitenvorhänge öffnen und schliessen sich in Abhängigkeit von Wind und Temperatur selber, die sogenannten Big-Air-Ventilatoren schalten ab einer Temperatur von 10 Grad ein und entwickeln eine Drehgeschwindigkeit in Abhängigkeit der Temperatur. Cléments wissen, dass eine gute Beleuchtung im Stall die Leistungsfähigkeit der Kühe verbessert. Deshalb haben sie mit LED-Lampen einen effizienten Beleuchtungsplan aufgestellt, der täglich 17 Stunden für die richtige Lichtintensität im Stall sorgt. 

Für mehr Liegekomfort und weniger Arbeit wurden Waben-Gummimatten eingebaut. Nicolas Clément zählt die Vorteile auf: «Die Liegeboxen bleiben stabil, der Strohverbrauch ist gering und die Kühe legen sich gerne hin.» Anstatt Häckselstroh sind Strohpellets in den Boxen eingestreut. «Strohpellets funktionieren zusammen mit dem Spaltenboden und dem Entmistungsroboter besser. Zudem sind Strohpellets nicht teurer als Häckselstroh.»

Zuchtphilosophie


Bei allen Erfolgen, die Cléments auf Schauen auch hatten, die Milchproduktion steht immer im Vordergrund. Leistung, Inhaltstoffe, Funktionalität und Gesundheit zählen ganz klar zu den wichtigsten Eckpunkten der Zuchtphilosophie. Kühe wie die 14-jährige La Waebera Glacier Oceanie EX-94 oder deren nicht weniger bekannte Tochter La Waebera Ralstorm Tina EX-93 haben La Waebera zu einem Präfix mit Weltruf verholfen. «Wir machen die Anpaarungen nicht, um Stiere zu produzieren. Der Gesamtzuchtwert ISET ist für uns nicht das A und O», erklärt Nicolas Clément die Zuchtstrategie.

Trotzdem züchteten sie mit dem Destry-Sohn La Waebera Tibere einen in der Schweiz intensiv genutzten Stier, der nicht zuletzt auf La Waebera Siegerkühe wie etwa La Waebera Tibere Rochelle, Reserve Champion der Jungkühe an der Expo Bulle 2018, hervorbrachte. La Waebera hat bewiesen, dass er nicht nur ein Schaustall, sondern auch ein Zuchtstall ist.

La Waebera

Der Betrieb der Familie Clément aus Le Mouret FR umfasst eine Fläche von 80 ha. 75 ha sind Grünland, auf 5 ha wird Weizen angebaut. Der Tierbestand setzt sich aus 80 Holsteinkühen und 100 Jungtieren zusammen. Die durchschnittliche Milchleistung beträgt 9'638 kg Milch bei 3,75 Prozent Fett und 3,30 Prozent Eiweiss. Rund 600'000 kg Milch werden jährlich zu Gruyère verarbeitet. Im Winter wird Heu und Emd sowie eine Mischung aus Luzerne, Zuckerrübenschnitzel, CCM, Viehsalz und Mineralsalz gefüttert.

Im Sommer wird geweidet und im Stall Gras oder Heu zugefüttert. 80 Prozent der eingesetzten Stiere sind Jungstiere wie Villy Silvio, Bacon-Hill Moemoney, Stantons Chief, Claynook Casper, ST Gen Arvis Echo, Achilles oder Kenmore Triple Crown. Die Pouletmast mit 8500 Tieren ist ein weiteres Standbein. Die Söhne von Michel und Myriam Clément, Nicolas und Martin, arbeiten je rund 50 Prozent auf dem Betrieb mit. Die Arbeit wird zusammen mit einem Lehrling und regelmässig mit einem ausländischen Praktikanten bewältigt. hal

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