13.02.2016 11:36
Quelle: schweizerbauer.ch - Michael Götz*
Milchvieh
Mit Vollweide 8000kg Jerseymilch/ha
Von Natur aus ist die Kuh ein Weidetier. Wird sie wie bei der Vollweidehaltung nur mit Gras gefüttert, gibt sie zwar weniger Milch als mit Kraftfutter. Aber ein geschicktes Herdenmanagement kann dies kompensieren.

«Wir lagern Fütterung und Düngung an die Kühe aus», ist die Devise von Jürg Sprenger in Wängi TG. Der Landwirt hält sie von Mitte März bis Ende Oktober täglich auf der Weide, und zwar Tag und Nacht. Nur an heissen Sommertagen steht ihnen der Stall zur Verfügung. Sie erhalten dort aber kein Futter; das müssen sie sich auf der Weide holen. Der Landwirt füttert auch kein Kraftfutter zu.

Zweimal täglich Wechsel

Im Frühling und Sommer kommen die Kühe alle zwölf Stunden auf eine neue Kurzrasenweide. Das Gras soll nicht höher als 5 bis 8 cm sein. Obwohl das Futter stets jung ist, gebe es keinen Rohfasermangel, berichtet Sprenger. Der Kot sei zwar dünnflüssig, aber die Verdauung funktioniere trotzdem. Nur wenn er Kraftfutter hinzufüttern würde, entstünden Verdauungsprobleme, ist der Landwirt überzeugt.

Im Winter füttert er nur Heu. So kann er die Milch in die Käserei liefern und benötigt keine Maschinen für das Silieren, die Silageentnahme und die Futteraufbereitung. Das Vollweidesystem hat Sprenger in Neuseeland kennengelernt. Allerdings nützt er damit das genetische Potenzial seiner Kühe nicht ganz aus. Das sei auch gar nicht notwendig: «Die Kuh bleibt auch so gesund.»

Gehaltsbezahlung

Obwohl Sprengers Zealand Jerseys mit 4'500kg deutlich weniger Milch geben als Holsteinkühe, sind sie von der wirtschaftlichen Seite her betrachtet konkurrenzfähig. Allein der höhere Milchgehalt entspreche etwa 1000kg Milch bei den Holstein. Auch gelte es zu berücksichtigen, dass sie fast nur halb so schwer seien wie die Holsteiner.

Sie benötigen ausserdem kein Kraftfutter, fressen weniger Grundfutter und machen auf der Weide weniger Trittschäden. Schlussendlich komme es nicht auf die Milchmenge pro Kuh, sondern pro Hektare an. 10'000kg Milch je Hektare seien ein gutes Ergebnis in der Milchwirtschaft. Ihm genügen 8000kg, da er für den höheren Milchgehalt einen Zuschlag von durchschnittlich 10 Rappen/kg übers Jahr erhält.

Es fällt weniger Arbeit an

Das Vollweidesystem gibt Arbeit beim Einzäunen, aber sonst lässt sich fast überall Arbeit sparen. Selbst eine regelmässige Klauenpflege aller Kühe ist bei Sprengers Herde nicht nötig. Er besamt seine Kühe im April und lässt danach einen Stier in der Herde mitlaufen. So kalben seine Kühe saisonal im Januar und Februar ab, und er kann sie im November und Dezember trockenstellen.

Dies ermöglicht ihm, in der Zeit um Weihnachten ganz auf das Melken zu verzichten. Die Rinder gibt er zur Aufzucht in das Berggebiet. Auch die Zucht muss zum Vollweidesystem passen. Die Rinder werden im Alter von 15 Monaten besamt. Sprenger nimmt die Tiere zur Zucht, die beim ersten Besamen aufnehmen. Denn bei den Kühen, die verzögert aufnehmen, funktioniert das saisonale Abkalben nicht.

Keine grossen Euter

Sprenger ist überzeugt von der intensiven Weidehaltung, bei welcher Zucht, Haltung, Fütterung und Management zusammenspielen. Richtig ausgeführt, ist sie wirtschaftlich und artgerecht. «Die Kundschaft will nicht ein grosses Euter, sondern Kühe auf der Weide sehen», begründet der Landwirt es  auch vom gesellschaftlichen Standpunkt aus.

*Der Autor hat den Artikel im Hinblick auf die Tier&Technik geschrieben. Sie findet vom 25. bis 28. Februar in St.Gallen statt.

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