Mittwoch, 1. Dezember 2021
20.10.2021 06:06
EU

Nährstoffüberschüsse: Halbierung läuft auf weniger Tiere hinaus

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Von: AgE

Die Umsetzung der von der Europäischen Kommission mit dem Green-Deal angestrebten Ziele dürfte zu einer Reduzierung der Tierhaltung in der Größenordnung von 10 % bis 15 % führen. 

Einer veröffentlichten Studie der Universität Wageningen zu den Auswirkungen des Green Deal auf die Veredlungsbranche in der EU zufolge wäre dieser Abbau vor allem der Vorgabe einer Halbierung der Nährstoffverluste bis 2030 in der Farm-to-Fork-Strategie geschuldet. Die Studienautoren stellen klar, dass ein Teil der angepeilten Reduzierung der Nährstoffbelastung, die vor allem die Bruttostickstoffbilanzüberschüsse betreffen würde, nur durch eine Verringerung des Gülleanfalls und damit der Tierbestände realisiert werden könne. Die unter anderem von den EU-Ausschüssen der Bauernverbände (COPA) und ländlichen Genossenschaften (COGECA) in Auftrag gegebene Folgenabschätzung basiert auf einer Literaturrecherche und Konsultationen mit verschiedenen Experten.

Dabei wurden laut der Universität auch die Ergebnisse einer Green-Deal-Untersuchung des Pflanzenschutzdachverbandes CropLife Europe und die im August veröffentlichte Studie der Gemeinsamen Forschungsstelle (GFS) der Kommission in die Analyse eingearbeitet (AgE 33/21, EU-Nachrichten 5). Im Einzelnen ist nach der Untersuchung aus Wageningen damit zu rechnen, dass die Kosten insbesondere für Futtermittel „wahrscheinlich“ steigen werden.

Allerdings sei dies schwer zu quantifizieren, da es Unsicherheiten in Bezug auf die Reaktionen des Weltmarktes gebe. Klar ist aus Sicht der Wissenschaftler, dass die von der Kommission angestrebten Maßnahmen – wie unter anderem einer Reduktion des Pflanzenschutzmitteleinsatzes – zu einer Abnahme der Pflanzenproduktion und damit des EU-eigenen Futterangebots beitragen werden. Dies habe negative Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit der Tierhalter in der EU.

Einkommensrisiko

Im Hinblick auf das Kommissionsziel einer Verbesserung des Tierschutzes stufen die Studienautoren die Brüsseler Pläne, die Käfighaltung für Geflügel zu beenden, als ein klares Einkommensrisiko für die betroffenen Betriebe ein. Ausserdem stellen nach ihrer Einschätzung schärfere Bestimmungen den Tiertransport betreffend insbesondere für den Kälbersektor einen Unsicherheitsfaktor dar.

Das Ziel, die Anbaufläche des ökologischen Landbaus bis 2030 auf 25 % zu erhöhen, wird der Untersuchung zufolge ebenfalls die Tierproduktion beeinträchtigen. Es sei davon auszugehen, dass sich die Ausweitung des ökologischen Anbaus – wie von der Kommission geplant – ebenfalls negativ auf das Angebot an Pflanzen beziehungsweise Futtermitteln in der EU auswirken werde.

Als weniger problematisch wird hingegen das Farm-to-Fork-Ziel einer Halbierung des Einsatzes antimikrobieller Mittel betrachtet. Zwar erfordere dies spezifische Maßnahmen im Rahmen des Betriebsmanagements. Empirisch sei aber bereits belegt, dass dieses Ziel ohne dauerhafte negative Auswirkungen auf die Produktion erreicht werden könne, so die Wissenschaftler.

Starker Einkommensdruck für Milchbauern

Unklar sei zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch, welche legislativen Massnahmen aus den Nachhaltigkeitsstrategien wie der Farm-to-Fork-Strategie sowie der Biodiversitätsstrategie folgten und welche exakten Auswirkungen diese dann im Einzelnen auf die europäische Tierproduktion hätten. Als nicht einheitlich bezeichnen die Wageninger Forscher die kurzfristigen Auswirkungen auf das Nettoeinkommen der landwirtschaftlichen Betriebe.

Viele Faktoren wie Entwicklung der Produktpreise, regionalspezifische Auswirkungen von Umweltauflagen, Änderungen der Direktzahlungen in der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) beziehungsweise Kostenentwicklungen seien mit Unsicherheiten behaftet.

Bei Rindern und Schweinen, so die Studienautoren, könnten die projizierten Preiserhöhungen zu deutlich positiven Einkommenseffekte der Landwirte führen. Negativ seien die Produktpreisauswirkungen dagegen aller Voraussicht nach bei Milchviehhaltern. Hier könne es zu einer Einkommensreduzierung von bis zu einem Drittel kommen.

„Carbon-Leakage“-Effekt droht

Schliesslich kommen die Studienautoren auch zu dem Schluss, dass sich die Wettbewerbsposition der EU-Landwirte im Vergleich zu denen ausserhalb der Gemeinschaft „zumindest kurzfristig wahrscheinlich“ verschlechtern werde. Hier werde es wichtig sein, inwieweit Handelsschutzmassnahmen, wie zum Beispiel Zollkontingente – die EU-Landwirte schützten und dadurch Preiserhöhungen als Reaktion auf einen Rückgang der EU-Inlandsproduktion aufrechterhalten werden könnten.

Im Hinblick auf das Klimaschutzziel könnten sich auch Anpassungen in den Handelsströmen negativ auswirken. Es drohe der sogenannte „Carbon-Leakage“-Effekt. 

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