24.03.2017 13:08
Quelle: schweizerbauer.ch - Esther Schneiter
Braunvieh
Nathali setzt neue Massstäbe
Die Gebrüder Winterberger sind erfolgreiche OB-Züchter. An der Swiss Expo stach ihre drittlaktierende Kuh Nathali als Championne suprème sogar die Konkurrentinnen aller Zweinutzungsrassen aus.

Die fünfzig Original-Braunvieh-Kühe liegen verteilt auf zwei Lägern in goldgelbem Stroh. Im grosszügigen Stall der Gebrüder Winterberger herrscht eine saubere und wohlgeordnete Atmosphäre. Die drei Brüder – Albin, Franz und Fred – pflegen die behornte Herde mit viel Herzblut und Leidenschaft. Einmal mehr durften sie an der Swiss Expo den Lohn dafür empfangen: «Es ist unser vierter Championne-Titel», sagt Franz Winterberger nicht ohne Stolz.

Setzen auf Natursprung

Nicht nur in Lausanne, auch an der Tier & Technik in St. Gallen sind die Gebrüder Winterberger aus Schattenhalb immer wieder erfolgreich. Für Franz – den mittleren der drei Brüder – ist das Erfolgsrezept klar: «Wir wollen am Boden bleiben und nichts ‹erfüttern›, was nicht ist.» Die Genetik muss vorhanden sein, sonst werde der Erfolg nicht anhalten. «Wir sind hartnäckige Natursprungzüchter. Vom Stier Vero U-Bach (Züchter: Andreas Anderegg, Unterbach) hatten wir zwei Kühe in Lausanne – und beide gewannen in ihrer Kategorie.»

Titel ist eine Bestätigung

Für die Berner Oberländer Landwirte ist der zweifache Titelgewinn von Nathali eine Bestätigung. Der Richter an der Swiss Expo beschrieb Nathali als «Kuh, welche das Zweinutzungsziel Milch und Fleisch perfekt erfüllt». Natürlich freuen sich Franz und seine Brüder über diesen doppelten Titelgewinn sehr. «Wir hatten schon etwa zehn Mal Kühe in Lausanne, uns gefällt die Swiss Expo», lobt Franz, «obwohl ich kaum ein Wort französisch spreche.»

Nathali, die Unscheinbare

Am 30. November 2011 wurde Nathali im Stall in Willigen geboren; und wie alle Kühe von Winterbergers verbringt sie ihre Sommer auf der Alp Breitenboden im Rosenlauital. «Sie war immer eine Schöne, doch ins Auge gestochen, ist sie kaum jemandem», erinnert sich Franz. Auch an den Genossenschaftsschauen habe Nathali keine Spitzenrangierung erreicht. An den grossen Ausstellungen wie der Tier & Technik oder der Sorexpo in Zug gewann sie hingegen in ihrer Kategorie. Die beiden Lehrlinge der Gebrüder Winterberger, Severin Windlin und Simon Luchs, beschreiben Nathali als eine extrem ruhige Kuh, welche gerne marschiert – am liebsten mit einer grossen Treichel bei der Alpabfahrt.

Trotz Alp gute Leistungen

Winterbergers bewirtschaften eines von vier Sennten an der Breitenbodenalp im Rosenlauital. Es ist eine dreistaflige Alp, wobei die oberste Hütte auf 2050 Meter über Meer liegt. Total weiden 150 Kühe gemeinsam, wobei alle vier Sennten ihre Kühe in eigenen Ställen melken und die Milch selber verkäsen. Nathali hat in der zweiten Laktation über 7000 Kilogramm Milch gegeben, dies mit überdurchschnittlichen Inhaltsstoffen.

Blickfang zu Hause

Ob Sommer oder Winter – die Kühe haben ein schönes Leben bei der Familie Winterberger. Bis 2002 hielten Fred, Franz und Albin je selber Kühe in verschiedenen, teilweise veralteten Ställen. Der stattliche Neubau im Talboden, direkt neben der Aare, bietet 50 Kühen, 20 Rindern und den Kälbern ein gemeinsames und zeitgemässes Winter-Zuhause. Klar freut sich Franz über den Stall, doch wichtiger ist ihm das Alpleben: «Wir hoffen fest, dass Nathali bei guter Gesundheit bleibt und wir noch viele Jahre mit ihr auf die Alp gehen können.»

Betriebsspiegel

Fläche: 45 ha LN in Bergzone 1–4 in Schattenhalb.
Futterbau: vor allem Grünland, zirka 2 ha Mais.
Tiere: 50 Kühe, Rasse OB, 50 Rinder, 27 Kälber, 1 Stier.
Milchlieferrecht: Molki Meiringen, im Sommer 5–7 Tonnen Berner Oberländer Alpkäse.
Arbeitskräfte: Franz, Albin, Fred, zwei Lehrlinge. Im Sommer helfen die Ehefrauen von Albin und Fred mit. Auch Hans und Fred sowie Anita, Söhne und Tochter von Albin und Fred, helfen rege mit. est



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