5.08.2018 06:01
Quelle: schweizerbauer.ch - sum
Tiergesundheit
Neue Waffe im Mastitis-Kampf
Neu können Braunviehzüchter das Mastitisrisiko ihrer Kühe züchterisch senken. Spitzenzüchter Bruno Manser aus Muolen SG will den neuen Zuchtwert nutzen. Swissherdbook und Holstein Switzerland ziehen nach.

Nächste Woche erscheinen die August-Zuchtwerte der Milchviehrassen. Beim Braunvieh und beim Original Braunvieh kommt es zu einer Neuerung: Erstmals wird ein Zuchtwert für Mastitisresistenz publiziert.

«Bisher haben die Züchter die Eutergesundheit mit dem Zuchtwert Zellzahl zu verbessern versucht», erklärt Urs Schuler von der Qualitas AG, die für alle Milchviehzuchtverbände die Zuchtwertschätzung durchführt. «Doch Zellzahl und Mastitis sind nicht das Gleiche. Dank der Gesundheitsdatenerfassung auf den  rund 280 Betrieben können wir   die Mastitisresistenz, die eine tiefe Erblichkeit von 2,4 Prozent hat, erstmals direkt als Merkmal bearbeiten. Das kommt wieder den Betrieben zugute, denn die Selektion ist vielversprechend.»

Höhere Zuchtwerte weniger betroffen

Tatsächlich erkranken Kühe mit hohen Zuchtwerten für Mastitisresistenz wesentlich weniger an Euterentzündungen als Kühe mit tiefen Zuchtwerten.  Schuler kennt die Zahlen (siehe Grafik):  «Bei Kühen mit einem Zuchtwert für Mastitisresistenz unter 88 kam es in 45 Prozent aller Laktationen zu einer Mastitis. Bei Kühen mit einem Zuchtwert über 113 in nur 1 Prozent aller Laktationen.»

Obschon die Braunviehzüchter die Eutergesundheit künftig züchterisch verbessern können, hat der Zuchtwert  Zellzahl laut Schuler  nicht ausgedient. Er wird weiter geschätzt und fliesst in den Gesamtzuchtwert ein.

Eutergesundheit ist sehr wichtig

An der IGBS-Ausstellung an der Tier&Technik 2018 dominierte Bruno Manser aus Muolen SG mit Manser’s Joe Hanna. Die bekannte Schaukuh und Stierenmutter (Haegar, Highlight, Haribo) wurde Champion und Senior Schöneutersiegerin.  Hanna hat in drei Laktationen im Schnitt über 10800kg Milch produziert. Entsprechend wichtig ist Manser die Eutergesundheit.

«Sicher werde ich den neuen Zuchtwert für Mastitisresistenz nutzen», beteuert er. «Auf die Zellzahlen lege ich jetzt schon viel Gewicht.» Er habe seine  Kuhfamilien, bei denen er wisse, dass die Eutergesundheit gut sei, betont Manser. «Der neue Zuchtwert erleichtert die Stierenwahl und den Zuchtviehverkauf. Dort zählen Leistung und Eutergesundheit.»

Holstein Switzerland und Swissherdbook wollen den Zuchtwert für Mastitisresistenz erst publizieren, wenn die genomischen Zuchtwerte verfügbar sind. «Ziel ist April 2019», betont Alex Barenco von Swissherdbook. «Der Validierungs- und Entwicklungsprozess  braucht  etwas mehr Zeit.»

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