10.07.2018 18:11
Quelle: schweizerbauer.ch - blu,ats
Zug
Neuer Stall für 450 Jersey-Kühe in Kritik
Landwirt Martin Schuler plant einen neuen Stall für 450 Kühe plus Jungvieh. Umweltverbände gehen auf die Barrikade. In unserer Mittwochsausgabe der Printausgabe ihr ein Exklusiv-Interview mit Martin Schuler.

In der Innerschweiz schlägt ein Stallbauprojekt hohe Wellen. Die Familie Schuler möchte ihren Betrieb Drälikon erweitern. Dazu plant sie einen Neubau. Das Projekt «Chueweid» ist gemäss Schulers optimal abgestimmt auf Wirtschaftlichkeit, Tierwohl und Natur.

Heute werden auf dem Betrieb 300 Jersey-Milchkühe und 200 Stück Jungvieh gehalten, mit dem Stallneubau soll die Kuhzahl auf 400 bis 450 Tiere ansteigen plus das Jungvieh. Die Galtkühe und ein Teil des Jungviehs befinden sich an verschiedenen Orten. 

Stalldach ist besonders

Mit dem Stallneubau würden alle Tiere unter dem gleichen Dach unter gebracht.  Und es ist auch das  Dach, das den Neubau zu etwas Besonderem macht. Es besteht aus einer teiltransparenten Folie, die neunzig Prozent des Sonnenlichtes durchlässt. Das hat zwei Vorteile: Der D3-Vitamin-Haushalt der Tiere wird gefördert, und die UV-Strahlen eliminieren viele Krankheitserreger.

Durch die spezielle Satteldachform mit der ausgeklügelten Neigung wird ein Kamineffekt erzeugt. Sprich die Belüftung des Stalles erfolgt auf natürlichem Weg, und es wird keine Zwangsbelüftung benötigt, dies wiederum heisst keine Geräuschemission und ein deutlich geringerer Strom-Energiebedarf für den Stall.

Ganzes Raufutter aus der Region

«Ich habe in den USA einen solchen Stall besucht, und das gute Stallklima hat mich sofort überzeugt», erklärt Martin Schuler. Das Stallklima soll durch Komposteinstreu zusätzlich gefördert werden. Diese vermindert die Freisetzung von Methan und Ammoniak wesentlich. Seit Jahren wird beim Futter, Mist und Gülle mit Betrieben aus der Region zusammengearbeitet.

16 Partnerbetriebe im Umkreis von 10 Kilometern produzieren das Raufutter und sind gleichzeitig Abnehmer von Mist und Gülle. Die Tiere von Schulers erhalten ausschliesslich Schweizer Raufutter. Auf Soja wird seit 2010 verzichtet, und Palmöl und Palmfett sind komplett aus der Ration gestrichen. Mit dem Neubau soll auch die Direktvermarktung der Milch weiter ausgebaut werden. Zurzeit wird der Hauptteil der 1,6 Millionen Liter Jersey-Milch im Industriemilchkanal abgesetzt. Schulers möchten ihre Milch langfristig komplett direkt vermarkten. 

«Tierfabrik»

Wenig erbaut über die Pläne der Bauernfamilie ist die Stiftung Landschaftsschutz (SL). Sie betitelt das Projekt in einer Medienmitteilung als «gigantische Tierfabrik». Die SL schreibt von einem Stall mit 1040 Plätzen. Schulers hingegen planen aber mit einem Bestand von 750,  der Kühe und Jungvieh umfasst.

Auch am Standort stört sich der SL. Dieser befinde sich im geschützten Landschaftsschongebiet. Raimund Rodewald, SL-Geschäftsführer, sagt gegenüber «Zentralplus», dass der neue Stall, aufgeteilt in mehrere Hallen, in einer Industriezone errichtet werden müsste. Die Idee der Schulers stehe aber im Widerspruch zu einer nachhaltigen Landwirtschaft und schade dem Image der Bauern. Die Verteilung der Gülle auf andere Betriebe erhöhe die Ammoniak- und die Stickstoffbelastung und wirke sich negativ auf die Biodiversität aus. 

Der Zuger Bauernverband ist beim Neubau nicht involviert. «Es handelt sich schweizweit um ein einzigartiges Projekt», sagt Geschäftsführer Ueli Staub. Die Abnahmeverträge von Gülle und Mist erachtet er nicht als ein Problem. «Die Dimension des Projekts ist doch sehr gewöhnungsbedürftig», sagt Staub zu «Zentralplus».

Im Exklusiv-Interview mit «Schweizer Bauer» erklärt Martin Schuler die Herausforderungen des Projektes. Das Interview lesen Sie am Mittwoch in der Printausgabe.

Interfarm

Die Interfarm GmbH wurde 2012 von Martin Schuler für die künftige Bewirtschaftung des Familienbetriebes gegründet. 2013 wurde der Betrieb Drälikon von Bruno Schuler an  die Interfarm mit seinem Sohn Martin als Geschäftsführer verpachtet.

Die Interfarm betrachtet sich als Produzent von gesunden und nachhaltig erzeugten Nahrungsmitteln. Ihre Kernkompetenz liegt in der Milchproduktion mit Jerseykühen. Der grösste Teil der Milch wird derzeit in die Industrie geliefert. Künftig soll die gesamte Milch über Interfarm direkt vermarktet werden. 

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