9.06.2015 06:12
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Milchvieh
Neues Logo für Roboter-Stiere geplant
Swissgenetics und Select Star planen ein neues Logo für robotertaugliche Stiere. Dies, weil Kühe mit eng gestellten oder kurzen Zitzen nur schlecht vom Roboter gemolken werden könnten. Lely und DeLaval verneinen das.

Immer mehr Milchviehhalter lassen ihre Kühe vom Roboter melken. Auf diesen Trend reagieren Swissgenetics und Select Star. Swissgenetics hat im Magazin «Toro» eine Topliste mit Holsteinstieren veröffentlicht, die speziell robotertaugliche Euter vererben.

Zitzenlänge und Stellung

An der Spitze der Liste steht bei den geprüften Stieren Superpower-ET vor Seaver-ET und Impression-ET. Bei den geprüften Schweizer Stieren hat Guido-ET das robotertauglichste Euter, auf Platz 2 steht Kubica, auf Platz 3 Largo-ET. Bei den Optimis-Stieren  führt Brekem vor Tabasco-ET und Airintake-ET die Liste an.

«Immer mehr Betriebsleiter erhoffen sich durch die Anschaffung eines Melkroboters flexiblere Arbeitszeiten», erklärt Olivier Buchs vom Holsteinzuchtverband. Damit eine Kuh durch den Melkroboter gemolken werden könne, seien vor allem die Zitzenlänge und die Zitzenverteilung sehr wichtig. «Eine Kuh mit zu kurzen Zitzen ist unerwünscht, da der Roboter diese Zitzen schlecht oder gar nicht erkennt. Bei der Zitzenverteilung dürfen die Zitzen nicht zu eng platziert sein. Für den Roboter ist es sonst unmöglich, den Zitzenbecher anzubringen.» Ein weiteres Kriterium, das bei robotertauglichen Stieren nicht aus den Augen gelassen werden sollte, sei der Charakter.

Rassenfrage ungelöst

Dieser Kriterienkatalog soll noch erweitert werden. Das bestätigt Hansjörg Bigler von Swissgenetics: «Wir arbeiten zusammen mit Select Star an einem Logo, mit dem Stiere ausgezeichnet werden sollen, die robotertaugliche Euter vererben. Der Wunsch dazu kommt aus der Praxis.» Derzeit würden die Merkmale ausgewählt, so Bigler. «Das Ziel ist, das Logo im Oktober im neuen Swissgenetics-Katalog vorzustellen.» 

Dies sicher für die Rassen Holstein, Braunvieh und Red Holstein. «Ob das Logo auch bei Simmental oder Original Braunvieh Sinn macht, muss noch diskutiert werden.» 

Zitzen erkennen

Das VMS von DeLaval erkennt die Zitzen mit einer optischen Kamera in Kombination mit einem Doppellaser. Der Astronaut von Lely hingegen arbeitet bei der Zitzenerkennung mit einer dreidimensionalen Scannertechnologie. sum

99 Prozent der Euter

Dieses Vorgehen kann man beim Melktechnikanbieter Lely nicht nachvollziehen. Tiziano Ziliani vom Lely-Center Schweiz: «Laut einem Bericht der deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) kann unser Roboter Lely Astronaut die Melkbecher mit einer Zuverlässigkeit von 99 Prozent  ansetzen, unabhängig von der Zitzenlänge oder der Zitzenstellung.» Bereits von über zehn Jahren hätten Agroscope und das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen die Ansetzzuverlässigkeit verschiedener Roboter verglichen. «Schon damals konnte der Astronaut praktisch alle Euter melken.»

DeLaval verweist darauf, dass der Mehrzweckarm des VMS genannten Roboters mühelos mit abweichenden Euterformen und -positionen sowie Zitzen mit einer Schrägstellung von bis zu 45 Grad  zurechtkomme. Ausserdem lasse sich das System gezielt auf Kühe mit extremen Euterformen  und Zitzenstellungen einstellen. «Problemlose Euter können aber noch schneller gemolken und der Roboter so besser ausgelastet werden», ergänzt Urs Schmid von DeLaval.

Thema beim Braunvieh  

Laut Direktor Lucas Casanova hat man sich auch bei Braunvieh Schweiz schon Gedanken über eine solche Liste gemacht, das Projekt jedoch aus Kapazitätsgründen vorläufig nicht weiter verfolgt: «Es ist gut möglich, dass wir bei den Braunviehstieren künftig einmal jene speziell kennzeichnen, die besonders robotertaugliche Euter vererben.»

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