10.02.2016 06:10
Quelle: schweizerbauer.ch - Anja Tschannen
Evolèner
Nicht nur Fleisch, sondern auch Milch
Sie sind klein, haben Temperament, sind urschweizerisch und lassen sich nicht nur mästen, sondern auch melken. Auch wenn man zugeben muss, das heute nur noch auf wenigen Betrieben Evolèner gemolken werden

«Viele Evolèner werden im Nebenerwerb gehalten, sodass sich die Mutterkuhhaltung für die Betriebsleiter eher anbietet», erklärt Bernhard Reusser. Er ist einer der wenigen, der seine Evolèner-Kühe noch melkt. Sechs Melkkühe, zwei Rinder, einen Muni und fünf Aufzuchttiere hält er zurzeit am Schallenberg BE. I

m Winter vertränkt er die Milch an die Mastkälber, im Sommer wird sie auf der Alp verkäst.  Im vergangenen Sommer waren unter den insgesamt 90 Kühen auch 16 Evolèner, die gemolken wurden. Die Herde sei gemischt. Das heisst verschiedene Rassen und Tiere mit und ohne Hörner.

In den Bergen zu Hause

Werden die anderen Kühe nicht von den horntragenden Evolènern auf der Alp herumgejagt? Reusser verneint lachend, die Evolèner aus den verschiedenen Betrieben würden sich meist schon nach kurzer Zeit zusammenschliessen und die Alp unsicher machen, indem sie sich auch in den unwegsamsten Gebieten ihr Futter zusammensuchten.

Ihre ausgesprochene Alptüchtigkeit und Robustheit komme dabei voll zum Zuge. «Evolèner sind dazu geboren, im Gebirge unterwegs zu sein», sagt Reusser. Im Winter erhalten Reussers Evolèner Heu, Grassilage, Maissilage und Kraftfutter «mit Mass», wie er betont.

«Von nichts gibts nichts»

Obwohl Evolèner auch mit kargem Futter auskommen und genügsam sind, mit qualitativ schlechtem Grundfutter können auch sie nichts anfangen. «Von nichts gibt’s nichts», ist Reusser überzeugt und betont, egal ob Mutter- oder Milchkühe, wenn ein Tier eine Leistung erbringen soll, müsse es auch dementsprechend gefüttert werden.

Wenn man bei Evolènern von Milchleistung spricht, bewegt man sich in einem grossen Spannungsfeld, denn die Streuung innerhalb der Rasse ist nach wie vor gross. «Ab der dritten Laktation ist für mich eine Milchleistung von 4000 kg wünschenswert», sagt der Züchter. Seine beste Kuh und Stammmutter seiner heutigen Evolèner-Zucht habe in ihrer Spitzenzeit über 5000 kg gegeben.

Von Rindern dürfe man am Anfang nicht zu viel verlangen, Evolèner seien erst mit fünf Jahren voll entwickelt. So hat die zweitlaktierende Kuh Lena einen Abschluss von 2746kg mit 4,4% Fett und 3,78% Protein.

Keine 08.15-Kuh

Das Erstkalbealter bei den 115 bis 125cm grossen, und 400 bis 600 kg schweren Tieren von Reusser liegt bei rund 2 Jahren. Die Standardlaktation bei den Evolènern liegt auch bei 305 Tagen.

Je nach Betriebsstrategie könne man sie aber auch vorher Galt gehen lassen.  Eine Herausforderung beim Melken der Evolèner sei deren Sensibilität.

Enge Beziehung zu Halter

Zu ihrem Halter bauen die anhänglichen Tiere bei entsprechendem Umgang eine enge Bindung auf. Es ist auch schon vorgekommen, dass man eine Kuh von der Alp nach Hause schicken musste, weil sie sich partout nicht von den «Fremden» melken lassen wollte und die Milch nicht gegeben hat.

«Es gibt bestimmt einfachere Kühe, die weniger zu tun geben», sagt Reusser nachdenklich. Die Rasse Evolèner muss einem liegen, und man muss Freude, Idealismus und Überzeugung mitbringen. Dann kann man seine Tiere auch geniessen und mit ihnen arbeiten.

Betriebe werden gefördert

Für die erste Kuh, die eine Milchwägung durchführt, zahlt der Evolèner-Zuchtverein den Bauern 100 Franken, ab der zweiten dann insgesamt pro Betrieb und Jahr 200 Franken.

«Das soll eine kleine Entschädigung für den Mehraufwand beim Wägen sein», sagt Godi Fankhauser, Präsident des Vereins. Man wolle den Milchtyp bei den Evolènern unbedingt erhalten.

Pachtalp gesucht

Gesucht wird eine Anstellung auf einer Alp, wo ca. 20 Evolèner Milchkühe mitgenommen werden können, oder eine Alp, die für die Sömmerung von Evolèner Kühen gepachtet werden kann. Die Tiere sind Teil des Erhaltungsprojekts des Evolèner-Zuchtvereins und Pro Specie Rara. Bitte direkt bei Bernhard Reusser melden: Tel. 079 228 94 39.

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