2.03.2014 12:38
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Milchmarkt
Noch kein Auffangnetz für neue Krise
Die Milchproduktion ist wieder am Anschwellen. Das zeigt sich an den wieder volleren Butterlagern. Zwar ist es noch verfrüht, von einer Krise zu sprechen. Es ist aber fraglich, ob das System eine neue Belastungsprobe aushält.

«Für mich stellt sich nicht die Frage, ob eine neue Überschusssituation entstehen wird, sondern, wann sie entstehen wird.» Diese Worte sprach Daniel Gerber als abtretender Geschäftsführer der Branchenorganisation Milch (BOM) im Interview mit dem «Schweizer Bauer» am 4. Januar. Und er fügte mahnende Worte an: «Ich bin nicht so zuversichtlich, dass man genügend gewappnet ist, um eine neue Preiserosion zu verhindern.»

BOM kann nicht mehr

Tatsache ist: Die BOM selber hat nach der Abschaffung des Fonds Marktentlastung gar keine Möglichkeit mehr zur Intervention. Deshalb macht man sich auf Produzentenseite Gedanken, wie man in einer Krise überschüssige Milch vom Markt nehmen könnte, damit nicht der ganze Milchpreis heruntergerissen wird.

Hanspeter Kern, Präsident der Schweizer Milchproduzenten (SMP), hatte im Interview mit dem «Schweizer Bauer» folgende Aussage dazu gemacht: «Wir wollen Verantwortung für die Überschüsse übernehmen. Wir hatten die ersten Gespräche und Sitzungen. Wir bieten unsere Dienstleistungen an. Aber das können wir nur in Zusammenarbeit mit den Vermarktungsorganisationen tun.»

Butterlager sind voller

Noch herrscht zwar keine Krisenstimmung auf dem Milchmarkt. Aber die Milchproduktion ist  deutlich am Steigen. Auch deshalb wollte der BOM-Vorstand den Richtpreis für A-Milch bis Mitte Jahr nicht erhöhen. Im Dezember 2013 betrug die Milchproduktion 285'151 Tonnen. Gegenüber dem Vorjahresmonat entspricht dies einer Zunahme von 10'562 Tonnen oder 3,8 Prozent.

Ein Indikator für die höhere Produktion sind die Butterlager. Diese sind mit 3043 Tonnen fast dreimal voller als letztes Jahr, als es in der gleichen Woche 1148 Tonnen waren.

Projekt steht noch nicht

Wie beurteilen die SMP die Marktlage? «Auf der Absatzseite sind die Märkte nach wie vor gut und tragfähig, sowohl national wie international», sagt der stellvertretende Direktor Stefan Hagenbuch. Die Milchproduktion habe aber in der Tat etwas ausserordentlich angezogen, was etwas mehr Aufmerksamkeit verlange. «Die Ursachen sind allerdings wohl sehr unterschiedlich. Entscheidend wird sein, wie der Einstieg in die Grünfütterung ausfallen wird», fügt er an. Auf die Frage, wie  der Stand des Projekts zur Marktabräumung in Krisenzeiten sei, meint Hagenbuch: «Wir arbeiten zurzeit daran. Der Weg dorthin ist allerdings nicht einfach und verlangt etwas Zeit und grosse Anstrengungen von allen.»

Und wie beurteilt Hagenbuch die Frage, ob die Branche gut genug aufgestellt ist, damit bei einer neuen Überschusssituation nicht gleich wieder die Produzentenpreise einbrechen? «Ich kann nicht für die Branche sprechen, aber auf Stufe der BOM gilt die Segmentierung unverändert, und daran wird in jedem Fall festgehalten», fügt er an.

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