21.05.2018 14:46
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE/blu
Neuseeland
NZ: Tausende Milchkühe vor Tötung
In Neuseeland breitet sich der bakterielle Erreger Mycoplasma bovis immer weiter aus. Vergangene Woche wurden erstmals infizierte Tiere auf einem Milchviehbetrieb in der Region Waikato auf der Nordinsel nachgewiesen.

Wenige Tage zuvor war zudem der erste Fall in North Cantabury auf der Südinsel bekannt geworden. In diesen beiden Regionen stehen rund 23% beziehungsweise fast 14% aller neuseeländischen Milchkühe. 

22'000 Rinder töten

Seit dem ersten Nachweis am 21. Juli ist die ansteckende Tierkrankheit mittlerweile auf 44 Farmen ausgebrochen, weitere 300 stehen aktuell unter Beobachtung, teilweise mit Quarantäneauflagen. Nach Angaben des neuseeländischen Landwirtschaftsministeriums ist es vorgesehen, rund 22'000 Rinder aus infizierten Herden bis Ende Mai zu töten, bei der Hälfte ist das schon geschehen. 

Angesichts der zuletzt schnellen Verbreitung des Erregers, der bei Kühen zu behandlungsresistenten Mastitiden, Fruchtbarkeitsstörungen und Aborten führen oder generell bei Rindern Lungenerkrankungen und Gelenksentzündungen auslösen kann, geht Agrarminister Damien O´Connor mittlerweile von insgesamt rund 60'000 infizierten Rindern aus. 

Ausrotten oder mit Krankheit leben?

Bei einem Treffenmit Erzeugern versprach er finanzielle Soforthilfen für die betroffenen Halter von rund 8,1 Mio NZD (5,6 Mio. Fr.). Eine Mitschuld an derAusbreitung der Mycoplasmen wird darin gesehen, dass das System zur Rückverfolgung von Rinderbewegungen (NAIT) kaum funktioniert. Premierministerin Jacinda Ardern macht dafür die abgewählte konservative Vorgängerregierung verantwortlich, die „durch Unterfinanzierung ein schlechtes System mit unzureichenden Prozessen“ hinterlassen habe. 

Diskutiert wird in Neuseeland nun, ob angesichts der hohen Zahl von zu keulenden Milchviehherden die vollständige Ausrottung der Krankheit oder besser ein Leben mit der Krankheit das Ziel sein soll, wie das in anderen Ländern der Fall ist. Auch die Präsidentin des nationalen Bauernverbandes, Katie Milne, zweifelt, ob das Merzen ganzer Herden mit vielen gesunden Tieren den Landwirten nicht mehr Schaden zufügt als ein Management der Krankheit mit gewissen Leistungseinbussen. Experten zufolge dürften dann jedoch langfristig die Tiergesundheitskosten steigen und die Produktivität der Milchproduktion sinken.

Mykoplasmen sind Erreger mit einem hohen Ansteckungspotential. Es sind die kleinsten, selbständig vermehrungsfähigen Bakterien. Häufig unbemerkt, verbreiten sich diese Erreger im Bestand, wobei sie - je  nach  Spezies - beim Rind die verschiedensten Krankheitsbilder auslösen, aber auch im Tier als Bestandteil der physiologischen Flora vorhanden sein können, ohne klinische Krankheitszeichen hervorzurufen.
 
Die wichtigsten Krankheitsbilder, die von diesem Erreger verursacht werden, sind 
• Pneumonien und Gelenksentzündungen bei Kälbern und Jungrindern 
• Ohrentzündung bei Kälbern
• Endometritis und Abort bei der Kuh  
• Mastitis bei Kühen.

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