21.11.2017 14:03
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Smart Farming
Ohrmarke meldet die Brunst
Christoph Rüegsegger aus Rosshäusern BE bei Mühleberg kann seine Kühe aus der Ferne orten und auf Brunstsymptome und Stoffwechselstörungen überwachen. Die Daten dazu liefert eine smarte Ohrmarke. Sie ist wiederverwendbar.

Die 55 Milchkühe von Christoph Rüegsegger aus Rosshäusern BE tragen in einem Ohr zwei Marken. Eine stammt von der Tierverkehrsdatenbank, die zweite heisst Eartag Life und wird von der österreichischen Firma Smartbow hergestellt. So smart wie der Name des Unternehmens ist auch die Marke: Mit ihr lassen sich die Kühe in Echtzeit orten und auf einer digitalen Stallkarte darstellen, und die Ohrmarke liefert laufend Daten zur Brunsterkennung sowie zur Wiederkäu- und Gesundheitsüberwachung. 

System selbstlernend

So erhält Rüegsegger bei Brunst oder Stoffwechselstörungen einen Alarm aufs Smartphone. «Wir nutzen das System seit Ende September. Es ist selbstlernend und soll nach sechs Wochen exakte Daten liefern», betont er. «Die Brunsterkennung funktioniert bereits – es werden auch Tiere mit stiller Brunst angezeigt.» Künftig wolle er aufgrund der Wiederkäuaktivität Rückschlüsse auf die Ration ziehen und das System als Managementhilfe nutzen: «Da ich auch Behandlungen erfassen kann, ersetzt es das Behandlungsjournal.»

Überwachungsfunktionen haben bisher in erster Linie die Melktechnikhersteller mit ihren Pedometern oder Transpondern angeboten – wobei man sich dabei an eine Firma binden muss. Eartag Life hingegen ist unabhängig von der Melktechnik, die Batterie soll mehrere Jahre halten, und die Ohrmarke ist beim Abgang einer Kuh wiederverwendbar.

Drei Testbetriebe

Die UFA untersucht die Zuverlässigkeit des Smartbow-Systems derzeit auf drei Betrieben. «Weitere Betriebe kommen Anfang 2018 dazu», blickt Hansueli Rüegsegger von der UFA voraus. Er betont: «Das System ist praxisreif. Es kommt weltweit zum Einsatz, auch auf Grossbetrieben in Russland mit 5'000 Kühen. In 40 Ländern tragen bereits über 110'000 Kühe die Marken.»

Das System werde noch weiter verbessert, ist er überzeugt. Und es passe perfekt auf Schweizer Betriebe: «Ein grosser Vorteil des modularen Aufbaus ist, dass neue Module per Mausklick auf dem PC installiert werden können. Und auch finanziell ist Smartbow sehr konkurrenzfähig.» Die Suisse Tier, die nächsten Freitag beginnt, widmet dem Smart Farming eine grosse Sonderschau.


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