11.07.2018 10:25
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Umfrage
Passt ein 450 Kuhstall zur Schweiz?
Landwirt Martin Schuler plant in Hünenberg ZG einen Stallneubau für 400 bis 450 Jersey-Kühe sowie Jungvieh. Das Projekt wird aber bereits heftig kritisiert. Was haltet Ihr davon? Gehen Schulers mit der Zeit? Oder ist der Neubau nicht förderlich für das Image der Landwirtschaft? Abstimmen und mitdiskutieren

Das Projekt «Chueweid» ist für schweizerische Verhältnisse aussergewöhnlich. In unmittelbarer Nähe der bisherigen Stallungen plant Martin Schuler einen neuen Stall. 

Fortbestand sichern

Mit dem Neubau würden alle Tiere unter dem gleichen Dach untergebracht. Heute werden auf dem Betrieb 300 Jersey-Milchkühe und 200 Stück Jungvieh gehalten, mit dem Stallneubau soll die Kuhzahl auf 400 bis 450 Tiere ansteigen plus das Jungvieh. Mit der «Chueweid» sichere sich der Betrieb in optimaler Weise seinen Fortbestand, schreiben Schulers auf der Website zum Neubauprojekt. Der neue Stall würde ausserhalb des Gewässerschutzgebietes zu liegen kommen. 

Das Projekt «Chueweid» ist gemäss Schulers optimal abgestimmt auf Wirtschaftlichkeit, Tierwohl und Natur. Dank der Zusammenführung der Tiere in einen Stall wird die Bewirtschaftung effizienter. Durch die spezielle Satteldachform mit der ausgeklügelten Neigung wird ein Kamineffekt erzeugt. Es wird keine Zwangsbelüftung benötigt, dies wiederum heisst keine Geräuschemission. Angeschaut hat sich Schuler einen solchen Stall in den USA.

Deutlich über Tierschutznorm


Dank dem Komposteinstreu können die Tiere nicht nur frei liegen, sondern haben insgesamt mehr Platz. Die Tiere haben 10 Quadratmeter Liegefläche (heutige Tierschutznorm 4,5 Quadratmeter) zur Verfügung. Gefüttert werden die Jersey-Kühe mit einheimischen Raufutter von Betrieben aus dem Umkreis aus 10 Kilometer. Auf Soja wird bei der Fütterung verzichtet. Mist und Gülle werden von 16 Partnerbetrieben übernommen.

Die Milch will Martin Schuler künftig selber vermarkten. Derzeit sind es 1.6 Millionen Kilo, mit der Vergrösserung der Herde dürfte die Menge deutlich steigen. Doch bevor das Projekt gebaut werden kann, gibt es noch etliche Hürden zu meistern. Momentan läuft eine Umweltverträglichkeitsprüfung. Dann müssen die Stimmberechtigten von Hünenberg einer Umzonung in eine landwirtschaftliche Spezialzone zustimmen. Und beim Baubewilligungsverfahren dürfte es zu zahlreichen Einsprachen kommen.

«Tierfabrik»

Widerstand hat bereits die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (SL). Sie betitelt das Projekt als Tierfabrik. Die Idee der Schulers stehe im Widerspruch zu einer nachhaltigen Landwirtschaft und schade dem Image der Bauern. Das Futter müsse weitgehend zugekauft werden und die Gülle würde weiträumig an andere Baubetriebe verteilt. Dies führe zu einer Verödung der Wiesen und einer Verschärfung der Ammoniak- und die Stickstoffbelastung. Dies wirke sich wiederum negativ auf die Biodiversität aus. 

Zu viele Rahmenbedingungen stimmen im gegenwärtigen Vorschlag überhaupt nicht, kritisiert die Stiftung. So ein Stall, aufgeteilt in mehrere Hallen, müsste in einer Industriezone errichtet werden, betont die Stiftung Landschaftsschutz.

Und was denken Sie über das Projekt? Ist ein mutiger Schritt der Familie Schuler? Gehen sie neue Wege? Oder halten Sie solche Ställe für zu gross für die Schweiz? Abstimmen und mitdiskutieren

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE