Montag, 17. Mai 2021
03.05.2021 14:11
Milchvieh

«Pauline ist eine sehr fleissige Kuh»

Share on print
Share on email
Share on facebook
Share on twitter
Von: sum

Sohn Frédéric und Vater Albert Bachmann aus Estavayer-le-Lac FR haben nicht nur Pauline mit 197863kg Lebensleistung im Stall, sondern eine ausgeglichene Herde langlebiger Kühe. Zucht und Management sind top.

Bachmann Dominator Pauline von Frédéric Bachmann, Estavayer-le-Lac FR, könnte demnächst die Marke von 200’000kg Milch knacken. Derzeit steht sie bei 197’863kg mit starken 3,92 Prozent Fett und 3,46 Prozent Eiweiss.

11 Laktationen

Dies hat die im Oktober 2003 geborene Red-Holstein-Kuh in 11 Laktationen erreicht. «Heute gibt Pauline 23 bis 25kg Milch pro Tag. Wenn alles gut geht und sie gesund bleibt, dann sollte Pauline im Sommer die 200’000kg erreichen», sagt Albert Bachmann, der Vater des heutigen Betriebsleiters Frédéric Bachmann, der auf dem Betrieb für das Herdenmanagement zuständig ist.

Weltweit gibt es wohl nicht viele Kühe mit solchen Lebensleistungen. Bekannt ist, dass die kanadische Holsteinkuh Gillette E Smurf 247’711kg Milch gab, ehe sie 2015 abgegangen ist.

Drei Mal täglich melken

«Obschon Pauline leider verworfen hat, ist sie noch so hoch in der Milch», so Albert Bachmann. «Pauline ist eine sehr fleissige Kuh. Seit wir 2006 einen Roboter haben, ging sie viele Jahre regelmässig drei Mal täglich zum Melken. Sie hatte nie Klauenprobleme und kann viel Grundfutter aufnehmen.» Auf dem Betrieb mit rund 80 Red-Holstein- und Holstein-Kühen wird eine Mischration mit Grassilage, Maissilage und Heu gefüttert.

Ausgelegt ist sie auf 28 bis 30kg Milch. Im Roboter erhalten die Kühe ihr Leistungsfutter. Vom Frühling bis zum Herbst können sie dank dem automatischen Selektionstor auf die Weide, sobald sie gemolken sind. «Das funktioniert sehr gut», bestätigt Albert Bachmann, «bei gutem Weidegras gehen die Kühe trotz Mischration nach draussen.» Beim Weidestart werden sie nach einigen Stunden heimgeholt und dann am Abend nochmals nach draussen gelassen, damit sich eine Routine einspielt.

Kühe sollen sich wohlfühlen

Im Sommer sorgt die Hitze dafür, dass sie früh in den Stall zurückkehren und auf ihre 2,4 bis 2,6 Melkungen pro Tag kommen. «Das Ziel sind nicht viele Melkungen», relativiert Albert Bachmann aber, «wichtig ist, dass jede Kuh mindestens zwei Mal täglich zum Melken geht. Eine Kuh, die das nicht macht, ist keine Roboterkuh und wird nicht alt. Doch man muss auch wissen, dass eine Kuh in der ersten Laktation die Milch viel länger halten kann vor dem Melken als eine ältere Kuh und so auf weniger Melkungen kommt.»

Das ganze Management ist bei Bachmanns darauf ausgelegt, dass sich die Kühe wohlfühlen. Nur wenn sie sich wohlfühlen würden, kämen sie auf den Stalldurchschnitt von rund 10’000kg. «Doch», so Albert Bachmann, «wichtiger ist, dass eine Kuh so wenig Euter- oder Klauenprobleme wie möglich hat, keine Antibiotika braucht und keinen Zeitaufwand verursacht. Dies sind Faktoren, die in der Zucht stärker berücksichtigt werden müssen. Denn sie helfen der Kuh, der Umwelt und dem Betriebsleiter. Wir müssen unsere Kosten immer stärker reduzieren, und alle Behandlungen sind Stunden, die zählen.»

Pauline wird im Oktober 18 Jahre alt.
zvg

Gut auf den Beinen

Entsprechend dieser Einstellung achten Frédéric und Albert Bachmann bei der Zucht auf tiefe Zellzahlen, gute Euter und gute Fundamente. Albert Bachmann wünscht sich auch Zuchtwerte für Klauenprobleme. «Eine Kuh für den Roboter muss sehr gut auf den Beinen sein. Dennoch muss sie genügend Milch haben, 6500kg in der ersten Laktation genügen nicht, begründet er den Fokus auf Beine und Klauen. «Den Rest machen wir mit dem Management», ergänzt er.

«Solange eine Kuh über 23kg Milch gibt, zahlt sie die Fütterung. Dann muss sie nicht nach 60 Tagen wieder trächtig sein. Erstlingskühe mit 36kg Tagesmilch können auch nach 80 Tagen erstmals besamt werden.» Entsprechend sei das Ziel nicht eine Zwischenkalbezeit von 365 Tagen. Pauline geniesst keine Sonderbehandlung, sie ist Tag und Nacht mit den anderen Kühen im Laufstall mit Tiefstreu-Liegefläche oder auf der Weide. «Sonst könnte sie nicht den Roboter aufsuchen, wann sie will», betont Albert Bachmann.

27 Kühe mit 100000kg

«Bis auf eine Ausnahme hatte sie nie Probleme. Einzig im Winter vor zwei Jahren hatte sie sich vermutlich ein Schultergelenk ausgerenkt», erinnert sich Albert Bachmann. «Sogar dann ist sie immer im Laufstall mitgelaufen.»

Auch wenn mittlerweile Frédéric den Betrieb führt, hat er einen grossen Anteil am Leistungsniveau der Herde und auch am Erfolg von Pauline. Sie ist denn auch längst nicht die einzige 100’000er-Kuh um Stall. Insgesamt haben 24 Kühe auf dem Betrieb die Marke schon erreicht. Und von den verkauften Kühen gaben drei weitere auf anderen Betrieben diese Leistung. «Das spricht für die Genetik», freut sich Albert Bachmann. Es zeige, dass die Zucht einen elementaren Anteil habe an der Leistung.

Keine Tochter mit mehr 100’000 Kilo

Unter den 100000er-Kühen ist leider keine Tochter von Pauline. «Leider hatten wir mit ihren Nachkommen nicht so viel Glück», bedauert Albert Bachmann, «wir haben nur noch eine Tochter aus Savard aus dem Jahr 2013 von ihr im Stall, die nun bei 80000kg steht. Eine Linie aus der Stammkuh Troyan Jasmin brachte uns dafür viel Erfolg. Sie, eine Tochter und eine Grosstochter standen zusammen im Stall, und jede brachte über 100000kg Milch.» 

Mehr zum Thema
Tiere

Die Plattform Tierstatistik der Identitas AG bietet einen interaktiven, zeitlichen und räumlichen Zugang zu Nutz- und Heimtierdaten aus der ganzen Schweiz. - Identitas AG Die Daten der Plattform Tierstatistik sind…

Tiere

Die Versorgung mit Tierarzneimitteln in der Schweiz erfolgt zum grössten Teil über den europäischen Markt. - Anja Tschannen Das neue Tierarzneimittelrecht der EU hat auch Folgen für die Schweiz: Um…

Tiere

Lebendtiertransporte per Schiff werden in Neuseeland verboten. - Tom Jervis Nach einer Übergangszeit von zwei Jahren wird Neuseeland den Lebendexport von Nutztieren per Schiff ab 2023 komplett verbieten.   «Im Mittelpunkt…

Tiere

Die Fütterung von 100 g Zitronengras pro Tag reduziert die Methanemissionen in der Atemluft im Mittel um 14,6%. Teilweise wurden die CH4-Emissionen sogar um 23,4% verringert. - zvg Auf Initiative…

SCHWEIZER BAUER

DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE