22.08.2013 08:15
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Milchvieh
Pflanzenextrakte stoppen Milchfluss
Eine Kuh, die nicht mehr gemolken wird, soll die Milchproduktion möglichst schnell einstellen. Dabei helfen ihr Brennnessel, Salbei und Schachtelhalm in flüssiger Form. Dies als Unterstützung zur Futterumstellung.

40 Kühe der Rassen Holstein und Red Holstein stehen im Stall der Betriebsgemeinschaft Wälchli-Huggler im aargauischen Vordemwald. Wenn Fabienne Huggler eine von ihnen trockenstellen will, tut sie das auf eine ganz spezielle Weise: Sie spritzt keinen Trockensteller ins Euter, sondern flösst eine Flüssigkeit ein.

«Wenn die Kühe bei der letzten Milchwägung unter 100'000 Zellzahlen haben und im Schalmtest nicht angeben, schütte ich nur Taritral ein», erklärt die junge Landwirtin. «Nur bei über 100'000 Zellzahl oder einem positiven Schalmtest verwenden wir zusätzlich antibiotischen Trockensteller.» Im Sommer versiegelt Huggler zudem die Zitzen aller Kühe, im Winter nur die von denen, die gern die Milch laufen lassen.

Als Futtermittel registriert

Taritral ist ein Produkt der französischen Firma Nutral. In der Schweiz wird es von Jean-François Ecoffey über seine Firma LGC SA vertrieben. «Die Flüssigkeit enthält Extrakte von Brennessel, Salbei und Ackerschachtelhalm, dazu Spurenelemente und Mineralstoffe wie Magnesium», erklärt er.

«Taritral ist als diätetisches Futtermittel registriert. Es basiert auf Dynamisierungsprinzipien, darf aber nicht als Heilmittel angepriesen werden.» Taritral steht auf der Betriebsmittelliste des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) und kann auch auf Biobetrieben eingesetzt werden.

Ohne Zeitverzögerung

Die Anwendung ist einfach, muss aber laut Ecoffey genau befolgt werden: «Unmittelbar nach dem letzten Melken – es darf keine Zeit verstreichen - schüttet man der Kuh eine Flasche, also 0,25l, ein.» Dies bewirke in der Kuh, dass die Ausschüttung der milchproduzierenden Hormone gestoppt und somit die Milchproduktion eingestellt werde. «Zudem werden Entzündungsprozesse, die im Euter beim Trockenstellen natürlicherweise auftreten, bekämpft, und es bildet sich rasch ein natürlicher Pfropf aus, der die Zitzen verschliesst.»

Die Fütterung umstellen

Die Wirkung von Taritral kann und sollte mit einer angepassten Fütterung ergänzt und verstärkt werden. Denn auch mit einer Umstellung der Ration lässt sich die Milchproduktion drosseln. Das ist besonders bei hohen Leistungen nötig, so bei Huggler und Wälchli. Ihre Kühe geben im Schnitt 8'500kg Milch, die Tagesleistung ist auch beim Trockenstellen noch relativ hoch.

«Schon vier bis fünf Tage vor dem Trockenstellen füttern wir keinen Mais und dann auch kein Kraftfutter mehr», erklärt Huggler. «Die Galtkühe erhalten nur noch Heu, im Sommer sind sie durchgehend auf der Weide.» Ecoffey ergänzt: «Wir empfehlen zusätzlich, einen Tag vor dem Trockenstellen wenig zu füttern. So gerät die Kuh in eine Art Futterstress, und ihr Stoffwechsel reagiert besonders gut auf die Wirkstoffe.»

Bei Kühen mit über 25kg Tagesmilch beim Trockenstellen könne man 24 Stunden nach der ersten auch eine zweite Flasche Taritral eingeben. «Da eine Flasche je nach Bezugsmenge nur sieben bis neun Franken kostet, ist das auch finanziell tragbar.»

Verschiedene Boli

Finanziell tragbar – und zuverlässig. Findet jedenfalls Huggler, die mit dem französischen Trank bislang nur gute Erfahrungen gemacht hat. Darauf gestossen ist sie allerdings rein zufällig, wie sie erzählt: «Unsere Kühe hatten nach dem Kalben immer eitrigen Ausfluss. Da erzählte uns der Besamer von einem Bolus zum Eingeben, der das Versäubern unterstützen soll.»

Der Bolus namens Metrabol, ebenfalls von Ecoffey vertrieben, zeigte bei den Kühen von Huggler und Wälchli volle Wirkung. Mittlerweile setzen die beiden nicht nur ihn, sondern auch noch zwei weitere Boli ein: Parabol gegen erhöhte Zellzahlen und Velibol zur Vorbereitung auf die Geburt und für vitalere Kälber. Speziell von diesen ist Huggler begeistert: «Seit wir Velibol eingeben, schleimen die Kühe beim Kalben viel stärker. Das erleichtert den Geburtsvorgang. Zudem sind die Kälber deutlich vitaler und saufen regelmässig schon kurz nach der Geburt.»

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