17.12.2017 09:43
Quelle: schweizerbauer.ch - sum
Milchvieh
Richtiges Licht bringt 15% mehr Milch
Licht im Milchviehstall sorgt für leistungsfähige und fruchtbare Kühe – sofern Lichtstärke und Lichtspektrum stimmen.

Der 21. Dezember ist der kürzeste Tag des Jahres. Nur knapp 9 Stunden lang ist es hell. Das schlägt nicht nur vielen Menschen aufs Gemüt, sondern hat auch Auswirkungen auf die Leistung und die Fruchtbarkeit der Tiere. Bekannt ist diese Tatsache aus der Geflügelhaltung, bei der die Legeleistung der Hennen über die Wintermonate nur mit Lichtprogrammen aufrechterhalten werden kann.

Brunst besser sichtbar

Doch auch Kühe brauchen genügend lang und genügend helles Licht, damit sie leistungsfähig und gesund bleiben. Laut der niederländischen Firma Agrilight, die sich auf auf die Beleuchtung in Ställen spezialisiert hat, bringt eine gute Beleuchtung bis zu 15 Prozent mehr Milch. Zudem verbessert eine einheitliche Stallbeleuchtung die Fruchtbarkeit, und die Brunst wird besser sichtbar. Auch die Zwischenkalbezeit kann durch die Anwendung des richtigen Lichtprogramms und der richtigen Beleuchtungsstärke verkürzt werden. Darüber hinaus können Krankheiten früher festgestellt werden.

Agrilight empfiehlt im Stall eine Beleuchtungsstärke von 150 bis 200 Lux und ein Lichtprogramm mit 16 Stunden Licht, gefolgt von 8 Stunden Dunkelheit mit maximal 5 Lux. Laut Léonie von Tavel, Tierärztin  bei Swissgenetics, gelten bei Stallhaltung 200 Lux als Mass für die Beleuchtung: «Man sollte tagsüber im Stall Zeitung lesen können. Die Lichtverhältnisse sollten aber in den verschiedenen Stallabschnitten den Bedürfnissen von Mensch und Tier angepasst werden.»

Dies betont auch Urs Schmid von DeLaval: «Das Licht muss   im Stall möglichst gleichmässig verteilt sein. Besonders gut ausgeleuchtet werden sollten aber die Liegeflächen und die Fressachse.» Normale Neonröhren seien nicht ausreichend, um ein optimales Lichtmanagement für die Kuh zu erhalten: «In modernen Milchviehställen, wie zum Beispiel auch im DeLaval-Normstall, arbeitet man heute mit LED-Beleuchtung.»

Richtige Wellenlänge

LED-Lampen für Ställe sind nicht nur heller als Neonröhren, sie liefern laut Schmid auch ein abweichendes Lichtspektrum. «Bei unserem Lichtprogramm leuchten am Tag LED mit einer speziellen Wellenlänge im Blaubereich, kombiniert mit Weisslicht.  Studien zeigen, dass Kühe Licht im Blaubereich am hellsten wahrnehmen. Diese Wellenlänge unterdrückt die  Melatoninbildung am stärksten, sodass   Aktivität, Futteraufnahme und Milchproduktion optimal angeregt werden. In der Nacht wird mit stark reduzierten Lichtstärken gearbeitet, um die Kühe nicht zu stören.»

Jutta Berger, auch sie Tierärztin bei Swissgenetics, bestätigt die Aussagen von Urs Schmid. Sie verweist  auf eine neue Studie aus Bayern: «Rinder sehen demnach vor allem im blau-grünen Lichtbereich. Im Rotbereich dagegen sehen sie schlechter als wir.» Und noch einen Unterschied zum Menschen gebe es, ergänzt sie: «Kühe erkennen 40 bis 60 Bilder pro Sekunde. Wir dagegen sehen nur 25. Hektische Bewegungen oder flatternde Plastikbänder   wirken daher stärker auf Rinder und machen ihnen schneller Angst. Die   Studie aus Bayern weist in diesem Zusammenhang noch daraufhin, dass Stalllampen nicht gepulst (gedimmt) werden sollten. Für die Tiere wäre das unangenehm flimmerndes Licht.»

Sonnenlicht tanken

Wie aber kann man erkennen, dass die Kühe das  Licht nicht als unangenehm empfinden? Laut Kuhsignale-Experte Christian Manser ist es schwer, anhand der Kuhsignale auf zu wenig Licht zu schliessen. Als Hinweis könne der Aufenthaltsort der Kühe dienen: «Wenn den Kühen im Stall das Sonnenlicht fehlt, dann halten sie sich gerade in den Wintermonaten vermehrt im Laufhof auf. Das kann ein Zeichen sein, dass sie Sonnenlicht suchen. Häufig kann die Kuh im Winter an der Sonne aber auch Energie tanken. Oder sie steht draussen herum, weil ihr im Stall  Luft und Liegeboxen nicht passen.»

Von der Bedeutung der richtigen Beleuchtung ist aber auch Manser überzeugt: «Es gibt Messungen, die zeigen, dass Kühe bei guten Lichtverhältnissen  – 16 Stunden mit 200 Lux –  einen höheren Futterverzehr und damit höhere Leistungen haben. Es gibt sogar Arbeiten, die belegen, dass bei mehr Licht sogar mit gleich viel Futter mehr Milch produziert wird.» Offenbar seien hormonelle Abläufe dafür verantwortlich. «Sicher sind  die Brunstsignale bei viel Licht ausgeprägter. Für das Reifen und Ablösen der Eier vom Eierstock benötigt die Kuh aber zwingend den Tag-Nacht-Rhythmus.» 

Schlafhormon

Das Schlafhormon Melatonin kontrolliert den natürlichen Schlafzyklus. Wenn die Tage kürzer oder dunkler werden, wird es in grösseren Mengen produziert und beeinflusst die Aktivität der Kuh negativ. Der Gehalt von Melatonin im Blut wird beeinflusst durch die Lichtintensität und durch das Lichtspektrum. Licht hemmt die Bildung von Melatonin. Die längere Helligkeit bedeutet also weniger Schlafhormon und aktivere  Kühe. 

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