17.01.2018 11:34
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Luzern
Rinder von Grossbauer getötet
Am 19. Dezember wurden 31 Tiere eines Grossbauern im Luzerner Hinterland wegen leichten bis hochgradigen Gesundheitsmängeln beschlagnahmt. Einige dieser Tiere mussten geschlachtet oder eingeschläfert werden.

Der Fall des Landwirts B. aus dem Luzerner Hinterland erschütterte im Dezember die Schweiz. Der Bauer hat auf 6 Höfen insgesamt rund 450 Rinder eingestallt. 31 Tiere wurden von den Behörden am 19. Dezember 2017 beschlagnahmt und abgeführt. Beteiligt an der Aktion waren sechs Mitarbeiter des kantonalen Veterinärdienstes, zwei Bauern sowie Mitarbeiter der Luzerner Polizei. 

Tiere lahmten

Gemäss Angaben des Veterinärdiensts untersuchte ein Tierarzt die Tiere noch am selben Tag am neuen Ort. Dieser nahm auch eine erste Notfallversorgung vor. «Wir trafen vor Ort viele lahme Tiere an. Ein Teil von ihnen wies klare Anzeichen von Schmerzen auf. Die fachgerechte tierärztliche Versorgung war nicht sichergestellt», sagte Kantonstierarzt Otto Ineichen gegenüber der «Luzerner Zeitung». Gemäss dem Veterinär hat der Landwirt unter anderem die Klauenpflege vernachlässigt.

Ein Tierarzt und ein Klauenpfleger untersuchten die Rinder. Aufgrund der vorgenommenen Beurteilung mussten ein Teil der Tiere geschlachtet und wenige Tiere direkt eingeschläfert werden. Die restlichen Tiere werden weiter behandelt und gepflegt, teilt der Veterinärdienst am Mittwoch mit. Diese Tiere sind bis auf weiteres unter Aufsicht des Veterinärdienstes des Kantons Luzern tierschutzgerecht untergebracht. Die Zahl der toten Tiere konnte Kantonstierarzt Otto Ineichen unter Verweis auf das laufende Verfahren nicht nennen. Auch zum medizinischen Grund der Schlachtungen machte Ineichen gegenüber der Nachrichtenagentur sda keine Angaben.

Milch in Futtermittelindustrie

Landwirt B. ist ein Lieferant der Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP). Die ZMP haben nach dem Bekanntwerden des Falles umgehend Massnahmen eingeleitet. So wurde ein temporärer Milchlieferstopp verfügt. Ein ZMP-Melkberater kontrollierte am Mittwoch vor Ort die Verhältnisse. Dieser stellte fest, dass die noch anwesenden Rinder wohlauf sind und die Tierschutzvorschriften eingehalten sind. «Test von der Milch durch ein unabhängiges Labor haben ergeben, dass sowohl Gefrierpunkt, Keim- und Zellzahlen keinen Anlass zu Beanstandung geben», sagte Mediensprecherin Carol Aschwanden im Dezember gegenüber schweizerbauer.ch. 

Aufgrund der Tierwohlverstösse wird die Milch seither nicht mehr in Verkaufskanal überführt. «Da die Milch hygienisch einwandfrei ist, wird diese zu Pulver verarbeitet und so haltbar gemacht», so Aschwanden. Verarbeiter Emmi hat entschieden, die Milch von Landwirt B. nicht mehr zu verarbeiten. «Die ZMP hat soeben entschieden, die Milch vorerst nicht mehr zu Emmi zu liefern, sondern in die Futtermittelindustrie zu liefern», sagte Aschwanden am 22. Dezember 2017 zu schweizerbauer.ch. 

«Es ist uns bereits länger ein Anliegen, dass wir bei Tierwohlverstössen, welche das Veterinäramt feststellt, zumindest eine Information erhalten, wenn es sich um einen Betrieb handelt, bei dem wir Milch abholen», hielt die ZMP-Sprecherin gegenüber schweizerbauer.ch fest. 

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