20.05.2015 10:10
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Milchproduktion
«Roboter warnt frühzeitig vor Mastitis»
465'000 kg Milch melken Urs und Walter Bachmann aus Nottwil LU mit dem Roboter. Sie wird verkäst zum besten Emmentaler der Schweiz. Obwohl Robotermilch die Käsereitauglichkeit immer wieder abgesprochen wird.

Der 21. April war für Hanspeter und Ruedi Hodel von der Käserei Windblosen in Neuenkirch LU ein besonderer Tag. An der Delegiertenversammlung von Emmentaler Switzerland durften sie die goldene Käsemarke entgegennehmen. Die beiden Käser erreichten 2014 mit ihrem Emmentaler AOP eine durchschnittliche Qualität von 19,95 Punkten – mehr als alle anderen Emmentaler-Produzenten. 

Viel Robotermilch

Wer das ganze Jahr auf Top-Niveau käsen will, ist auf beste Milchqualität angewiesen. Da mag es erstaunen, dass Urs und Walter Bachmann, die grössten Lieferanten der Käserei Windblosen, mit dem Roboter melken. Immerhin wurde der von der Greyerzer-Sortenorganisation verboten. Angeblich, weil Robotermilch nicht käsereitauglich ist.«Dieses Verbot verstehe ich nicht», wundert sich Käser Ruedi Hodel, «seit Bachmanns auf ein automatisches Melksystem umgestellt haben, hatten wir nie Probleme mit der Milchqualität. Wir haben die Milch mehrmals untersuchen lassen – immer mit einem einwandfreien Befund.»

Urs und Walter Bachmann aus Nottwil LU haben ein Lieferrecht von 465'000kg. In der Käserei Windblosen werden 2,5 Mio. kg verarbeitet. «Wir haben Hanspeter und Ruedi Hodel um ihre Meinung gefragt, als wir uns überlegten, einen Roboter anzuschaffen», erinnert sich Urs Bachmann, einer der beiden Brüder, die eine ÖLN-Gemeinschaft mit 50ha LN betreiben.

«Sie hatten nichts dagegen, also haben wir 2012 den Melkstand demontiert und auf ein VMS von DeLaval umgestellt.» Der Grund für den Wechsel war eine Betriebserweiterung. «Der alte Melkstand wurde zu klein für die 55 zu melkenden Kühe, und im Laufstall  war kein Platz für einen grösseren. Da war der Roboter die einzige Lösung», erläutert Urs Bachmann. Er erinnert sich: «Wir rechneten damit, dass nach der Umstellung einige Kühe schlechte Milch geben würden, dass wir damit Kälber mästen müssen. Im Endeffekt haben wir von keiner Kuh die Milch zurückbehalten.»

Frühzeitig gewarnt

Bachmann, der erst kürzlich von den Zentralschweizer Milchproduzenten für fünf Jahre beste Milchqualität ausgezeichnet wurde, betont sogar, dass sich neben der Milchleistung der Braunviehkühe – 8000kg mit 4,2 Prozent Fett und 3,6 Prozent Eiweiss – auch die Qualität verbessert habe. Er verweist auf die Zellzahlen, die im Schnitt bei 120'000 liegen, und meint:  «Dazu trägt in erster Linie der MDI bei, den wir täglich zweimal am Bildschirm kontrollieren.»

Der MDI ist der Mastitis-Detection-Index, eine Kenngrösse, in die der Leitwert und die Färbung der Milch und die Zwischenmelkzeit einfliessen. «Der MDI warnt uns frühzeitig, indem er lange vor den klinischen Mastitisanzeichen anzeigt, dass etwas nicht stimmt», so Bachmann, «entsprechend früh können wir reagieren.»

Waschen und trocknen

Ein weiterer Faktor für eine gute Milchqualität ist die Sauberkeit der Zitzen und  der Melkumgebung. Auch da habe das VMS Vorteile, zieht der Bauer den Vergleich zum Melkstand: «Die Zitzen werden einzeln im Vorbereitungsbecher mit Wasser und einem pulsierenden Luftstrom gewaschen, stimuliert und mit Druckluft getrocknet.

Das ist in meinen Augen hygienischer als die Reinigung mit einer Bürste.» Zudem würden die Melkbecher nach jeder Kuh gespült und die Bodenplatte abgespritzt. Und da jeder Viertel individuell gemolken und abgehängt werde, sei ein Blindmelken ausgeschlossen.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE