16.04.2018 06:00
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Milchkühe
«Save a Cow» ist ein voller Erfolg
Adrian Haggenmacher hat einen modernen Stall und 65 Kühe mit hoher Milchleistung. Trotzdem ist die Milchproduktion ein Verlustgeschäft. Dank viel Engagement kann er die Einkommenseinbussen auffangen.

Adrian Haggenmacher bewirtschaftet den Hof Hinterburg oberhalb Meilen am Zürichsee. Der Betrieb umfasst 60ha Land mit Ackerbau und Grünland, zum Tierbestand gehören 15 Mutterkühe mit Wagyu-Blut, 26 Pensions- und eigene Pferde und 65 Milchkühe. Wobei ein Teil der Milchkühe dank «Save a Cow» nicht nur einen Besitzer, sondern auch noch einen oder mehrere Paten hat.

Selbstständige Kühe 

Der junge Landwirt erzählt, wie es dazu kam. 2015 musste er einen neuen Stall bauen, weil der alte nicht mehr tierschutzkonform war. Nun ist Platz für 65 Kühe. Diese sind in zwei Gruppen zu 50 und zu 15 Kühen unterteilt. Problemkühe und frisch gekalbte haben Zugang zu einem zusätzlichen Tiefstreubereich. Gemolken, gefüttert und gemistet wird mit Robotern. 

«Der Stall ist darauf ausgelegt, dass die Kühe alles selber machen können», nennt Haggenmacher seine Überzeugung. «Das nützt mir und den Kühen. Ich will die Herde möglichst wenig stören.» Ein Problem blieb: der tiefe Milchpreis. «Mit diesem kann ich die Milchwirtschaft nicht finanzieren», ist sich Haggenmacher bewusst. «Deshalb haben wir die Direktvermarktung und die Pensionspferdehaltung aufgestockt, und ich habe das Projekt Save a Cow gegründet.

60 Paten in drei Monaten

Dies war im letzten Sommer der Fall, als der Milchpreis wieder einmal um einige Rappen fiel. Haggenmacher hängt an seinen Kühen, die Herde zu verkleinern, kam für ihn nicht infrage. Deshalb suchte er über eine eigens eingerichtete Homepage und durch Mund-Propaganda Paten, die quasi den Unterhalt einer Kuh mitfinanzieren. Der Erfolg war durchschlagend: «Ich hoffte, dass ich innerhalb eines Jahres 60 Patenschaften habe, dies wurde in drei Monaten erfüllt.»

Die Leute können die Patenschaft für eine ganze Kuh oder für einen Teil einer Kuh übernehmen. Die Kosten variieren zwischen 20 und 100 Franken. «Vielen ist es nicht so wichtig, für welche Kuh sie die Patenschaft übernehmen. Wichtig ist, dass die Kuh lang lebt. Deshalb biete ich nur die besten Kühe an, von denen ich annehme, dass sie noch einige Zeit im Stall bleiben», erklärt er. Für die Kunden, die spezifisch eine Kuh wollen, besteht die Möglichkeit, dass die Kuh nach der Nutzung auf einen Gnadenhof kann. «Ansonsten muss ich halt erklären, weshalb eine Kuh in den Schlachthof muss.»

Gratismilch

Anfang Jahr hat Haggenmacher alle Paten zu einem Fondueessen eingeladen. «Ich muss ihnen etwas bieten, damit die Patenschaften auch erneuert werden», ist er sich bewusst. Wer eine Patenschaft übernimmt, kann pro Woche deshalb auch zwei bis vier Liter Milch gratis beziehen. Neu möchte Haggenmacher ihnen auch 10 Prozent im Hofladen anbieten. «Das wäre eine Win-win-Situation.

Damit Save a Cow funktioniert, müssen alle Kühe einen Namen haben. Da ist zum Beispiel Contessa, Haggenmachers Lieblingskuh. Ihre Milchleistung liegt bei 9000kg, das ist auch der Stallschnitt. Drei Rentenkühe, die keine Milch mehr geben, haben dank Save a Cow ebenfalls einen Paten oder eine Patin gefunden und können deshalb weiterleben. Die älteste, Löwin, ist nun 23 Jahre alt

Obschon Save a Cow voll eingeschlagen hat, ist Haggenmacher immer noch am Planen. «Ich möchte mit einem Nachbarn eine Molkerei aufbauen und schlussendlich die ganze Milch in Form von Milch, Joghurt und Rahm  regional vermarkten. Das dauert aber noch etwa zwei Jahre, bis die Molkerei steht. Bis der ganze Absatz von einer Million Liter Milch sichergestellt ist, kalkuliere ich mindestens zehn Jahre. »

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