1.07.2015 16:35
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Fleischmarkt
Schlachtungen trächtiger Kühe sollen reduziert werden
Laut einer Studie sind rund sechs Prozent der Rinder und Kühe, die geschlachtet werden, trächtig. Die Branchenorganisation der Schweizer Fleischwirtschaft Proviande sucht nun nach einer Lösung, der Praktik Einhalt zu gebieten.

Dass hin und wieder eine trächtige Kuh auf dem Schlachthof landete, habe man gewusst - doch das Ausmass überraschte auch Peter Schneider, Mitglied der Geschäftsleitung von Proviande, wie er den Zeitungen Bund und Tagesanzeiger vom Mittwoch sagte. Die Branche habe ein grosses Interesse, sich der Thematik anzunehmen.

Schlachtung nicht verboten

Das Schlachten trächtiger Rinder und Kühe ist in der Schweiz nicht verboten. Dass es keine Seltenheit ist, zeigte eine Untersuchung des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) von 2012, die im vergangenen Herbst veröffentlicht wurde: 5,6 Prozent der geschlachteten Rinder und Kühe waren mindestens im fünften Monat trächtig.

Eine anschliessende Befragung der betroffenen Tierbesitzer zeigte, dass deren 28,8 Prozent darüber Bescheid wussten und ihre Tiere dennoch schlachten liessen. In einigen dieser Fälle war eine Erkrankung der Kuh ausschlaggebend für die Schlachtung. Bei denjenigen Landwirten oder Händlern, die von der Trächtigkeit ihrer Tiere nichts wussten, wurde diese zum Beispiel falsch eingeschätzt oder gar nicht abgeklärt.

Stiere befruchten Kühe auf der Weide

Viele trächtig geschlachtete Kühe stammten zudem von Betrieben, die mit natürlicher Befruchtung arbeiten. Der sogenannte Natursprung wird oft in der immer populärer werdenden tierfreundlichen Haltung praktiziert, wo die Stiere frei mit den Kühen auf der Weide sind. Dabei kann der Tierbesitzer leichter die Kontrolle über Zyklusstand und Befruchtung der Kühe verlieren, wie es in der Untersuchung heisst.

Proviande will grundsätzlich nicht eine gesetzliche, sondern eine freiwillige Lösung. Er könne sich etwa eine Selbstdeklaration auf den öffentlichen Schlachtviehmärkten vorstellen, sagte Schneider auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Dabei müsste ein Tierbesitzer beim Verkauf bescheinigen, dass die Kuh nicht trächtig ist.

Nur im Notfall schlachten

Eine Lücke bleibt aber laut Schneider beim privaten Handel mit Tieren. Dort gehen zwischen verschiedenen Besitzern manchmal Informationen verloren, wie auch die BLV-Studie festhält. Die Proviande-Geschäftsstelle wurde von einer ihrer Fachkommissionen beauftragt, Vorschläge auszuarbeiten, wie man das Problem anpacken könnte. Inhaltlich wollte der Branchenvertreter nicht vorgreifen. «Wir sind dabei, Ideen zusammenzutragen. Das Rezept haben wir noch nicht gefunden», sagte Schneider. Im Herbst soll sich die Kommission, in der auch Produzenten, Handel und Verwerter vertreten sind, mit den Vorschlägen befassen.

Das BLV hat aufgrund seiner Untersuchung Empfehlungen herausgegeben, wie es auf Anfrage hiess. Grundsätzlich sollten hochträchtige Kühe - ausser im Notfall - nicht geschlachtet werden. Beim Kauf von Tieren gelte es, sich über deren allfällige Trächtigkeit zu informieren. Zudem müsse sich das Herdenmanagement verbessern, so dass der Landwirt über den Zyklusstand seiner Kühe im Bild ist.

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