22.07.2019 14:15
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Hitze
Schlauchlüftung erfrischt die Kühe
Ventilatoren wälzen in Milchvieh- und Mutterkuhställen die Luft um und sorgen für ein gutes Raumklima. Wichtig ist, dass Luftgeschwindigkeiten über 2,5m/s erreicht werden. Alle 10 bis 12m sollte ein Lüfter drehen.

Eine gute Möglichkeit, im Milchvieh- oder Mutterkuhstall für ein angenehmes Klima zu sorgen, sind Ventilatoren.  

Flexibler Einsatz

«Für den Einsatz bei der Milchviehhaltung und für Mutterkühe bieten wir den Grossraumlüfter in verschiedenen Grössen an», sagt Ueli Stampfli von der Firma Krieger in Ruswil LU. «Erhältlich sind auch Ventilatoren für den Wandeinbau oder zum Aufhängen, wenn höherer Druck oder Luftgeschwindigkeiten verlangt werden, zum Beispiel bei Schlauchlüftungen.» Krieger bietet ebenfalls Deckenventilatoren an.

Bei der Wahl eines Ventilators sind Luftmenge, Luftgeschwindigkeit, Einbaugrösse, Gegebenheiten vor Ort wie Raumhöhe, Durchfahrt, Raumtiefe einfache Montage und flexible Einsatzmöglichkeiten entscheidend. «Vertikale Ventilatoren können flexibler eingesetzt werden, zum Beispiel abgehängt von der Decke oder mobil auf einem Fahrwerk, und so individuell den Bedürfnissen der Tiere angepasst werden», meint Stampfli.

Wurfweite 10 bis 12m

«Wichtig ist, dass Luftgeschwindigkeiten über 2,5m/s erreicht werden. Mit dieser Luftgeschwindigkeit wird das Wärmepolster um das Tier aufgelöst. Ohne dieses isolierende Wärmepolster gibt das Tier viel Wärme ab. Damit ist das Ziel der Abkühlung erreicht.» Falls 100 Prozent der Luft bewegt werden muss, sollte ein Ventilator laut Stampfli als Richtwert 1m3/Stunde und Kilo Tiergewicht im Stall umwälzen, jedoch könne die Luftmenge durch natürlichen Austausch erheblich reduziert werden.

Michael Rüttimann von  der BRS Hoftech in Willerzell SZ ergänzt: «Im Laufstall gilt es, Frischluft in den Stall zu pusten und quer durch den ganzen Stall zu befördern. Ein Ventilator hat meist eine Wurfweite von 10 bis 12 m. Dies bedeutet, dass alle rund 12m ein Unterstützungventilator drehen sollte, der die Luft wieder diagonal nach unten und weiter befördert.» Im Anbindestall wiederum sei es wichtig, dass keine Kuh der direkten Zugluft ausgesetzt sei. «Beim Anbindestall stell man den Ventilator daher am besten im Futtertenn auf, dann haben die Tiere die Frischluft am Kopf.» 

Tiere steuern

Die Luftratenberechnung richtet sich laut Rüttimann nach der Tierart und der Anzahl Tiere sowie dem Gebäudevolumen. «Je nach Gebäude sind  Decken- oder stehende Ventilatoren die bessere Option. Grundsätzlich sollte die Luft horizontal durch den Stall bewegt werden. So wird bei den Tieren der Windchill (Windkühlung) erreicht, und es wird keine durch schlechte Dachisolation erwärmte Luft zu den Tieren bewegt.»

Die Firma B+M in Densbüren hat Schlauchlüftungssysteme, Grossraumventilatoren sowie Deckenventilatoren im Angebot. Damian Laube von B+M zu den Vorzügen der Schlauchbelüftungssystemen: «Nur mit diesen können wir mit einem Ventilator und einem Schlauch der entsprechenden Grösse eine ganze Achse mit genau platzierter Frischluft versorgen und gleichzeitig einen Abkühlungseffekt an jedem Platz bewirken. Zudem handelt es sich bei der Schlauchlüftung um das einzige System, mit dem wir zu 100 Prozent frische Luft von aussen in den Stall bringen.»  

Um 10 Grad geneigt

Ventilatoren sollen so ausgerichtet sein, dass die Tiere an der Fressachse und im Liegebereich davon profitieren können: «Über Liegeboxen auf einer Höhe von ca. 2,70 m, leicht geneigt um etwa 10 Grad», führt er aus.  Mit der Lüftungstechnik könne  man  die Tiere gerade bei extremen Temperaturen steuern, «das Tier wird sich dort aufhalten wo es sich am wohlsten fühlt.

Die Schlauchlüftungssystem bringt hier mit Abstand den grössten Nutzen mit sich.» Wenn man einen Ventilator wähle, sei anzustreben, dass die Stallluft im  Minimum 10  Mal pro Stunde ausgetauscht werde. «Entscheidender als die Luftumwälzung ist aber die Effizienz: Die entsprechende Luft soll auch wirklich in den Tierbereich gebracht werden.»

Deckenventilatore

Decken- wie auch Grossraumventilatoren (festmontiert oder mobil) generieren laut Laube beide eine Bewegung der Luft und bringen somit eine Verbesserung in den Stall. «Der Vorteil der Deckenventilatoren liegt darin, dass sie vergleichsweise ein grosses Luftvolumen umwälzen bei gleichzeitig niedrigem Energieverbrauch.

Der Nachteil liegt jedoch beim Platzbedarf. Hier können Grossraumventilatoren Abhilfe schaffen: Sie eignen   auch bei engeren Platzverhältnissen und bieten dem Milchvieh  lokal eine bessere Kühlwirkung, wenn sie leicht geneigt in den Tierbereich hineinschauen.»

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