29.06.2014 06:57
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl, Raphael Bühlmann
Fütterung
Schweizer füttern am wenigsten Kraftfutter
Von Mittwoch bis Freitag trafen sich in Winterthur ZH Milchproduzenten aus ganz Europa. Am Kongress der European Dairy Farmers (EDF) wurde über Entwicklungen der Milchbranche informiert und debattiert.

Der Kongress erlaubte es zudem, dass sich Milchproduzenten über Landesgrenzen hinweg austauschen und vernetzen können. So  wurden etwa auch die neusten Resultate der EDF-Langzeitstudie «Cost of Production Comparison» vorgestellt und diskutiert.

Schweizer top

Gemäss dieser Vollkostenrechnung,  in der die EDF jährlich Produktionskosten von 301 europäischen Milchbauern vergleichen, zeigte sich, dass die Schweiz trotz insgesamt hohen Kosten zumindest in einem Punkt top ist. «Die Schweizer Bauern brauchen sehr wenig Kraftfutter. Hier können Sie von den Schweizern lernen», rief Steffi Wille-Sonk, welche die Studie vorstellte, den Anwesenden im Saal zu.

Tatsächlich: Die Schweizer Bauern, welche bei der Untersuchung teilnahmen, fütterten nur gut 100 Gramm Kraftfutter pro kg Milch. Die französischen setzten schon die doppelte Menge,  die Deutschen, Holländer oder Dänen das Dreifache an Kraftfutter ein. Die Spanier füttern mit gut 400 Gramm pro kg Milch gar das Vierfache  ihrer Schweizer Kollegen. Der geringe Kraftfutter-Einsatz sei vor allem dem sehr guten Grundfutter zu verdanken.
Das Ganze hat aber kostenmässig auch eine Kehrseite: «Die Schweizer Bauern produzieren zwar sehr gutes Futter, aber sie verbringen nicht nur viel Zeit im Stall, sondern auch viel Zeit auf dem Feld.» Gemäss Wille-Sonk müsste also das Ziel  sein, weniger Zeit zu brauchen, um dieses an sich  hervorragende Futter zu produzieren.

Emmi an der Spitze

Auch beim Produzentenmilchpreis war die Schweiz 2013 an der Spitze, wobei der Abstand zu den nächsten allerdings nicht so gross war. Das ging aus dem europaweiten Milchpreisvergleich hervor, den der Holländer Willem Koops vorstellte. Emmi kam auf einen Industriemilchpreis von 49,65 Cent/kg (62 Rp./kg). Auf dem zweiten Platz folgte die finnische Molkerei Hämenlinna, welche 45,18 Cent/kg (56,4 Rp/kg) bezahlte. Auf Rang drei folgte die italienische Granarolo mit 41,87 Cent/kg (52,3 Rp/kg).

Den tiefsten Preis bezahlte die britische First Milk mit 33,99 Cent/kg (42,4 Rp/kg), den zweitschlechtesten die französische Molkerei Lactalis im Gebiet «Pays de la Loire» mit 35,35 Cent/kg (44,1Rp/kg). Der durchschnittliche Produzentenmilchpreis aller untersuchten Molkereien betrug  37,95 Cent/kg (47,4 Rp/kg).

Ausstieg im Zentrum

Von besonderem Interesse dieses Jahr war die Frage, wie die Schweiz den Ausstieg aus der Milchkontingentierung bewerkstelligt hat. In der EU steht das Ende der Quotenregelung nächstes Jahr an.  Entsprechend war das Thema viel diskutiert in Winterthur. 

EDF-Präsidentin Katrine Lecornu  wies in ihrer Eröffnungsrede denn auch auf die Herausforderungen hin, welche auf die europäischen Milchbauern zukommen könnten. «Experten gehen von einer durchschnittlichen Mengenzunahme von 4 Prozent aus, wobei zu erwarten ist, dass sich  Preis und Menge von Region zu Region sehr unterschiedlich entwickeln werden», so Lecornu. In der italienischen Poebene  gehe man von einer Mengensteigerung von bis zu 21 Prozent aus, erklärte Lecornu.

Quote überliefert

Kurz vor dem Auslaufen der EU-Milchquotenregelung ist es gemäss AMI-Newsletter in Deutschland zu einer kräftigen Überlieferung der nationalen Garantiemenge gekommen. Nach den leichten Überlieferungen in den beiden vorherigen Milchwirtschaftsjahren hat sich die fettkorrigierte Milchanlieferung im Abrechnungszeitraum 2013/2014 um 1,94% deutlich oberhalb des Quotenrahmens bewegt. Dies geht aus der jüngst erstellten Abrechnung des Hauptzollamtes hervor. 

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