28.06.2017 11:17
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Viehzucht
Seit 2011 kein Kraftfutter mehr
Wer auf Vollweide und saisonale Abkalbung setzt wie Silvia und Adrian Stohler, der braucht spezielle Milchviehgenetik. Stohlers fand sie im Ausland. Doch auch die IG Neue Schweizer Kuh hilft bei der Stierenwahl.

Adrian und Silvia Stohler bewirtschaften in Olsberg BL einen Milchviehbetrieb. Wer die 52 Kühe betrachtetet, der kommt schnell zum Schluss, dass Stohlers nicht das Maximum an Milch anstreben. Auf der Weide grasen nämlich Kühe der Rassen Swiss Fleckvieh, neuseeländische Holstein und Kiwi Cross (HolsteinJersey).

Ziel sind fünf Laktationen oder mehr

«Sie passen am besten in unser System mit Vollweide, saisonaler Abkalbung von Mitte Januar bis Mitte März und seit 2011 dem totalen Verzicht auf Kraftfutter», erklärt Adrian Stohler. «Die ideale Kuh für unseren Betrieb kann aus betriebseigenem Grundfutter eine Leistung von 5'500 bis 6'000kg mit 4,5 Prozent Fett und 3,5 Prozent Eiweiss bringen.» Diese Milchleistung sei der Herdenschnitt. Erstmelkkühe müssten weniger Milch geben, weil sie noch im Wachstum seien. Das bedeute, das die Leistung der älteren Kühe höher sei.

Und ältere Kühe soll es in der Herde haben, Ziel sind fünf oder mehr Laktationen. Silvia Stohler ergänzt, dass nicht nur die Langlebigkeit zähle: «Unsere Kühe sind mit einem Gewicht von 500 bis 520kg auch kleiner und leichter und haben bessere Milchinhaltsstoffe als die Schweizer Holsteinkühe. Wichtig ist, dass das Gesamtpaket stimmt.»

Neuseeländische und irische Holsteingenetik

Auf der Suche nach der idealen Kuh haben sich Stohlers, die 2009 den Betrieb übernommen haben, in der Schweiz, aber auch in Neuseeland umgesehen. Seit 2010 setzen sie konsequent auf die neuseeländische und neuerdings auch auf irische Holsteingenetik. Und dabei verlassen sie sich auch auf die neuseeländischen und die irischen Zuchtwerte. «Eine gute Fruchtbarkeit und tiefe Zellzahlen sind wichtige Faktoren», meint Adrian Stohler.

«Wir nutzen deshalb den neuseeländischen Zuchtwert für den Body Condition Score BCS. Aus ihm kann man ableiten, ob eine Kuh nach dem Kalben mehr oder weniger Körperfett abbaut. Uns ist lieber, die Kühe starten mit etwas weniger Milch und bauen dafür weniger Fett ab und werden wieder trächtig.» Die irischen Zuchtwerte seien hingegen näher am Schweizer System, etwa bei Fragen der Zellzahl und der Fleischigkeit.

Das macht die IG

  • Neue Schweizer KuhDefinition des Swiss Index (SWI)  als Kriterium für die Auswahl geeigneter Besamungsstiere
  • Stierenempfehlungen für Braunvieh, OB, Holstein, Red Holstein, Simmental und Swiss Fleckvieh nach SWI
  • Betriebs- und Herdenvergleiche auswerten, Bereitstellen von Hilfsmitteln für Zucht und Betriebsführung
  • Untersuchungen und Versuche anregen und durchführen 
  • Vernetzung von Fachleuten
  • Interessenvertretung

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Seit Beginn in der IG

Obschon Silvia und Adrian Stohler sich bei der Milchviehzucht an der ausländischen Genetik orientieren, sind sie seit Beginn in der Interessengemeinschaft (IG) Neue Schweizer Kuh. Denn diese hat dasselbe Ziel wie Stohlers: Sie setzt sich ein für effiziente Milchkühe für eine wirtschaftliche Milchproduktion auf der Basis von Grasland und andern inländischen Raufutterflächen mit möglichst geringem Antibiotikaeinsatz.

Silvia Stohler sagt deshalb auch: «Als wir unsere Vollweidekuh suchten, war das Genetikangebot in der Schweiz noch klein, gerade bei der Rasse Swiss Fleckvieh. Hätte es damals schon ein so breites Angebot gegeben, würden wir wohl heute diese Rasse halten und  die Stierenempfehlungen der IG und den Swiss-Cow-Index berücksichtigen.»

Herdenbesichtigungen

Die IG Neue Schweizer Kuh lädt am 4. Juli zu zwei Herdenbesichtigungen ein, und zwar bei Stefan und Anita Jegge, Berghof 287, Kaisten AG, und bei Adrian und Silvia Stohler, Maiacker 139, Olsberg BL. Der Anlass bietet Einblick in die Rahmenbedingungen der Betriebe und zeigt, wie sie ihr Produktionssystem darauf ausrichten. So setzen Stefan und Anita Jegge auf ihrem Swiss-Fleckvieh-Zuchtbetrieb auf Natursprungstiere aus eigener Zucht und auf die antibiotikafreie Milchproduktion. Das Treffen bietet aber auch die Gelegenheit zum Austausch zwischen Milchproduzenten, Zuchtorganisationen, Beratern und weiteren Interessierten.  sum

Anmeldung für Mittagessen und Shuttle-Dienst ab Bahnhof Frick (Rückreise ab Bahnhof Rheinfelden) bis 30. Juni an Silvia Stohler, hof-maiacker@bluewin.ch, Telefon 079 422 01 17. 

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