4.12.2014 16:35
Quelle: schweizerbauer.ch - sum
Swissgenetics
SeleXion- und wYn-Dosen made in Switzerland
Bisher liess Swissgenetics das Sperma in Frankreich sexen. Damit ist Schluss. Mit dem neuen Trennlabor in Mülligen will die KB-Organisation das Angebot an SeleXion-Dosen ausbauen und flexibler auf die Nachfrage reagieren.

HSB-Daniel, gezüchtet von Hans Schild aus Brienzwiler BE, ist mittlerweile elf Jahre alt.  Der Mercure-Sohn steht noch immer auf der KB-Station von Swissgenetics in Mülligen AG. Das Sperma von Daniel wurde gesext und als wYn-Samendosen vermarktet. Allerdings geschah das nicht in der Schweiz, sondern in Frankreich, wo Swissgenetics in einer Partnerschaft mit Umotest sexen liess.

Know-how aus den USA

Damit ist ab 2015 Schluss. Am Donnerstag wurde das neue Trennlabor von Swissgenetics in Mülligen offiziell eröffnet. Swissgenetics-Präsident Edwin Steiner  übergab einen symbolischen Schlüssel aus Brot an Frank de Graaf von Sexing Technologies (ST) Europe. Sexing Technologies wird das Labor in den nächsten Wochen noch fertig einrichten, im Januar 2015 hochfahren  und dann auch betreiben, denn die Firma aus den USA ist führend in der Sexing-Technologie. Sie hat weltweit schon über 20 Labors eingerichtet und dazu beigetragen, dass das Sexing in den letzten Jahren rasante Fortschritte machte.

Flexibler reagieren

Kommerzialisiert wurde die Technologie 2003. Die Spermien, die ein X- oder ein Y-Chromosom tragen und so entweder zu einem weiblichen oder zu einem männlichen Kalb führen, werden mechanisch getrennt. Dazu reicht ein Massenunterschied von nur 3,8 Prozent zwischen X- und Y-Spermium. «Wenn die Spermaqualität stimmt, können in jeder Sekunde 10000 Spermien getrennt werden», betonte de Graaf. «Dies geschieht so zuverlässig, dass mit einer Wahrscheinlichkeit von über 90 Prozent das gewünschte Geschlecht resultiert und der Besamungserfolg kaum noch tiefer liegt als beim Einsatz von konventionellem Sperma.» Die Non-Return-Rate bei gesextem Sperma liegt bei 59,9 Prozent, jene von konventionellem Sperma bei 71,7 Prozent.

Die hohe Durchsatzrate beim Trennen von bis zu 10000 Zellen pro Sekunde  ist nötig, damit   in Mülligen dereinst bis zu 500000 SeleXion- oder wYnSpermadosen pro  Jahr produziert werden können.  Aus SeleXion-Sperma gibt es Kuhkälber, aus wYn-Dosen Stierkälber. In Frankreich wurden für Swissgenetics im letzten Jahr 73000 gesexte Dosen produziert – zu wenig, um die Nachfrage längerfristig decken zu können, wie Projektleiter Ueli Witschi von Swissgenetics erklärte. Er betonte, dass das neue Trennlabor  aber nicht nur deswegen nötig wurde: «Nun können wir flexibler auf die Nachfrage reagieren und ein grösseres Angebot bereitstellen.» Die Stiere müssten nicht mehr mit viel Bürokratie zum Absamen nach Frankreich ausgeführt werden, was die Produktion vereinfache.

Made in Switzerland

Einer, der davon «profitieren» wird, ist Nello. Der Braunvieh-Prüfstier, ein Nelgor-Sohn aus Vigor Valenzia, wurde von Andrea Pleisch aus Davos GR gezüchtet. Mit einem genomischen Gesamtzuchtwert von 135 gehört er zu den besten Optimis-Vererbern. Er wird   einer der Ersten sein mit SeleXion-Sperma «made in Switzerland».

Wind stört den Trennvorgang

Der Bau des Trennlabors dauerte von Anfang August bis Ende November, die Baukosten belaufen sich auf 1,9 Mio. Franken. Die Gebäudehülle besteht aus Schweizer Holz, genauer aus Douglasie. Das 215 m2 grosse Labor wird in den nächsten Wochen mit viel Hightech ausgestattet. Die Sorter, also die Trennmaschinen, arbeiten mit grossen Spannungen, deshalb ist der Boden antistatisch abgesichert. Das Klima in der Trennkammer ist streng geregelt, denn die Technik arbeitet nur bei einer konstanten Temperatur von weniger als 24°C, einer konstanten  Luftfeuchtigkeit sowie bei einer Luftgeschwindigkeit von weniger als 0,1m/Sekunde zuverlässig. Das Labor wurde zweiteilig gebaut, damit die Vibrationen der Kompressoren die Trennung nicht negativ beinflussen.

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