17.07.2020 09:45
Quelle: schweizerbauer.ch - sum
Smart Farming
Sensoren erobern Milchviehställe
Allflex SenseHub, Smartbow, Lely HR und viele mehr: Digitale Überwachungssysteme für Milchkühe gibt es viele. Die Erfahrungen der Anbieter und eine Umfrage von Agroscope zeigen, dass das Interesse daran steigt.

Die «gläserne Kuh» ist keine Zukunftsvision mehr. Es  gibt eine steigende Auswahl an  digitalen Überwachungssystemen – unabhängige oder an die Melktechnik gebundene. Die von immer mehr Milchviehhaltern genutzt werden.

Nachfrage steigt

René Bucher von Swissgenetics, die das Überwachungssystem SenseHub anbietet: «Wir spüren eine starke Nachfrage. In der Schweiz sind bereits mehr als 200 Systeme im Einsatz. Die Anzahl der Sensoren liegt bei 10 bis 300 Stück pro Betrieb, das System wird in sehr kleinen und sehr grossen Tierbeständen genutzt.» 

Urs Schmid von DeLaval ergänzt: «Unsere Aktivitätsmessung wird oft auf Betrieben ab 30 Kühen eingesetzt. Die Nachfrage ist leicht steigend.» Marcel Schwager von Lely weiss: «Wir bieten die HR-Responder seit der Markteinführung des Astronaut A3 im Jahr 2006 sehr erfolgreich im Markt an.»

DeLaval

DeLaval bietet zwei Systeme an. Mit der Aktivitätsmessung können Brunst oder Erkrankungen erfasst werden. Beim Roboter VMS V300 kann der exakte Progesteronwert gemessen werden. 50 Prozent der VMS-V300-Betriebe nutzen das. Erkannt werden  auch trächtige Kühe oder Zysten. 

Bei Milchvieh verbreitet

In einer Umfrage hat Agroscope 1497 Antworten von Tierhaltern zu digitalen Überwachungssystemen ausgewertet. Die Bilanz: Beim Milchvieh nutzen vergleichsweise viele Betriebe elektronische Sensoren und Messeinrichtungen. Lediglich 33 Prozent der Befragten gaben an, dass keine Technologien eingesetzt werden. Generell wurden Technologien, die mit der Fütterung und dem Melken in Verbindung stehen, am häufigsten genutzt.  

Smartbow

Das Smartbow-System der UFA basiert auf einer Ohrmarke. Sie überwacht die Gesundheit anhand der Wiederkautätigkeit und das Brunstverhalten und ortet die Kühe. Betriebe ab 30 Tieren nutzen das System. Smartbow wird bei  Milch- und Mutterkühen, Kälbern und Rindern eingesetzt.

Milchmengenmessung und Transponderhalsbänder kommen je auf 26  Prozent der ausgewerteten Betriebe zum Einsatz, Aktivitätssensoren auf 6 Prozent, Wiederkausensoren auf 4 und elektronische Ohrmarken auf 2 Prozent. 24 Prozent der Betriebe überwachen die Kraftfutteraufnahme digital. Die elektronische Datenverarbeitung zur Brunsterkennung wird auf 10 Prozent der Betriebe angewendet, jene zur Krankheitserkennung nur auf 4 Prozent. Melkroboter nutzten 14 von 239, Futternachschieberoboter 5 von 248 und Entmistungsroboter 7 von 135 Betrieben.

Preiswerte Sensoren

Laut Christina Umstätter von Agroscope eignen sich die Brunst und die Milchparameter am besten für die Überwachung der Milchkühe, weil sie am weitesten entwickelt sind. «Die Wiederkauaktivität ist ebenfalls ein interessanter Parameter, der über Änderungen in der Herde oder beim Einzeltier Auskunft geben kann», betont sie.   

Lely

Der HR-Responder wird von rund 95 Prozent der Lely-Roboterbetriebe genutzt für Laktierende, Galtkühe und Rinder. Überwacht werden Brunstaktivität, Fress- und Wiederkauminuten sowie Kauschläge in Echtzeit. So werden Galtviertel und akute Mastitis während der Laktation früh erkannt. 

Es gebe keine pauschale Antwort auf die Frage, ab welcher Milchleistung oder Herdengrösse es Sinn macht, ein Überwachungssystem zu kaufen: «Es kommt darauf an, was man überwachen will. Die Preise sind unterschiedlich je nach Sensorsystemen. Die Brunstüberwachung gibt es schon sehr lange. Sie funktioniert auf Basis von Aktivitätssensoren, die eher preiswert sind. Die Systeme, die im Melkstand oder im Melkroboter eingebaut sind, haben den Vorteil, dass sie bereits voll integriert sind. Ausserdem muss dort nur in einen oder wenige Sensoren pro Melkplatz investiert werden, während man etwa für die Tierortung jedes Tier mit einem Sensor ausrüsten muss.»

Grosse Auswahl

Auch Agroscope nutzt laut Christina Umstätter im Milchviehstall der Swiss Future Farm in Tänikon TG Überwachungssysteme. «Wir haben einen GEA-Melkstand mit der Dairyplan-Herdenmanagement-Software und RescounterII-Halsbänder. Zusätzlich nutzen wir derzeit Smartbow für die Tierortung und den Moocall-Abkalbesensor.» 

Allflex Sense

HubAllflex SenseHub für Milch-, Mutterkühe und Aufzucht wird vertrieben von Swissgenetics. Das System meldet brünstige Kühe, unregelmässige Brunst, Verdacht auf Abort und brunstlose Tiere. Infos gibts auch zum Wiederkau- und Fressverhalten. Es stehen Ohr- und Halsbandsensoren zur Auswahl.

Im Emissionsversuchsstall sei ein Lemmer-Fullwood-Melkstand eingebaut mit der Fullexpert-Software. «Zeitweise werden auch RumiWatch-Halsbänder und Icetags zu Versuchszwecken eingesetzt. Als Farm-Management-Informationssystem wird Uniform-Agri eingesetzt. Die Systeme haben unterschiedliche Stärken und Schwächen.» 

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