25.07.2018 13:24
Quelle: schweizerbauer.ch - ral
Bern
«Simmentaler müssen falbe sein»
Ursula und Beat Wüthrich und ihre vier Söhne sind mit Herzblut Bauern. Neben der Gastwirtschaft bringt der 90-Hektar-Betrieb Arbeit, aber auch viel Befriedigung. Besonders sticht der gepflegte Simmentalbestand ins Auge.

In der Küche ist Ursula Wüthrich beschäftigt. Sie macht Käse. Mutschli mit und ohne Kräuter. Das Restaurant ist geschlossen, heute ist Ruhetag. Derweil haben ihr Mann Beat und Sohn Christian gerade die Kühe auf die Weide gelassen und machen den Stall sauber. Die Kühe sind gepflegt und blitzblank. «Das ist uns wichtig, so macht die Arbeit auch mehr Freude. Da waschen wir die Schwänze halt zweimal täglich», meint der 28-jährige Christian.

Simmental hat Tradition


«Bei uns kam nie etwas anderes infrage als Simmentaler», weiss Vater Beat Wüthrich. Er wuchs auf dem benachbarten Betrieb Obergrenchenberg, der auf Solothurner Kantonsgebiet liegt, auf. Sein Vater Hans Wüthrich war Mitbegründer der Schweizerischen Vereinigung zur Erhaltung und Förderung der reinen Simmentaler Fleckviehrasse SVS. Beat erinnert sich: «Meine Eltern hatten kein Auto. Wir mussten zu Fuss über die Fluh nach Grenchen zur Schule. Im Winter wurde es manchmal neun Uhr abends, bis wir wieder daheim waren.»

Nach einigen kurzen Aufenthalten von Ursula und Beat im Jura wanderte Wüthrichs Schwager nach Kanada aus. Die Tiefmatt wurde frei. «Wir bewarben uns und bekamen als junge Familie den Zuschlag», erzählen die beiden. Nun sind sie im 25. Jahr hier. «Wir hatten einige Swiss-Fleckvieh-Tiere übernommen. Eine erreichte sogar 100'000 kg Lebensleistung. Doch die Kälber haben wir konsequent verkauft», berichtet Ursula. 

Zuchterfolge verzeichnet

Konsequent sind Wüthrichs auch bezüglich Farbe. «Ich will keine roten Simmentaler, falbe müssen es sein», gibt Beat zu verstehen. So habe er die bekannte Kiley deswegen an Aebersolds verkauft. Auf der Weide ist ein stattlicher Muni bei den Kühen, Silvan Wilbur, der Erwin Brügger aus Wasen BE gehört. «Auch Nineron und Dario waren hier. Daneben einige Stiere aus der Zucht von Gilbert Christen. Die haben uns Milch gebracht.» Von Nineron und der Stammkuh Furka entstand Mont-Blanc, der seit einigen Jahren bei Swissgenetics im Zweiteinsatz ist. 

«Mit Silvan-Tochter Enzian waren wir an der Swiss Expo. Und sie holte sogar den Abteilungssieg», so Christian stolz. Knapp 7000 kg Milch ist der Herdenschnitt. «Das genügt hier oben. Wir setzen auf betriebseigenes Futter. Für Bio sind die Auflagen zu gross.» Die Bergweiden würden heute unternutzt, deshalb nehme vielerorts das Unkraut überhand, stellt der 64-Jährige fest. Neben den vier Söhnen Christian, Stefan, Adrian und Nicolas packt auch Ursula täglich mit an. «Das ist wichtig», so Beat Wüthrich. Nun, die Zukunft scheint gesichert: Auf nächstes Jahr wird Stefan und seine Frau Charlotte den Betrieb übernehmen. Und Christian und Laura heiraten demnächst.

Betrieb Tiefmatt

Der Alpbetrieb Tiefmatt/La Bluai liegt auf 1260 Metern über Meer auf dem Montoz und gehört zur Berner Gemeinde Court. Er ist einer der Berghöfe der Grenchenberge und gehört der Bürgergemeinde Lengnau. Er umfasst 90 ha LN, davon 24 ha Heumatten. Die Pächterfamilie Ursula und Beat Wüthrich und ihre vier erwachsenen Söhne, die bei jeder Gelegenheit mitanpacken, halten 26 Simmentalkühe und ebenso viel Jungvieh. Mit der Milch werden Kälber gemästet. Die überschüssige Milch wird verkäst. Im Sommer sömmern sie von vier Landwirten rund 100 Mutterkühe mit ihren Kälbern. ral

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